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Montag, 12.03.2018

Laster-Fahrerin wegen tödlichem Unfall vor Gericht

Drei Tote forderte ein Unfall am Parkplatz „Rossauer Wald“. Die Fahrerin stellte ihren Lkw an der falschen Stelle ab, weil sie dringend auf Toilette musste.

Von Helene Krause

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Weit verstreut lagen die Fahrzeugteile des am 29. Juni verunglückten Opels auf der Autobahn 4 bei Hainichen in Höhe des Parkplatzes Rossauer Wald.
Weit verstreut lagen die Fahrzeugteile des am 29. Juni verunglückten Opels auf der Autobahn 4 bei Hainichen in Höhe des Parkplatzes Rossauer Wald.

© Sven Barsch/dpa

Döbeln. In den frühen Morgenstunden des 29. Juni 2017 geschah auf der A 4 in Richtung Dresden ein folgenschwerer Verkehrsunfall. Weil der Rastplatz „Rossauer Wald“ restlos überfüllt war, hatte die 33-jährige Fahrerin eines Lasters ihr Fahrzeug auf der Zufahrt des Parkplatzes abgestellt. Ein 47-jähriger Pole, der zuvor einen Lkw überholt hatte und mit überhöhter Geschwindigkeit in den Rastplatz eingebogen war, fuhr auf den Auflieger des Lkw auf. Während der Pkw-Fahrer schwer verletzt wurde und nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte, starben die drei weiteren Insassen des Opel an ihren Verletzungen. Alle waren Arbeitskollegen des Unfallverursachers.

Der polnische Unfallverursacher wurde schon im Dezember 2017 wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Unfallgutachter gingen in der Verhandlung im Dezember davon aus, dass der Pkw mit etwa 130 Stundenkilometer in den Rastplatz eingebogen war. Mit diesem Tempo hätte er nicht einmal die Zufahrt zu den Pkw-Parkplätzen ohne Unfall erreicht, da waren sich die Unfallgutachter einig. Wenn er nicht auf den Sattelschlepper aufgefahren wäre, wäre er auf einen anderen Lkw gefahren, der ebenfalls in der Zufahrt parkte.

Die Fahrerin des Sattelschleppers, die in Düsseldorf wohnt, musste sich vorm Amtsgericht Döbeln wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Weil sie kurz vor der Verhandlung ein Baby per Kaiserschnitt entbunden hatte, war sie damals nicht zur Verhandlung erschienen. Sie erhielt einen Strafbefehl. Laut diesem sollte sie eine Geldstrafe in Höhe von 2600 Euro zahlen. Ihr Verteidiger legte in der Verhandlung Widerspruch ein.

Die Fahrerin des Sattelzuges war zur Tatzeit schwanger. Bevor sie das Fahrzeug auf dem Rastplatz „Rossauer Wald“ abstellte, hatte sie schon einen anderen Parkplatz anfahren wollen. Doch auch der war voll besetzt gewesen. Weil sie dringend zur Toilette musste, ließ sie den Sattelschlepper dann an der Einfahrt zum Rastplatz „Rossauer Wald“ stehen. Das Fahrzeug war voll beleuchtet.

Nachdem der Unfall passiert war, stand die Angeklagte unter Schock. Der Anblick der Toten und des total zerstörten Opel lassen sie bis heute nicht los. Sie befindet sich seit dem Unfall in psychologischer Behandlung. Deshalb ist sie auch zur zweiten Verhandlung nicht gekommen. Richter Janko Ehrlich reduziert die Geldstrafe aus dem Urteil vom Dezember auf 1800 Euro (90 Tagessätze zu 20 Euro). „Sie hat ohne Not dort gestanden“, sagt er in der Urteilsbegründung. Das Urteil ist rechtskräftig.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Klar

    Der Richter kennt wohl den Duden nicht: "Not, die ... 3.b. belastendes Problem; Schwierigkeit" Wozu auch?! ER definiert Not ganz einfach...

  2. Dresdner Bürger

    Hätte sich also vielmehr die Fahrerin (schwanger) "im Namen des deutschen Volkes" einpinkeln sollen und evtl. dadurch dann einen Unfall verursacht, sozusagen mit warmen Schenkeln!? ...Hauptsache die Maut ist kassiert, dafür muss aber niemand die notwendige Infrastruktur schaffen???? Ist nicht evtl. DAS das Verbrechen!? Verkehrte Welt!!!

  3. Dieselautofahrer

    @klar,klare nichtssagende Aussage.5 setzen Sicherlich ist war das ein Fehler der Truckerin,jedoch wurde das Fahrverhalten des PKW auch als Riskantes Manöver dargestellt. Mit diesem Tempo hätte er nicht einmal die Zufahrt zu den Pkw-Parkplätzen ohne Unfall erreicht, da waren sich die Unfallgutachter einig. Noch fragen?

  4. DanielDD

    Sehr merkwürdiges Urteil. Ich dachte immer, es gilt das Sichtfahrgebot, d.h. es darf nur so schnell gefahren werden, dass man innerhalb des Sichtbereichs jederzeit zum Stehen kommen kann. Wer das missachtet, hat auch die daraus resultierenden Konsequenzen vollständig zu tragen. Insofern hat die Fahrerin des LKW ein Bußgeld verdient, mehr nicht.

  5. gu-ro

    Wann stehen eigentlich die Bundesinnenminister der letzten Jahre vor Gericht, die den Zustand der fehlenden Parkplätze zu verantworten haben ? Gäbe es genügend LKW-Parkplätze, wäre der Unfall auch nicht passiert.

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