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Dienstag, 02.01.2018

Dulig: Ostdeutsche wollen nicht als Jammer-Ossis gesehen werden

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Martin Dulig, hier im Oktober auf dem SPD-Landesparteitag, hat eine Empfehlung für seine Partei.
Martin Dulig, hier im Oktober auf dem SPD-Landesparteitag, hat eine Empfehlung für seine Partei.

© dpa

Dresden. Der sächsische SPD-Chef Martin Dulig verlangt von seiner Partei eine andere Sicht auf den Osten. Nach wie vor gebe es in der SPD noch eine „sehr westdeutsche Sicht und Denkweise“, wenn von Ostdeutschland die Rede sei, sagte der 43-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Dulig ist in der schwarz-roten Koalition in Sachsen Wirtschaftsminister und stellvertretender Regierungschef.

„Ich gehöre einer Generation an, die es leid ist, dass man den Osten nur über Defizite, Minderheiten und Komplexe wahrnimmt und mit Jammern gleichsetzt.“ Er gehe mit Selbstbewusstsein in diese Debatte und dem Wissen, dass Ostdeutschland einiges einzubringen habe.

Dulig will künftig als Ostbeauftragter des Parteivorstandes agieren. Unlängst hatte die SPD auf ihrem Bundesparteitag in Berlin beschlossen, ihre Genossen im Osten stärker zu unterstützen. Das schließt die Funktion eines Ostbeauftragten ein. Ob Dulig noch mit einem anderen Bewerber für das Amt rechnen muss, ist unklar. Letztlich bestimmt der Parteivorstand darüber, voraussichtlich Anfang Januar.

„Ich sehe dieses Amt als eine politische Funktion. Ich bin nicht der Geschäftsführer Ost. Meine Aufgabe ist es nicht, die Strukturen der Ost-SPD aufzubauen“, sagte Dulig. Er wolle aber als „Stimme für den Osten“ in der Partei wirken, vor allem den Dialog innerhalb der Partei suchen.

Mit Blick auf die Ergebnisse der Bundestagswahl sei es ratsam, „sich genau anzuschauen, warum der Osten so tickt“. Für viele Westdeutsche habe sich nach 1990 wenig geändert. Sie hätten nie versucht zu verstehen, welche Umbrüche es im Osten gab: „Es gibt oftmals einen fehlenden Respekt vor den Lebensleistungen der Menschen im Osten vor der Wende, aber auch vor den großen Umbrüchen und Herausforderungen, welche nach der friedlichen Revolution bewältigt worden sind.“ Teile einer ganzen Generation hätten nach der Wende Demütigungen erlitten.

„Sie haben eigene Nachteile wie geringere Löhne und Arbeitslosigkeit in Kauf genommen, nur damit es weitergeht. Dieses Thema wurde nie aufgearbeitet“, betonte Dulig. Andererseits gebe es aber auch viele Ostdeutsche, die sich bei diesen Themen überhaupt nicht angesprochen fühlten. Zudem hätten sich viele Westdeutsche auf vorbildliche Weise in den Aufbau Ost eingebracht: „Deshalb brauchen wir eine differenzierte Sicht auf die Befindlichkeiten – wir müssen endlich weg von diesem Schwarz-Weiß-Denken.“ (dpa)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 23 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. R.B.

    Dieser hochangebundene Kriminologe (Psychologe) ist der Herr Pfeiffer und er wird überall und stets zitiert"

  2. Wagner

    Tja die Wahrheit! Wer will die schön hören. Lange Sätze um die Realität zu vertuschen!

  3. Radebeuler

    Ja, es gibt Jammer-Ossis, es sind nicht alle, aber keine Minderheit. Der Jammer-Ossi muss aufhören, einer zu sein.

  4. Frage

    Was hat der Herr Dulig eigentlich die letzten drei Jahre gemacht? Er ist immerhin seit November 2014 Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie stellvertretender Ministerpräsident des Freistaats Sachsen. Wenn er jetzt - anderthalb Jahre vor seiner Demission - feststellt, dass er was tun muss dann kommt das reichlich spät.

  5. Is der dullisch?

    Mit dem Jammern darüber, dass die Ossis angeblich immer nur als Jammerossis dargestellt würden, erweist Herr Dullisch seinen Landsleuten einen Bärendienst ! Wer solche Ossis zum Freund hat, braucht eigentlich keine Westfeinde mehr! Was für ein Dummerchen ...

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