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Donnerstag, 14.06.2018

RTL 2 zum Steuer-Debakel

Die Sendung „Zuhause im Glück“ hat nach 13 erfolgreichen Jahren ein großes Problem – und erst recht die früheren Teilnehmer.

© Screenshot SZ

Mit einer Wirtschaftsprüfung im März fing das Dilemma an: Mitwirkende des Quotenbringers „Zuhause im Glück“ werden vom Finanzamt nun zur Kasse gebeten. Die SZ hat sich deshalb an RTL 2 gewendet.

Das Sendeformat existiert seit Jahren. Gab es vorher nie Bedenken, dass das Finanzamt Forderungen hinsichtlich einer Steuer aufmachen könnte?

Aus all den Jahren war uns bisher kein Fall bekannt, in dem ein Finanzamt die Renovierungsleistungen bei „Zuhause im Glück“ als steuerpflichtiges Einkommen der Familien bewertet und tatsächlich Einkommenssteuern bei einer der Familien eingefordert hat. Wie wir nun kürzlich erfahren haben, vertritt die Finanzverwaltung aber die Ansicht, dass Sach- und Dienstleistungen in sogenannten Helptainment-Formaten als einkommenssteuerpflichtiges „Einkommen“ der Teilnehmer zu werten und von diesen damit zu versteuern sind. Dies stellt eine neue Sach- und Rechtslage dar.

Inwieweit wurden die mitwirkenden Familien darüber aufgeklärt?

Das Mitwirken an der RTL 2-Dokusoap „Zuhause im Glück“ ist vertraglich geregelt. Die Familien werden vor Beginn der Dreharbeiten darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Sachleistungen einkommenssteuerpflichtig sein können. Dies ist im Vertrag so vermerkt. Die Umsatzsteuer für die gesamten Bauleistungen übernimmt RTL 2.

Welche praktischen Möglichkeiten der Unterstützung sehen Sender und Produktionsfirma UFA nun kurzfristig für betroffene Familien? Ist eine Sonderregelung bis zum Stichtag der Wirtschaftsprüfung denkbar?

Auch wenn wir die Auffassung der Finanzverwaltung dem Grunde und auch der Höhe – des angeblich steuerpflichtigen Einkommens – nach nicht teilen, haben wir auf die neue Lage reagiert. Mit den Familien, die vom Finanzamt kontaktiert wurden und sich bei uns gemeldet haben, stehen wir in Kontakt. Diese werden auf Wunsch durch einen Steuerberater, der von der UFA und RTL 2 bezahlt wird, unterstützt. Steuerverpflichtungen sind jedoch Privatsache der Mitwirkenden. Dass die Finanzämter nun bei einer Reihe von Familien Steuern einfordern, ist für uns unverständlich. Bei einer strittigen Rechtsfrage wie dieser haben die Finanzämter einen gewissen Auslegungs- und Ermessensspielraum. Wir hoffen, dass sie den nutzen, um den Hilfsgedanken des Formates zu unterstützen.

Haben die Familien in der Zusammenkunft am kommenden Samstag in Köln Chancen auf eine individuelle Beratung?

Das Treffen findet auf Initiative der Familien hin statt, um offene Fragen in einer persönlichen Runde klären zu können. Eine individuelle Beratung der Familien erfolgt durch den Steuerberater, der den Familien auf Wunsch an die Seite gestellt wird.

Welche Konsequenzen werden jetzt gezogen?

Wir weisen nunmehr alle neuen Familien vor ihrer Teilnahme an der Produktion explizit auf die neue Situation hin. Dass die Renovierungsleistung nach Ansicht der Finanzämter steuerpflichtiges Einkommen darstellt, und empfehlen ihnen dringend, sich vor ihrer Teilnahme mit einem Steuerberater zu dem Thema auszutauschen.

Die Fragen stellte Catharina Karlshaus.

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