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Freitag, 10.08.2018

So startet Sachsen in das neue Schuljahr

Mehr Schüler, fehlende Lehrer, gekürzter Unterricht: Der Kultusminister rechnet mit einem schwierigen Schuljahr.

Von Andrea Schawe

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In Sachsen werden auch im kommenden Schuljahr Tausende Stunden Unterricht ausfallen. Möglicherweise muss an einzelnen Schulen auch zeitweise die Stundentafel gekürzt werden. Das wird vor allem die Förder- und Oberschulen treffen. In diesen Schularten fehlen die meisten Lehrer.
In Sachsen werden auch im kommenden Schuljahr Tausende Stunden Unterricht ausfallen. Möglicherweise muss an einzelnen Schulen auch zeitweise die Stundentafel gekürzt werden. Das wird vor allem die Förder- und Oberschulen treffen. In diesen Schularten fehlen die meisten Lehrer.

© Funke Foto/Ingo Otto

Eine schnelle Lösung gebe es beim Thema Lehrermangel nicht, es werde „ohne Zweifel ein schwieriges Schuljahr“, kündigt Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Donnerstag an. Die SZ erklärt die wichtigsten Punkte zum Schulbeginn.

So viele Schüler in Sachsen wie lange nicht

Ab Montag lernen in Sachsen rund 476 200 Kinder – das sind etwa 6 300 Schüler mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Schulen hat sich um zehn auf 1 764 erhöht. Neben neuen Schulen in den Großstädten, die ans Netz gehen, wurde mit der Oberschule in Klingenthal erstmals auch im ländlichen Raum eine neue Schule eröffnet. „Das ist ein wichtiges Signal“, sagt Piwarz. „Die Zeit der Schulschließungen ist vorbei.“

Neue Schulordnungen in allen Schularten

Zum neuen Schuljahr treten mehrere Neuerungen an den Schulen in Kraft. Auf Grundlage des neuen Schulgesetzes wurden die Schulordnungen überarbeitet. In der Grundschule wird der Anfangsunterricht gestärkt, es soll mehr Raum für individuelle Förderung geben. In 17 Grundschulen startet außerdem die Testphase des Modellprojekts zum Wegfall der Diagnostik in der ersten Klasse. An 62 Oberschulen können die Kinder lernzieldifferent unterrichtet werden. Außerdem gibt es nun an jeder Oberschule einen Praxisberater. Gymnasiasten haben künftig von der 7. bis zur 10. Klasse Informatikunterricht. Bisher wurde das Fach nur in den Klassenstufen 9 und 10 als Profilunterricht angeboten.

An Förder- und Oberschulen fehlen besonders viele Lehrer

Der Lehrermangel an den Förderschulen setzt sich fort. „Wir suchen schon seit Langem händeringend Sonderpädagogen“, sagt Piwarz. In diesem Jahr konnten nur 74 Förderschullehrer eingestellt werden, 117 Stellen waren sachsenweit geplant. Auch an den Oberschulen fehlen etliche Lehrer. Das gilt auch für die eigentlich beliebten Großstädte: In Dresden konnten nur 24 von 48 Stellen besetzt werden, in Leipzig sind es 66 von 111. An den Grundschulen hat sich die Situation etwas entspannt. Die Lücke ist mit 55 fehlenden Lehrern kleiner als in den Vorjahren. Für die Stellen an den Gymnasien gibt es genügend Bewerber, Sachsen stellt mittlerweile über dem Bedarf ein. Allerdings wollen nur wenige zeitweise an eine Oberschule wechseln: 57 Lehrer unterrichten schulartfremd. „Weniger als wir erwartet haben“, sagt Piwarz.

Bautzen und Chemnitz bleiben Mangelregionen

Schulen in Bautzen und Chemnitz werden wohl nicht an Unterrichtskürzungen vorbeikommen. Schon die Bewerberlage war katastrophal. Das spiegelt sich nun in den Einstellungszahlen wider. In Bautzen konnten 64 Stellen nicht besetzt werden, nur an Gymnasien und Berufsschulen ist der Bedarf gedeckt. In der Region Chemnitz fehlen insgesamt 54 Lehrer – besonders an den Oberschulen. Die SPD schlägt deswegen vor, die Lehramtsausbildung in Chemnitz nicht nur für die Grundschule, sondern auch für die Oberschule anzubieten. „Wenn die Heimatverbundenheit der Chemnitzer Studierenden dazu führt, den Bedarf in der Region besser zu decken, dann sind wir auf dem richtigen Weg“, sagt Bildungspolitikerin Sabine Friedel.

Beamte aus anderen Bundesländern kommen nach Sachsen

Insgesamt 71 Beamte aus anderen Ländern wollten zum Schuljahr 2018/19 nach Sachsen wechseln. 34 davon kommen im Lehrertauschverfahren, dafür muss Sachsen 19 Lehrer gehen lassen. Die Übrigen haben nach Angaben des Kultusministers eine Freigabe ihres Dienstherren erhalten, um nach Sachsen zu ziehen. Dabei werden auch in den Nachbarländern Lehrer dringend gesucht. In Berlin fehlen zum Schuljahresstart noch etwa 1 250 Lehrer – so viele wie nie zuvor. In Sachsen-Anhalt sind etwa 200 Stellen unbesetzt. Nur Brandburg konnte fast alle benötigten Lehrer einstellen. Das Land verbeamtet in Zukunft auch Gymnasiallehrer, die vorwiegend an Grundschulen unterrichten. Zudem sollen die Gehälter für Grundschullehrer vom kommenden Jahr an angehoben werden.

Mehr Lehrer kommen aus dem Ausland

Derzeit sind nach Angaben des Kultusministeriums 264 Lehrer aus dem Ausland in Sachsen tätig. Ein Großteil kommt aus Tschechien und Polen. Allerdings ist das Verfahren zur Anerkennung der Abschlüsse kompliziert. Das Ministerium will nun die Zulassungsvoraussetzungen lockern, um mehr engagierte Lehrer aus den Nachbarländern zu gewinnen. Grundlage sei allerdings der nahezu fehlerfreie Erwerb der deutschen Sprache, machte Piwarz deutlich. „Wir haben festgestellt, dass auch das Niveau C1 nicht ausreicht, um an einer Grundschule zu unterrichten.“ (mit dpa)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 15 Kommentare

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  1. Regine Günzel

    Die Lehrerausbildung muss erneuert werden. Außerdem vielmehr Praxis in das Studium. Am wichtigsten ist die Vermittlung des Stoffes an die Schüler. Den das ist eine Gabe die nicht jeder Lehrer kann. Das nützen mir auch alle Einsen nichts.

  2. Honza

    Sind denn unter den Flüchtlingen aus dem Nahen Osten, die vor 3 Jahren zu uns kamen, keine Pädagogen dabei? Im Herbst 2015 hieß es doch in den deutschen Leitmedien, dass es sich bei diesen Flüchtlingen auch um Fachkräfte handelt, welche die Lücken am deutschen Arbeitsmarkt schließen werden. Stattdessen müssen mal wieder die Osteuropäer ran, obwohl deren Herkunftsländer die gut ausgebildeten Menschen eigentlich selber bräuchten.

  3. kein Fan @ Honza

    Honza, Ihr Kommentar ist - und das wissen Sie sicher selbst - selten dämlich. Natürlich sind unter den Flüchtlinhen keine Lehrer dabei, erst recht keine mit ausreichendem Deutsch. Aber irgendwie muss ja zu jeder innenpolitischen Angelegenheit ein Flüchtlingsbezug hergestellt werden. Belesen Sie sich mal, welche innereuropäischen Flüchtlingsbewwgungen es in den letzten 70-80 Jahren gegeben hat, da bleibt nahezu keine Familie unbetroffen. Sicher auch Ihre nicht.

  4. Clive_Barker

    Es ist schon erstaunlich, dass sich (vermutlich ein Student, der in Dresden lebt) sich sofort einen Nickname (kein Fan) gibt, um wieder einmal Menschen, die 2015 und danach unseren Politikern zugehört haben, diffamieren. Ich denke Mal das nicht nur Honza zuhören kann, sondern sein "kein Fan vielleicht auch. "Kein Fan" versteht es leider nicht! Lieber holen wir Lehrer aus der ganzen EU, die eigentlich im eigenen Land gebraucht würden. So und nun den Post löschen!

  5. Ich

    Lehrermangel in Sachsen: wer hat’s verbockt? CDU und SPD. Ausbaden müssen es die Lehrer vor allem Ü41 Lehrer, denen wird nichtveinmal gerecht gedankt. Kein allgemeiner Ausgleich für Nichtverbeamtung.

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