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Freitag, 09.11.2018

Freitals Mumie ist ein alter Ägypter

Der bandagierte Kopf wurde in einer Schule gefunden. Jetzt ist klar: Er ist mindestens 2 000 Jahre alt.

Von Annett Heyse

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So sieht der mumifizierte Kopf aus, der vor etwa einem Jahr im Weißeritzgymnasium gefunden wurde. Jetzt ist klar, er ist deutlich älter als zunächst gedacht.
So sieht der mumifizierte Kopf aus, der vor etwa einem Jahr im Weißeritzgymnasium gefunden wurde. Jetzt ist klar, er ist deutlich älter als zunächst gedacht.

© Andreas Weihs

Dieses Objekt hätte wohl manches Museum gerne, doch es liegt in einer Box im Weißeritzgymnasium. Und noch weiß Schulleiterin Jeanette Ittermann nicht genau, wie nun weiter mit dem seltsamen Ding. Es handelt sich um einen mumifizierten Kopf. Er ist teilweise bandagiert. Die freiliegende Haut hat eine dunkelbraune Färbung angenommen. An zwei Stellen ist sie eingebrochen und der Schädelknochen schaut durch. Die zurückgezogenen Lippen geben den Blick auf die obere Zahnreihe frei.

Als Lehrer bei einer Entrümplungsaktion den Kopf im vergangenen Jahr aus der hintersten Ecke eines Schrankes hervorholten, wusste keiner so genau, um was es sich eigentlich genau handelte. Jetzt ist klar: Der Schädel stammt aus dem alten Ägypten. Ein Experte schätzt sein Alter auf 2 000 bis 3 000 Jahre. Der junge Mann starb mit Mitte 20 eines unnatürlichen Todes, wurde einbalsamiert, bandagiert und blieb so der Nachwelt erhalten. „Wir waren auch ganz schön überrascht“, kommentiert die Schulleiterin die Untersuchungsergebnisse. Sie hatte damit gerechnet, dass es sich um eine Fälschung oder ein für den Schulunterricht angefertigtes Schauobjekt handele. Viele Jahrzehnte lagerte der mumifizierte Kopf in einem luftdicht verschlossenen Glaskasten. Eine Lehrerin des Weißeritzgymnasiums hatte ihn einst in der Birkigter Schule entdeckt, als dort nach der Wende ausgeräumt wurde und sie auf der Suche nach Unterrichtsmaterial vorbei kam. Sie nahm den Kasten, der noch immer einen Aufkleber vom Rat der Stadt Freital und die Inventarnummer 31839 trägt, mit.

Rätselhafte Todesumstände

So kam der Kopf zunächst an die damalige Mittelschule Oberhermsdorf, später zog er mit seiner Finderin ans Ardenne-Gymnasium nach Freital-Zauckerode und anschließend ans Weißeritzgymnasium. Einige Male wurde er im Biologieunterricht gezeigt, dann geriet er in Vergessenheit. Zuletzt lagerte er im Gebäudeteil an der Krönertstraße im Vorbereitungsraum der Biologielehrer, bis er Ende 2017 wieder hervorgeholt wurde.

Nun wollten die Lehrer es doch genauer wissen und wendeten sich unter anderem an das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz. Dort verwies man sie an das Landesamt für Archäologie in Dresden. Als dessen Experten den Kopf röntgten, wurden sie stutzig. Der Schädel enthält eine Bitumenfüllung, wie man sie im alten Ägypten verwendete. Zudem liegen über den oberen, sichtbaren Bandagen noch ältere Schichten. Sie schickten die Provenienz zu einem Fachmann nach Leipzig.

Der ist sich seiner Sache sicher. Rätselhaft bleiben jedoch die Todesumstände. Erlag der junge Ägypter einer Krankheit? Oder wurde er gar hingerichtet, also geköpft? Darauf lässt schließen, dass die alten Ägypter eigentlich komplette Körper – tote Menschen wie Tiere – einbalsamierten. Doch von der Gymnasiumsmumie wurde offensichtlich nur der Kopf für die Nachwelt konserviert.

Unklar ist auch, wie die Mumie nach Deutschland und an eine Freitaler Schule gelangte. Kaufte ein Antikensammler einst den Schädel und schenkte ihn irgendwann der Schule? Oder kam der mumifizierte Kopf als Raubgut im Gepäck eines Soldaten nach Deutschland? Geklärt werden kann das vorerst nicht. Fakt ist, dass einige Museen scharf auf das Stück sind, Die Schule hatte entsprechende Anfragen. „Aber der bleibt erst mal bei uns“, sagt Jeanette Ittermann dazu.

Ihr schwebt vor, für den Kopf einen würdigen Platz zu schaffen. Denn immerhin, auch wenn ein paar Tausend Jahre alt, handelt es sich um einen toten Menschen. „Da bleibt ein mulmiges Gefühl. Man fragt sich schon, wer der Mann war und was ihm widerfahren ist.“

Schulleiterin Jeanette Ittermann ist deshalb auch nicht auf einen Gruselkabinetteffekt aus, sondern die Wahrung der Pietät. Sie würde sich freuen, wenn der Kopf bei den Schülern ein Nachdenken über den Wert des Lebens, den Umgang miteinander und die Achtung jedes Einzelnen auslösen würde.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Willy

    Hilfe - zum Glück sind meine Kinder nicht auf diesem Gymnasium! Sonst kommen sie eines Tages noch verstört nach Hause und sagen: "Wir haben im Bio-Unterricht einen echten Totenkopf angeguckt...!" Nein, das Exponat gehört in ein Museum - nicht in eine Schule!

  2. Pharao

    Und keiner kommt auf die Idee den Kopf dorthin zu geben, wo er hingehört. Nach Ägypten. Da ist noch vier Kolonialismus in den ach so aufgeklärten Lehrerköpfen.

  3. Der echte jk

    Der ach so aufgeklärte Pharao schreibt vom Smartphone mit Wortkorrektur, sonst würde aus "viel Kolonialismus" nicht "vier Kolonialismus" werden und er hat in seiner Aufgeklärtheit völlig übersehen, dass Ägypten nicht von den Deutschen kolonialisiert wurde, sondern von den Briten.

  4. Nefretute

    Ganz verkehrt ist der Ansatz von Pharao nun auch wieder nicht. Ich sage, ein würde- und pietätvolle Umgang mit konservierten Leichen(teilen) sollte im Mittelpunkt stehen. Ob dies an eine Schule möglich ist/war, darüber kann man streiten. @Willy: Der Umgang mit dem Thema 'Tod' kann durchaus mit einer gegenständliche Konfrontation (. oben) schon an der Schule stattfinden. PS.: Der Nick soll so ;) !

  5. Kalle

    @Der echte jk (3) Aber wirklich stichfest erscheint mir Ihr Einwand aber auch nicht. Es wurde ja nicht behauptet, dass Ägypten von den Deutschen kolonialisiert wurde, in den Köpfen kann doch trotzdem ein gewisses Herrendenken herrschen. So oder so, ich denke aber auch, das der Kopf im besten Fall in sein Grab gehört, die Totenruhe sollte auch bei fremden Kulturen achten.

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