• Einstellungen
Freitag, 13.07.2018

So gefährlich sind Sachsens Höhlen

Gespräch mit einem Höhlenforscher aus Dresden zu Ausrüstung, Vorbereitung und Rechtslage. Das Erkunden der Unterwelt birgt durchaus einige Risiken.

2

Bild 1 von 2

Höhlenretter probten Ende Juni im Bielatal in der Sächsischen Schweiz den Ernstfall. Konkret ging es darum, Menschen aus Spalten zu bergen, den Transport Verletzter aus Engstellen zu üben und vermisste Personen aus Hohlräumen zu retten.
Höhlenretter probten Ende Juni im Bielatal in der Sächsischen Schweiz den Ernstfall. Konkret ging es darum, Menschen aus Spalten zu bergen, den Transport Verletzter aus Engstellen zu üben und vermisste Personen aus Hohlräumen zu retten.

© Marko Förster

Hartmut Simmert (57) betreibt seit 1982 in seiner Freizeit Höhlenforschung. Er ist Dozent an der TU Dresden.
Hartmut Simmert (57) betreibt seit 1982 in seiner Freizeit Höhlenforschung. Er ist Dozent an der TU Dresden.

© Foto: Anja Adler

Nach dem Drama um die Rettung der Jugendfußballgruppe aus der Tham Luang Höhle in Thailand machen sich auch viele Sachsen Gedanken über die Sicherheit in Höhlen. Hartmut Simmert vom Verein Höhlen- und Karstforschung Dresden kennt sich in der Unterwelt aus.

Herr Simmert, wer darf eigentlich wann in welche Höhle?

Das ist nicht streng reglementiert. Wer es sich zutraut, darf überall rein. Allerdings gibt es Ausnahmen. Befindet sich die Höhle auf Privatgelände, ist eine Genehmigung nötig. Zudem sind in Naturschutzgebieten wie der Sächsischen Schweiz oft Zugangswege gesperrt. Dafür braucht es Sondergenehmigungen. Und laut Bundesnaturschutzgesetz dürfen Höhlen, in denen sich Fledermäuse aufhalten, zwischen Oktober und April nicht betreten werden. Besonders gefährliche oder schützenswerte Höhlen sind in Deutschland ohnehin verwahrt.

Ab wann spricht man von einer Höhle?

Wenn es sich um einen natürlich entstandenen unterirdischen Hohlraum handelt, den Menschen betreten können und der mindestens fünf Meter lang oder tief ist.

Wie viele Höhlen gibt es in Sachsen?
Bisher wurden im Freistaat an die 300 Höhlen entdeckt, fast alle in der Sächsischen Schweiz. In der benachbarten böhmischen Schweiz kommen ebenso viele dazu.

Kann man spontan bei einer Wanderung in so eine Höhle gehen?

Auf keinen Fall. Man muss entsprechende körperliche und psychische Voraussetzungen mitbringen. Abgesehen von kleinen Höhlen wie der Diebeshöhle am Quirl in der Sächsischen Schweiz verlangen andere wie die benachbarte Biwakhöhle einiges Geschick. Jeder sollte sich bewusst sein, dass er durch schmale Gänge kriechen und über Felswände nach unten klettern muss. Bei tieferen Wasserstellen, die von Felsen eingeschlossen sind, braucht es unbedingt eine Tauchausbildung.

Welche Gefahren lauern in der Tiefe?

Es ist dunkel, und die Orientierung kann sehr schwierig werden. In schmalen Spalten stößt man sich leicht. Bei der Durchquerung eingeschlossener Wasserstellen können Überschätzungen schnell zu Panik und zum Ertrinken führen. Auch eine Kommunikation per Telefon ist unter Tage ausgeschlossen. Wer in eine Höhle geht, sollte deshalb sein Ziel angeben.

Welche Ausrüstung braucht es bei einer Begehung?

Um den Kopf zu schützen, ist ein Helm wichtig. Handschuhe sind bei Kletterpassagen gut. Und da es selbst ohne größere Wasserbereiche meist feucht ist, empfehlen sich Gummistiefel. Zur Ausrüstung gehören auch Taschenlampen, am besten eine Stirnlampe. Ich selbst nehme aus Sicherheitsgründen immer drei Lampen mit. Bei einigen Höhlen sind Abseiltechnik und Tauchausrüstung nötig.

Wer ist im Notfall für eine Rettung zuständig?

Das übernehmen bei uns Höhlenretter, die dem Verband der Deutschen Höhlen- und Karstforschung angeschlossen sind. In Sachsen gibt es seit 1997 eine solche Gruppe bei der DRK Bergwacht. In Extremsituationen holen sich die Retter Hilfe aus Nachbarverbänden, aber auch von Technischem Hilfswerk und Feuerwehren.

Wer bezahlt die Einsätze?

Dort, wo es unvermeidbare Gefahrensituationen gibt, tragen die Krankenkassen die Rettung. Steckt aber eine riskante Unternehmung dahinter, hilft eine Unfallversicherung, die Bergungskosten einschließt. Ansonsten bekommt der Betroffene die Rechnung. Er muss allerdings nur die im jeweiligen Landkreis dafür festgelegten Gebühren zahlen. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind das beispielsweise 830 Euro.

Ist in jeder Höhle wie in Thailand mit dem Anstieg von Wasser zu rechnen?

Nein, das passiert vor allem in Karstgebieten, weil dort der größte Teil des Niederschlags nicht ober-, sondern unterirdisch entwässert wird. Spalten und lösliches Gestein führen da bei Regen in Minuten zu einem Anstieg des Wasserspiegels.

Das heißt, in Sachsen besteht die Gefahr nicht?

Nein. Eine Wassergefahr gibt es nur in der Drachenhöhle Syrau im Vogtland, und die ist nur mit Führungen zugänglich. Aber beispielsweise in Höhlen der Schwäbischen Alb lauern solche Gefahren.

Wo kann man sich über die Begehbarkeit von Höhlen und nötige Sicherheitsmaßnahmen informieren?

Bei Höhlenvereinen, die auch vereinsinterne Ausbildungen anbieten. In Sachsen sind das zum Beispiel die Vereine Höhlen- und Karstforschung Dresden sowie die Höhlenforschergruppen Dresden und Leipzig. Über die Webseite des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher (www.vdhk.de) finden sich die Adressen. Gut informiert und ausgebildet sind inzwischen auch Outdoor-Unternehmen, die Höhlenbegehungen anbieten.

Das Interview führte Gabriele Fleischer.

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Michi N.

    Irgendwie hat die ganze Geschichte mit den Jungs in Thailand etwas Hanebüchenes an sich. Unlogisch und unplausibel, wenn man bissl drüber nachdenkt... lg, mn

  2. Nachdenker

    @Michi N.: Ich bin bissl schwerfällig im Denken. Kannst Du mir das erklären, was Du meinst?

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.