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Freitag, 10.08.2018

Die Blauen kommen nicht aus dem Knick

Sie habe die AfD verlassen, um von vorn anzufangen, sagt Frauke Petry. Doch mit ihrer neuen Partei tut sie sich schwer.

Frauke Petry, Vorsitzende der Blauen Partei, im Gespräch mit der SZ.
Frauke Petry, Vorsitzende der Blauen Partei, im Gespräch mit der SZ.

© Robert Michael

Dresden. Die neu gegründete „Blaue Partei“ der ehemaligen AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry kommt in Sachsen nur langsam voran. Derzeit habe die vor rund elf Monaten gegründete Partei im Freistaat nur 87 Mitglieder, sagte Petry im Interview mit der Sächsischen Zeitung (Printausgabe). Die Frage nach der Mitgliederzahl sei aber für sie „nachrangig“.

Wichtiger sei für die als Bürgerbewegung organisierte „Blaue Wende“ mit rund 500 Registrierten. „Das war übrigens schon eine der Geburtsideen der AfD, die diese aber sehr schnell vergessen hat, wir wollten als Partei klein bleiben, aber an Wählerschaft groß werden“, so Petry. Zur Landtagswahl in Sachsen könnten auch Nichtmitglieder auf der Partei-Liste kandidieren, kündigte Petry. Derzeit liefen dazu Gespräche. In die Landtagswahl in Thüringen werde die Blaue Partei „mit einem führenden CDU-Politiker und seiner Mannschaft“ ins Rennen gehen.

Im Unterschied zur AfD bediene die Blaue Partei eine „konservativ-bürgerliche Gesellschaftspolitik“. Die „guten Ansätze der AfD aus 2013“ seien inzwischen „dem Anspruch gewichen, die neue SPD mit nationalem Anstrich werden zu wollen“. „Dazu kommen die wiederholten Grenzüberschreitungen. Gerade weil sie das nationale Moment immer wieder überbetont, ist sie für viele Konservative nicht wählbar. Maximal als Protestwahl, aber es wird nie eine Herzensangelegenheit“, kritisierte Petry die AfD.

Die Alternative habe zwar „ein Zeitfenster für eine neue konservativ-liberale Politik geöffnet“, könne dies „nur leider nicht mehr nutzen“, sagte Petry. „Ich muss mir zuschreiben lassen, dass wir intern den Kampf gegen radikalere und sozial-patriotische Kräfte unter Björn Höcke verloren haben. Aber immerhin haben wir ihn geführt.“ Sie habe die AfD verlassen, „um von vorn anzufangen“. Sie wolle jetzt aber nicht „krampfhaft über Jahrzehnte versuchen, für uns Parteiposten zu schaffen, schließlich haben wir alle einen ordentlichen Beruf.“

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