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Freitag, 15.12.2017

Verbraucherzentrale rügt Umgang mit Sparverträgen

Der Negativpreis „Prellbock 2017“ geht an zwei sächsische Sparkassen, die Prämiensparern gekündigt haben.

Von Katrin Saft

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Zwei sächsische Sparkassen dürfen sich über den Negativpreis „Prellbock 2017“ freuen.
Zwei sächsische Sparkassen dürfen sich über den Negativpreis „Prellbock 2017“ freuen.

© dpa

Zwickau. Der Preis für das verbraucher-
unfreundlichste Unternehmen in Sachsen geht in diesem Jahr an die Sparkasse Zwickau und die Erzgebirgssparkasse in Annaberg-Buchholz. Grund dafür ist die Kündigung von Langzeitsparverträgen. Das vor allem in den 90er-Jahren abgeschlossene „Prämiensparen flexibel“ bot anfangs unterdurchschnittliche Zinsen, stellte aber ab dem 15. Jahr einen Bonus von 50 Prozent der eingezahlten Jahressumme in Aussicht.

Nun, wenn sich die Verträge für Sparer lohnen, wurden sie von fünf der zwölf Sparkassen in Sachsen für beendet erklärt. Sie seien angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank für die Kreditinstitute nicht mehr wirtschaftlich, hieß es. Hunderte verärgerte Kunden suchten und suchen deshalb bei den Verbraucherschützern Rat. „Mit den Sparkassen Leipzig, Meißen und Muldental konnten wir Kompromisse aushandeln“, sagt Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen. „Die Sparkasse Zwickau und die Erzgebirgssparkasse dagegen waren zu keinem Alternativangebot bereit, das eine ähnliche Sicherheit und Rendite bietet.“ Dafür habe man ihnen am Donnerstag den „Prellbock des Jahres 2017“ verliehen.

Für den Negativpreis hatten zwischen Februar und November knapp 1 000 Verbraucher Vorschläge eingereicht. Mehr als die Hälfte sprach sich für die Kündiger-Sparkassen aus, gefolgt von Telekommunikationsunternehmen wie Pyur (früher Telecolumbus & Primacom), Telefonica und Vodafone sowie dem insolvent gegangenen Energiedienstleister Care energy.

Beide Sparkassen wollten den Preis jedoch nicht entgegennehmen. „Wir haben Betroffenen bei freiwilligem Vertragsausstieg schon im März ein Angebot unterbreitet, das 80 Prozent auch angenommen haben“, sagt Felix Angermann, Vorstandschef der Sparkasse Zwickau. Die Verbraucherzentrale verschweige, dass es hinlänglich Gerichtsurteile gebe, die die Kündigung solcher Verträgen für rechtmäßig erklären.

Die Verbraucherschützer wollen dennoch zum Jahresanfang mehrere Feststellungsklagen auf Unzulässigkeit der Kündigung gegen die Sparkassen Zwickau und Erzgebirge einreichen. Sie setzen dabei auf die Kompetenz einer neuen Spezialkammer für Finanzgeschäfte, die ab 2018 an den Landgerichten eingerichtet wird.

Dass es auch anders geht, beweisen Sparkassen wie Chemnitz, Döbeln und die Ostsächsische in Dresden, die an den Prämiensparverträgen festhalten. Der Ostdeutsche Sparkassenverband will das unterschiedliche Agieren seiner Mitglieder nicht bewerten. Auch das Sächsische Finanzministerium sieht sich als Rechtsaufsicht dafür nicht zuständig.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. Freiland statt Unland

    Das sächsische Finanzministerium/Herr Unland sieht sich als Rechtsaufsicht dafür nicht zuständig. Klar, geht ja auch um sächsische Verbraucherinteressen. Die sind nicht wichtig. Wichtig ist, dass an den falschen Stellen gespart und an anderen Stellen geprasst wird. Der Steuerzahler/Verbraucher hat die Gosche zu halten. So geht der Obrigkeitsstaat in Sachsen.

  2. Klaus

    Jaja, freiwillig beendet. Die Freiwilligkeit sieht so aus, dass grade ältere Sparer in Ihre Sparkasse telefonisch *einbestellt* werden und dann dort bearbeitet werden. Nicht wahr, liebe Stadtsparkasse Dresden? Gibt's doch Prämien, wenn so ein unlukrativer Vertrag freiwillig beendet werden kann, oder?

  3. wagner

    zu 1 Das sind private Verträge zweier eigenständiger Parteien. Es wäre schlimm, wenn sich in solche Verträge ein Politiker oder die Politik reinmischen würde! Daher haben wir seit vielen Jahren die 3-Gewalten-Teilung. Und das ist gut so. Nun ist ja die Vertragslage nach BG in der Regel nur durch die 2 Parteien einvernehmlich zu kündigen. Und hier muss sicherlich abgewogen werden, ob es für eine Partei eine unbillige Härte darstellen würde. Was ich persönlich in diesem Fall bei der Sparkasse bezweifle. Zumindest für die Zukunft muss man sich auch bei dieser Einrichtung genau überlegen, welche Produkte man dem Kunden aufschwatzt. Zumindest die ersten Jahre hat ja die Sparkasse sehr gut davon gelebt...

  4. TheBeastFromTheEast

    "Pacta sunt servanda" - gilt offenbar nicht für die Finanzbranche. Nicht die sächsischen Sparkassen, sondern sog. "Global Player" haben u.a. das Geld, das ich als Altersvorsorge in Lebensversicherungen eingezahlt habe, schlicht verzockt. Pech gehabt. Dafür steht in München jetzt eine ..... -Arena. Ob die mal mein Altersheim wird - wohl kaum. Stattdessen werde ich schlimmstenfalls vom Steuerzahler alimentiert. Aber Banken und Versicherungen dürfen ja alles - außer sich an Gesetze halten. Insoweit halte ich auch das Anpreisen "privater Altersvorsorge" für leeres Geschwätz: Wenn ich mit Geld "spielen" will, kann ich gleich ins Casino gehen. Da weiß man wenigstens: Die Bank gewinnt immer. Und wenn´s mal nicht klappt, gibt´s den staatlichen Rettungsschirm. Wie viele Private und Betriebe vorher über die Klinge gesprungen sind, interessiert niemanden. War´n ja nicht "systemwichtig". Übrigens: Auch dieses System haben sich weder Frau Merkel, noch Herr Unland ausgedacht!

  5. Thomas

    Die Erzgebirgs-Sparkasse war doch schon immer der große Abzocker unter allen Sparkassen. Nirgendwo sind die Gebühren höher und die Konditionen schlechter als bei der Erzgebirgs-Sparkasse.

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