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Sonntag, 31.12.2017

„Das Studium muss besser qualifizieren“

Ein Ende des Ansturms an Universitäten ist nicht absehbar. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer fordert deshalb einen neuen Hochschulpakt und Veränderungen in der akademischen Ausbildung.

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Ministerpräsident Michael Kretschmer fordert eine Reform des Hochschulpaktes.
Ministerpräsident Michael Kretschmer fordert eine Reform des Hochschulpaktes.

© Robert Michael

Dresden. Angesichts dauerhaft hoher Studentenzahlen hat sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer gegen eine Verlängerung des Hochschulpakts ausgesprochen. Er sei gegen die Fortsetzung der bis 2020 laufenden Bund-Länder-Vereinbarung in dieser Form und würde sich „ein neues Modell mit dem vorhandenen Geld wünschen“, sagte der CDU-Politiker.

Der eigentliche Sinn des Pakts, einen zeitweisen Ansturm auf die Universitäten auch mittels Bundeszuschüssen zu überbrücken, habe sich angesichts anhaltend hoher Studentenzahlen erübrigt. Kretschmer forderte die Hochschulen auf, sich stärker am Bedarf zu orientieren und die Qualität des Studiums zu verbessern. Dazu könnten die Mittel aus dem Pakt genutzt werden.

„Das Studium muss besser für die eigentliche berufliche Zukunft qualifizieren als es derzeit der Fall ist“, sagte der 42-jährige Regierungschef, der als Bildungsfachmann auch für die CDU bei den Sondierungsgesprächen mit der SPD am Tisch sitzen wird. „Der allergrößte Teil der jungen Menschen wird nicht mehr für die akademische Welt ausgebildet, sondern für die Gesellschaft, für die Wirtschaft, für die Verwaltung - für Tätigkeiten außerhalb des akademischen Systems.“

Dieser Realität müsse das Studium stärker gerecht werden. „Mit dem Geld aus dem bisherigen Hochschulpakt muss die Qualität des Studiums verbessert werden und so die Berufschancen der Absolventen verbessert werden“, sagte Kretschmer. Zudem müssen die Hochschulen auch mehr Absolventenstudien betreiben und der Frage nachgehen: „Wie erfolgreich sind die eigenen Absolventen auf dem Arbeitsmarkt?“

Unlängst hatte eine Studie gezeigt, dass die Zahl der Studienanfänger in Deutschland auch in den kommenden Jahrzehnten auf konstant hohem Niveau bleiben wird. Schon seit 2011 liegt sie bei jährlich rund einer halben Million. 2005 hatten dagegen nur 350 000 Menschen in Deutschland ein Studium begonnen.

Weitergehende Kompetenzen des Bundes bei der Ländersache Bildung sieht Kretschmer kritisch. Zwar brauche es mehr Vereinheitlichung. „Aber der Unterschied zwischen Bremen und Sachsen ist so gewaltig, dass ein gemeinsames System nur dazu führen kann, dass wir von unserem hohen Niveau heruntergehen. Das geht einfach nicht. Ich möchte nicht, dass das in einem Mischmasch auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner endet.“

Schon die im Rahmen der Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen vereinbarte Schulhausbauförderung durch den Bund sei „keine schöne“ Entwicklung. „Damit kommen wir eigentlich nun wieder in die Situation, die wir mit der ersten Föderalismusreform vermeiden wollten: Dass Zuständigkeiten so weit vermischt werden, dass am Ende niemand mehr weiß, wer eigentlich die Verantwortung trägt und man sich wunderbar gegenseitig die Verantwortung zuschieben kann.“

Er sei bei der Bildung für klare Zuständigkeiten hinsichtlich Inhalten und Finanzierung, sagte Kretschmer. „Das ist immer noch ein Idealbild, was ich auch persönlich anstrebe.“ (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 19 Kommentare

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  1. Mutter

    „Der allergrößte Teil der jungen Menschen wird nicht mehr für die akademische Welt ausgebildet, sondern für die Gesellschaft, für die Wirtschaft, für die Verwaltung - für Tätigkeiten außerhalb des akademischen Systems.“ - Genau das ist das eigentliche Problem. Es studieren viel zu Viele, die gar nicht für ein Studium geeignet sind, um danach einen Job zu machen, für den es gar kein Studium bräuchte. Das Übel fängt mit den viel zu laschen oder gar nicht vorhandenen Zugangsbedingungen zum Gymnasium an und setzt sich an Unis und Hochschulen fort. Hier muss angestzt werden, so dass nur noch diejenigen auf ein Gymnasium gehen, die später auch einem Studium gewachsen sind. Das gesunkene Niveau an Gymnasien, Hochschulen und Universitäten muss ganz schnell wieder angehoben werden.

  2. Joachim Herrmann

    Zuerst muss die Frage gestattet sein, was diesen Herrn qualifiziert, als Bildungsfachmann zu gelten. Nur ein Studium der Architektur wohl nicht. Zumal er nie in einem qualifizierten Beruf tätig war und auch wohl keine pädagogischen Kenntnisse hat. Aber es ist bei Politikern wohl usus, dass sie Alles können (müssen, dürfen und auch sollen). Was dabei heraus kommt, ist an vielfältigen "Persönlichkeiten" zu sehen. Mal Familien bis hin zu "Verteidigungs"- Minister_in?! Ist es schon eine Krux, dass im Bundesgebiet 13! unterschiedliche Systeme sich austoben dürfen, nur weil die die einzelnen "Könige" nicht von ihrem Thron lassen können, so wird es um ein Vielfaches schlimmer, wenn ein Nichtfachmann solcherart Blödsinn ablässt. Wenn die akademische Bildung nur auf den Zuschnitt der Wirtschaft reduziert wird, dann entstehen Enklaven einer Richtung. Das Gegenteil muss geschehen. Beide Seiten bedürfen einer stringenten Entwicklungsstruktur in Gemeinsamkeit. Nur so bleibt das Studium Zukunft!!!!!

  3. Hundling

    "Studium muss besser qualifizieren": Hat bei Ihnen doch auch nicht geholfen, Herr Kretschmer.^^

  4. Blue

    Die jungen Menschen sollen zu funktionierenden Subjekten und nützlichen Bestandteilteilen des Wirtschaftskreislaufs herangezüchtet werden... Humbold würde sich im Grab umdrehen. Freigeister unerwünscht, Kreativität ist was für Hippies, wer Selbstverwirklichung will, soll in einen buddhistischen Tempel gehen... Mir graut es vor dem Kretschmer-Sachen, wenn ich an die Zukunft denke

  5. Peter

    Mutter plädiert mit Ihrem Elitendenken für den Untergang der Gesellschaft. Sie haben wohl noch nicht verstanden, dass Produktion etc. In Bälde fast ohne Menschen auskommt. Und das Jobs nur noch an Menschen mit hoher Bildung vergeben werden. Und unter Akademikern gibt es keine Arbeitslosigkeit, aber unter Geringqualifizierten. Zugang zu Bildung ist abhängig von der Bildung der Eltern, weniger von Talent. Daher muss nicht der Zugang erschwert werden. Vielmehr muss die Art der Vermittlung überdacht und die frühe Förderung für alle Standard werden. Aber ich glaube, dass Sie das nicht verstehen werden.

  6. Klaus

    Die Hochschullandschaft profitiert massiv von hohen Studentenzahlen. Beständig erfindet sie weitere Studiengänge, die keinen Nutzen für die Gesellschaft haben, aber neue Lehrstühle erzeugen. Sie kann sich unmöglich selbst refomieren. Der Staat muss in solchen Bereichen immer regulieren. Er bezahlt das Spiel ja auch. Wir haben international gesehen sehr luxuriöse Studienbedingungen, Inflation zerstört aber jedes System. Allein, mir fehlt der Glaube. In diesem Land wäre so viel reformbedürftig, aber mehr als markige Worte gibt es selten.

  7. kein Fan

    Seit wann studiert man nur um im wissenschaftlichen Umfeld zu bleiben? Rechtsanwälte, Ingenieure, BWLer ... alles studierte Leute und zwar zurecht, denn eine Berufsausbildung qualifiziert für diese Tätigkeiten nicht ausreichend. Trotzdem: Herrn K. als Bildungsexperten zu bezeichnen ist schon stärker Tobak.

  8. Herr wirf Hirn vom Himmel

    @3: Erst denken, dann geifern. Ihrer Aussage nach, hat Kretschmer sein Studium qualifizierter abgeschlossen als andere....

  9. Berg

    Dresden hat eine Technische Universität, in die ich 1953 als Technische Hochschule immatrikuliert wurde - selbstverständlich entschied ich mich für eine der unzähligen technischen Fachrichtungen. Und etwas anderes, als nach 12 Semestern Dipl.-Ing. als Berufsabschluss, war gar nicht vorstellbar. Und als wir 43 Absolventen fertig waren, lag eine Liste mit 43 Stellen im Prorektorat, und jeder fand einen Arbeitsplatz in der Wirtschaft - wo denn sonst? Promoviert wurde von dort aus über ein Problem im Wirtschaftsgebiet, so dass die Doktorarbeit unmittelbar angewendet wurde. Ganz einfach war das. Was wird hier nur diskutiert??

  10. MINTler

    @4 Blue Kreative Freigeister - die aber auf Dauersubventionierung durch die "Funktionierenden" angewiesen sind. Mit welchem Recht meinen Sie, dass "die Anderen" Ihre Studien zum Zwecke der Selbstverwirklichung finanzieren müssten? Vor allem geht das mit der Subventionierung der nichtsnutzigen "Freigeister" nach dem Studium munter weiter. Wie viele neuen Soziologen- und Philosophen-Arbeitsplätze (mit Akademikergehalt!) wollen wir uns denn jährlich leisten? Und kommen Sie mir nicht mit den angeblich so gefragten soft-skills in der Wirtschaft: Die berühmte "Generation Praktikum" beschränkt sich ja wohl weitgehend auf die "Selbstverwirklicher". Unter den Maschinenbauern und Elektrotechnikern kennt man nach meiner Erfahrung das Problem gar nicht.

  11. Mutter

    @ Peter: "Und das Jobs nur noch an Menschen mit hoher Bildung vergeben werden. Und unter Akademikern gibt es keine Arbeitslosigkeit, aber unter Geringqualifizierten. Zugang zu Bildung ist abhängig von der Bildung der Eltern, weniger von Talent." 1. Unter Handwerkern ist die Arbeitslosigkeit gleich null - im Gegenteil, wir brauchen ausländische Handwerker, damit unsere Baustellen weiter laufen. 2. Was kann die Bildung für unterqualifizierte Eltern? Die Doofen von heute sind die Kinder der Doofen von vor 20 Jahren, das war schon immer so, ist genetisch bedingt. schlecht für die Gesellschaft ist nur, dass die Doofen sich stärker vermehren als die Klugen. Der Zugang zur Bildung steht in Deutschlang jedem offen, der den nötigen IQ mitbringt.

  12. Frank H.

    Der Mann ist gefährlich. Jetzt ist er dabei, den guten Ruf unserer Universitäten zu ruinieren. Das kann er. Leider.

  13. KretschmarLiegtRichtig

    Herr Kretschmer hat mit seiner Forderung durchaus den richtigen Ansatz gewählt. Natürlich müssen auch die Unis und anderen Hochschulen sich verbessern. Fernost hat seinen wirtschaftlichen Aufstieg wesentlich der Verbesserung der Hochschulbildung zu verdanken! Fernost hat bspw. Sachsen vielfach überholt! Natürlich müssen die sächsischen Hochschulen besser werden, weil die Konkurrenz eben auch viel besser geworden ist! Ein dümmliches Ständedenken ist dabei längst überholt und natürlich muss die Hochschulbildung an der Effizienz hochwertigen vermittelten Wissens gemessen werden und nicht an der Reproduktion von Gewinner-und Verliererstatistiken. Ein guter Ruf allein reicht nicht, es müssen in der Masse wirklich gut ausgebildete Absolventen produziert werden, die am Markt gut bestehen können. Auf die unterschiedlichen Lernbedürfnisse sollte besser eingegangen werden. Gute Bildung ist prägnant,verständlich,wohldosiert. Überall, auch an den Hochschulen lassen sich die Dinge verbessern.

  14. Peter

    Mutter, 20 % als doof wegen Genetik abzuschreiben und Ihnen zu unterstellen, dass sie keinen ausreichenden IQ mitbringen, ist schlichtweg falsch und menschenverachtend. Sie verwechseln fehlende Chancen aufgrund der sozialen Herkunft mit Intelligenz. Und wofür das alles? Nur um die eigenen Kinder zu schützen. Haben Sie Kinder? Sind diese genetisch intelligent? Arbeiten dies auf Baustellen? Lernen diese ein Handwerk? Und welche Handwerker braucht es langfristig noch in hoher Zahl? Tischler? Kfz-Mechaniker? Maurer? Wir erleben gerade ein Bauboom. Nach der nächsten Rezession braucht man diese dann nicht mehr.

  15. KretschmarLiegtRichtig

    Eine Fernuni in bspw. Löbau mit allen Studiengängen/ Meisterberufen und Laborsemestern für alle Staatsbürger würde den Bildungserfolg von der Fähigkeit Mieten in Uni-Städten bezahlen zu können und zu müssen entkoppeln und die Arbeitskraft und Einwohnerzahl in Peripherieregionen deutschlandweit tendenziell stabilisieren. Die Vereinbarkeit von Bildung, Familie, Beruf wäre stärker gegeben und der Anspruch auf freie Berufswahl wäre realisert, die strukturelle Benachteiligung der Landkreise würde durchbrochen, der Zuzug neuer gut ausgebildeter Arbeitskräfte würde begünstigt, das freigesetzte Spitzenpersonal von bspw. Bombardier und Siemens könnte in der Lausitz adäquat weiter beschäftigt werden, umfangreiche Start-up-Möglichkeiten ergeben sich. Für Sachsen ist es essentiell mehr erfolgreiche und selbstständige Innovatoren mit Hochschulabschluss hervorzubringen! Sachsen hat nicht genügend erfolgreiche Unternehmen. Es braucht mehr Unternehmen und bessere Forschung und Lehre!

  16. Mutter

    @Peter: Das mit der genetischen Veranlagung ist (leider) so, aber das verstehen Sie vermutlich nicht. Handwerker werden langfristig gesehen zur Mangelware, wenn man heute mal das Alter der Handwerker anschaut. Maurer, Tischler, Klempner, Dachdecker, Elektriker... werden immer gebraucht, unabhängig vom Bauboom. Auch in sozialen Branchen werden immer Leute gbraucht, die zupacken können und keine Überstudierten!

  17. BefähigungSchafftFreiheit

    @Mutter Sie sollten nicht für andere bestimmen, wo deren Limits liegen! Es ist die Aufgabe eines jeden Menschen sich selber zu erproben. Der Gesellschaft ist mehr damit gedient, wenn möglichst viele Leute ein hohes aber versteuertes Einkommen besitzen, damit der Staat seine Rechnungen bezahlen kann. Mit vielen Billiglöhnern ist der Staat zu weiterer Schuldenaufnahme gezwungen. Ein Pflegeplatz kann zwischen 1000 und 2000 € und mehr kosten. Auch diese Beiträge müssen irgendwie erbracht werden! Das Gesundheitssystem kostet Unsummen! Sicherlich auch weil Spekulanten und Gesellschafter, Pharmaindustrie zuviel abschöpfen, auch die Verteidigung kostet und ist elementar, um einen Staat garantieren zu können. Diese Kosten und die Kompetenzen für die Entwicklung eines leistungsfähigen und konkurrenzfähigen Zivilisationsniveaus können von Handwerkern nicht erbracht werden. Selbst wenn diese etwas wohlhabend sind, die Finanzkraft und Fähigkeiten der Handwerker reichen nicht aus.

  18. E.Benheiter

    „Das Studium muss besser qualifizieren“. Dazu müßte man endlich wieder weg von diesem albernem Bachelor- & Masterquatsch & der "Verschulung" der Unis.

  19. Karin

    Herr oder Frau Hundling hat vollkommen Recht. Es werden Posten besetzt bei den Politikern, die nicht gerade ihrer Ausbildung bzw. Studium entsprechen. Ich frage mich immer, wie lange sowas funktionieren kann.

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