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Dienstag, 17.04.2018

Großsedlitzer fürchten um ihre Idylle

140 Hektar groß und Arbeit für 3 000 Leute: Das ist der Industriepark Oberelbe. Was bedeutet das für die Anwohner?

Von Heike Sabel

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Würde ein Storch über ein Gewerbegebiet fliegen? Die Großsedlitzer haben etliche Fragen zu dem vor ihrer Haustür geplanten 140 Hektar großen Industriepark. Dabei spielt auch der Naturschutz eine Rolle.
Würde ein Storch über ein Gewerbegebiet fliegen? Die Großsedlitzer haben etliche Fragen zu dem vor ihrer Haustür geplanten 140 Hektar großen Industriepark. Dabei spielt auch der Naturschutz eine Rolle.

© Archiv: Marko Förster

Heidenau. Großsedlitz ist eine gute Adresse. Hier gibt es neben vielen Häusern und Höfen, die seit Generationen in Familienhand sind, etliche Neubauten. Und es gibt den Barockgarten. Künftig soll es unmittelbar angrenzend auch einen 140 Hektar großen Industriepark mit 3 000 Arbeitsplätzen geben. Pirna, Heidenau und Dohna haben sich dafür zusammengetan. Doch nun regt sich mit dem neuen Flächennutzungsplan Widerstand in Großsedlitz dagegen. Vorige Woche wurde eine Stellungnahme mit 270 Unterschriften im Rathaus abgegeben. Welche Einwände haben die Einwohner?

Drei Argumente gegen den Industriepark

Geräuschpegel, Anblick, Umwelt – das sind drei Stichworte, die die Großsedlitzer bewegen. Schon mit der Autobahn wuchs die Belastung für den Heidenauer Stadtteil. Nun soll mit dem Gewerbegebiet ein weiterer Einschnitt folgen. Einer mit Folgen: für die Natur und die Zukunft.

Erstens: Ein Teil des künftigen Industrieparkes liegt laut Regionalplan aufgrund des Barockgartens im Gebiet mit hohem landschaftsästhetischem Wert. Darin sehen die Großsedlitzer einen Widerspruch. Hinzu komme die weitere Bebauung von Flächen, wodurch Land verlorengehe.

Zweitens: Einen weiteren Widerspruch sehen die Großsedlitzer zwischen Arten- und Biotopschutz und dem künftigen Industriepark. So befinden sich unter anderem eine Streuobstwiese, seltene Vogelarten sowie andere Tierarten in dem Gebiet. Die Schutzflächen stehen ebenfalls im Regionalplan und überschneiden sich mit der Gewerbefläche.

Drittens: Den Großsedlitzern fehlt das Einbeziehen von leerstehenden Gewerbeobjekten außerhalb von dafür ausgewiesenen Gebiete. Sie wollen, dass der Bedarf ermittelt wird, der nicht auf den vorhandenen Flächen gedeckt werden kann. Nicht nur die Großsedlitzer warten auf eine Information über den großen Investor, der in den Industriepark kommen soll.

Drei Fragen an die Stadt

Die Großsedlitzer haben viele Sorgen und Fragen, auf Antworten hoffen sie in einem Gespräch mit der Stadt voraussichtlich Ende April.

Erstens: Dieser Komplex enthält existenzielle Fragen: Was wird gegen die Überflutungsgefahr durch die weitere Bebauung von Flächen getan, wie werden die Großsedlitzer vor Lärm geschützt und wie die Frischluftschneisen erhalten?

Zweitens: Stichwort Werteverlust der Grundstücke. Die Großsedlitzer befürchten bei einem so großen Gewerbegebiet so nah an ihren Häusern einen Verlust deren Wertes. Sie fragen deshalb: Wie gedenkt die Stadt damit umzugehen?

Drittens: Die Stadt hat die Bürger bisher so weit beteiligt, wie es das Gesetz vorschreibt. Nicht mehr und nicht weniger. Warum haben keine Bürgerversammlungen stattgefunden, wird nun gefragt. Die Unterzeichner der Petition meinen, die Reduzierung der Mitsprache auf das vorgeschriebene Minimum habe die Politik- und Verwaltungsverdrossenheit gefördert.

Das hat die Stadt bereits erkannt. Sie überlegt, wie sie die Heidenauer noch mehr in das Entstehen des Flächennutzungsplanes einbeziehen kann. Die Großsedlitzer sind nicht die Einzigen, die Bedenken haben. Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU) sprach jetzt von einem eisigen Wind, der dem Vorhaben aus verschiedenen Richtungen entgegenwehe.

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. Dr. Raphael Päng

    Die Sache folgt der Logik des durchziehenden Heuschreckenschwarms, man frißt das leicht erschließbare Land, während Quadratkilometer entlang des Bahnkorridors als schrottig-untergenutzte Halde (DD bis PIR) verbleiben. Man lockt mit angeblich hohen Arbeitsplatzzahlen (übliche Gefügigmachung), am Ende hat man graue Hallen und paar hundert autoabhängig Beschäftigte, man hat LKW-Mengen und selten-öde die schmerzlichen Fehler des dt. Westens wiederholt. All jene Behördenleute, welche seit etlichen Monaten und bewußt fern der Bürger, diese jämmerliche Kloake für das gesamte südöstliche Vorland der großen Kreisstadt Pirna vorbereiten, machen sich hochgradig schuldig - Narren eines suizidalen Wirtschafts- und Wegwerfprinzips. Es ist heute doch alles Einschränkende bekannt, man muß nicht mehr blind umherirren, wie diese Amtsleute. Am Ende haben wir viele graue Hallen und kein Kulturland mehr. Nur für bissel verlängerte Werkbank ist das viel zu schade! Aber CDU + Pöbel trampelt sicher alles tot.

  2. Michael Würfel

    Ich wußte gar nicht, dass die Industriebrachen in Heidenau und Pirna, entlang der Bundesstraße, schon wieder voll besiedelt sind, und man neue Gewerbeflächen braucht. Vor 2 Wochen war da noch viel Platz. Warum muss man immer neue Flächen versiegeln?

  3. Lysarion

    Wenn man diese Landschaft - der Übergang zum Elbsandsteingebirge durchwandert hat, dann versteht man die Bedenken. Ich war und bin für die A17 auch wenn sie diese Landschaft schmerzlich zerschneidet. Sie war u.a. notwendig um die Ortschaften auf dem Weg zum Erzgebirgspass in Zinnwald zu entlasten. Daher meine ich, dass erst einmal die Notwendigkeit des Industrieparkes darzulegen ist. Die Frage ob nicht genügend Industrieflächen schon zur Verfügung stehen ist qualifiziert zu beantworten. Einen weiteren Standort für Logistikzentren brauchen wir im Großraum Oberelbe nicht. Was soll dort angesiedelt werden, dass 3000 Arbeitsplätze bringt? Chemie? Und wenn der Park notwendig ist, sollte man zur Bedingung machen, dass nicht nur in die Höhe sondern auch mindestens zwei Geschosse in die Tiefe gebaut wird und nicht eine billige Industriearchitektur gebaut wird. Im 19. Jh hat man formschöne Industriearchitektur gebaut, bitte daran orientieren!

  4. Thomas

    Gibt es nicht genug leerstehende Industriehallen und Areale im Raum Dresden? Wer mit der S-Bahn zwischen Heidenau über Großsedlitz bis Prina unterwegs ist, kann tagtäglich dieses Trauerspiel bewundern. Warum nutzt man nicht die Industrieflächen, die schon vorhanden sind?

  5. ektzup

    Reine Profilierungssucht von Kommunalpolitikern, ohne realistische Erfolgsaussichten. Ein totgeborenes Kind von Pirna, Heidenau und Dohna. Verschwendung von Steuergeldern (Machbarkeitsstudien, Gutachten, Projektmanager u. a.) Die Aussagen eines bedeutenden „Anwohners" (Parkeigentümer) und der Flächenbearbeiter (Agrargenossenschaften) fehlen. Warum wurden die Bürger von Krebs noch nicht umfassend informiert? Fehlenede Information, was es die Steuerzahler in Heidenau, Dohna und Pirna tatsächlich (ohne Fördermittel) kosten wird.

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