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Freitag, 15.06.2018

Sachsen fehlen 600 Lkw-Stellplätze

Die Autobahnraststätten sind tagtäglich überfüllt. Dabei wurden bereits Hunderte neue Parkflächen gebaut.

Von Alexander Buchmann

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Sind die Parkflächen auf einem Rastplatz besetzt, stellen viele Fahrer ihre Lkw in den Zufahrten ab..
Sind die Parkflächen auf einem Rastplatz besetzt, stellen viele Fahrer ihre Lkw in den Zufahrten ab..

© Ronald Bonß

Bis zum letzten Platz belegte Stellflächen, zugeparkte Ein- und Ausfahrten und kein Durchkommen für andere Verkehrsteilnehmer. Wer nachts oder sonntags auf Sachsens Autobahnen unterwegs ist, kennt diese Bilder auf den Rastplätzen. Der Grund: Im Freistaat fehlen Stellplätze für Lastkraftwagen. Bis 2025 werden davon noch rund 600 gebraucht. Das teilt das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) auf Anfrage der SZ mit.

Demnach gibt es an den etwa 570 Kilometern Autobahn, die sich durch Sachsen schlängeln, sowie auf den Autohöfen zurzeit rund 2 500 Stellflächen für Brummis. Der Bedarf liegt jedoch deutlich höher. In seiner Netzkonzeption für Rastanlagen an Autobahnen beziffert der Freistaat diesen auf 3 100 im Jahr 2025. Grundlage dieser Berechnung ist eine bereits im Jahr 2008 durchgeführte Erhebung im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums. Damals fehlten bundesweit 14 000 Stellflächen.

Seitdem seien in Sachsen circa 550 zusätzliche Lkw-Stellplätze geschaffen worden, heißt es aus dem sächsischen Verkehrsministerium. Dafür seien unter anderem die Rastanlagen Vogtland und Dresdner Tor an der Autobahn 72 beziehungsweise der A 4 erweitert, die ehemalige Grenzzollanlage Ludwigsdorf an der A 4 zum Rastplatz umgebaut und an der A 14 die Tank- und Rastanlage Muldental neu gebaut worden. Insgesamt gibt es damit an den sächsischen Autobahnen zwölf bewirtschaftete Anlagen, an denen Tankstellen oder Raststätten vorhanden sind, und 47 weitere, die nicht bewirtschaftet werden. An diesen stehen beispielsweise nur Toiletten-Häuschen.

In den nächsten Jahren sollen an der A 17 und der A 72 zwischen Chemnitz und Leipzig weitere neue Rastanlagen entstehen und sachsenweit bestehende Anlagen erweitert werden. Denn die Netzkonzeption des Freistaats sieht an allen Autobahnen außer der A 13 Bedarf für zusätzliche Stellflächen. Am größten ist dieser entlang der A 4. So müssen die bestehenden Rastanlagen zwischen der Landesgrenze zu Thüringen und der polnischen Grenze in den kommenden Jahren um 244 zusätzliche Flächen erweitert werden. „Aktuell laufen konkrete Objektplanungen im Umfang von rund 320 zusätzlichen Lkw-Stellplätzen“, teilt die Pressestelle des SMWA mit. Ein konkreter Termin, wann diese fertig und damit nutzbar sein werden, könne jedoch nicht genannt werden. Ob auch neue Autohöfe entstehen, ist unklar. Für deren Planung, Bau und Betrieb seien weder das Land noch der Bund zuständig, heißt es in einer Antwort des SMWA auf eine Anfrage der AfD-Landtagsabgeordneten Silke Grimm. Denn Autohöfe seien eigenständige privatwirtschaftliche Unternehmen.

Bis 2025 plant der Freistaat die Schaffung aller 600 benötigten Parkflächen. Ob das Problem überfüllter Rastplätze damit gelöst sein wird, ist aber unklar. Im April 2018 seien bundesweit erneut Erhebungen zur Lkw-Parksituation an Autobahnen durchgeführt worden, sagt Henkel. Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse werde vom Bund eine überarbeitete Bedarfsprognose erstellt, anhand derer die Konzeption Sachsens auf den Prognosehorizont 2030 erweitert werde.

Das könnte bedeuten, dass es in sieben Jahren immer noch zu wenige Stellflächen für Lkw gibt. Denn seit 2008 hat das Verkehrsaufkommen zumindest auf der A 4 zwischen dem Dreieck Dresden Nord und der polnischen Grenze in Görlitz drastisch zugenommen. Wie aus der Antwort des SMWA auf eine Anfrage von Sebastian Wippel (AfD) hervorgeht, sind auf diesem Autobahnabschnitt vor zehn Jahren pro Tag rund 28 500 Fahrzeuge unterwegs gewesen. Im vergangenen Jahr waren es über 41 600. Damit ist das Verkehrsaufkommen um fast die Hälfte gestiegen.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 26 Kommentare

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  1. Meyer

    Falscher Ansatz! Es fehlen nicht Stellplätze sondern es gibt zu viele LKW!

  2. HP

    Es fehlen nicht 600 Parkplätze, sondern ein zukunftsfähiges Verkehrskonzept um den Transport von Gütern auf die Schiene zu verlagern. Der Osten hatte ein gut ausgebautes Schienensystem und Containerbahnhöfe. Aber alles musste kaputt gemacht werden. Diese Investitionen hätten sich heute ausgezahlt.

  3. Jürgen

    Warum können Transportdienstleister die Kosten für die Lagerung ihrer Waren eigentlich auf die Allgemeinheit abladen? Wenn die Fahrzeuge schon im öffentlichen Raum stehen, dann sollte dafür eine entsprechende Miete (aka Parkgebühr) fällig werden. Dass LKW kostenlos öffentlichen Raum an Autobahnen und in Wohngebieten belegen sollte nicht mehr als gegeben hingenommen werden. Ja, dies könnte Produkte für den Endverbraucher teurer machen. Es würde aber auch dazu führen, dass lokale Produkte im Verhältnis attraktiver werden und der Steuerzahler würde entlastet. Das Schaffen weitere kostenloser Stellplätze wird das Geschäftsmodell nur noch attraktiver machen und in ein paar Jahren kann dieser Zeitungsartikel fast identisch wieder veröffentlicht werden :-(.

  4. Roba

    @1: Plattitüde, da kein Lösungsansatz.

  5. also

    @4: 1 hat schon Recht, zu viele LKW weil die Autolobby so stark in der Regierung vertreten ist und auf keinen Fall ein anderes Transportkonzept will.Die Betriebe schaffen keine Lagerflächen mehr(was aber sogar Arbeitsplätze schaffen würde) denn die Allgemeinheit zahlt ja die Kosten der rollenden Lagerung.Durch immer mehr und breitere Straßen holt man sich den LKW Verkehr erst her,jeder weiß das ein LKW die Straßen überproportional schädigt,aber man will es nicht ändern

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