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Freitag, 15.06.2018

Ex-Minister verärgert seine CDU

Markus Ulbig will seinen Landtagswahlkreis in Dresden abgeben – und dabei verhindern, dass diesen Ministerpräsident Michael Kretschmer übernimmt.

Von Gunnar Saft

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Ulbig gibt den Wahlkreis ab...
Ulbig gibt den Wahlkreis ab...

© Robert Michael

...Klepsch soll übernehmen.
...Klepsch soll übernehmen.

© Tobias Wolf

Dresden. Vor wenigen Tagen gab er sich noch unentschlossen – weiß noch nicht, mal sehen, vielleicht. Inzwischen hat sich Ex-Innenminister Markus Ulbig, der sein Amt unter Sachsens neuem Regierungschef Michael Kretschmer Ende 2017 verlor, entschieden.

Der CDU-Mann will die Politik verlassen und zur Landtagswahl 2019 nicht mehr in seinem Dresdner Wahlkreis antreten. Das bestätigte der 54-Jährige jetzt gegenüber der Freien Presse. Stattdessen will er sich selbstständig machen und arbeitet bereits jetzt neben seinem Abgeordnetenmandat als Berater für Quartiersentwicklungen im kommunalen Bereich.

Was Markus Ulbig nicht sagte: Vor seinem Abgang will er offenbar politisch noch einmal kräftig mitmischen. Nach SZ-Informationen hat er nämlich seinem CDU-Ortsverband in Dresden bereits eine Nachfolgerin zur Übernahme des Wahlkreises vorgeschlagen: die stellvertretende CDU-Landeschefin und amtierende Sozialministerin Barbara Klepsch.

Die stammt zwar aus dem Erzgebirge und ist kein Mitglied des CDU-Kreisverbandes Dresden. Trotzdem stellte sich die 52-Jährige bereits als mögliche Kandidatin bei dem Ortsverband Dresden-Pieschen persönlich vor – am gleichen Tag und gemeinsam mit Ulbig, der dabei offiziell seinen Rückzug ankündigte.

Die mit seiner Partei nicht abgestimmte Aktion sorgt nun nicht nur in den Reihen der Dresdner Christdemokraten für Kopfschütteln, sondern auch in der Landes-CDU. Der Grund: Für Ulbigs Wahlkreis war dort schon längst ein ganz anderer möglicher Bewerber im Gespräch – Parteichef und Ministerpräsident Michael Kretschmer. Der wohnt mit seiner Familie schon viele Jahre in Dresden und sucht seit seiner Wahl zum sächsischen Regierungschef immer noch einen eigenen Wahlkreis, von dem aus er als CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl im kommenden Jahr antreten kann.

Weil niemand Ulbig abnimmt, dass er dies nicht weiß, kocht nun bei den Christdemokraten die Wut hoch. Sie werfen dem Ex-Minister vor, mit der ins Spiel gebrachten Personalie Klepsch bewusst verhindern zu wollen, dass Kretschmer den Zuschlag erhält. Und das allein als Rache für seinen Rauswurf aus der Regierung. Heftig spekuliert wird, warum sich die Sozialministerin auf dieses Spiel einlässt. Gemutmaßt wird, dass sie sich auch nicht mehr ihres Kabinettspostens völlig sicher ist und deshalb für die Zukunft mit einem Landtagsmandat absichern will, über das sie bisher nicht verfügt.

Offiziell hält sich die CDU bedeckt. „Ich kann bestätigen, dass es eine entsprechende Bewerbung von Frau Klepsch gibt“, sagte der Dresdner CDU-Kreischef Christian Hartmann auf Nachfrage. Ansonsten verweist er darauf, dass es sich um ein offenes Bewerbungsverfahren handelt, über das allein die Mitglieder des zuständigen Ortsverbandes entscheiden. Und zwar auf einem Nominierungsparteitag im November.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 17 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. HP

    Für was braucht der MP einen Wahlkreis. Er will doch der MP aller Sachsen sein und somit ist sein Wahlkreis das Land!!! Hier guckt doch schon wieder die Versorgungsmentalität der Politiker durch.Mann ist sich wohl nicht mehr sicher bei der nächsten Landtagswahl wieder am Ruder zu stehen? Leute macht endlich eine Politik für und vor allem mit dem Bürger.

  2. Danke

    Die beste Nachricht am heutigen Tage ist, dass sich der Mann endlich aus der Politik zurückzieht! Die Nachfolger sind zwar auch nicht viel besser, aber man kann ja Hoffnung haben.

  3. Postenschacherer

    Soll er Kraftclub an dem Abend einladen, dann kommt der Kretschmer nicht.

  4. Mal ne Anmerkung

    Mensch der Markus kann doch noch etwas vernünftiges machen! Mal in der Fußballsprache zu sprechen ,da hat der Markus Ulbig aber einen "späten Konter" gegen seinen "Rauswerfer gesetzt.Und das finde ich eine seiner besten Entscheidungen in seiner politischen Laufbahn. Und Herr Kretzschmer scheint sich schon etwas für nach der Landtagswahl zu suchen. Fazit ,fast alle "Vorurteile" über Politiker bestätigen sich im täglichen Leben.

  5. Manfred Hengst

    Will Kretschmer noch eien Direktwahlkreis verleiren. Er wird doch sowieso über Platz 1 der Landeslist abgesichert .........fertsch

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