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Donnerstag, 14.06.2018

Belastetes Elbwasser offiziell unbedenklich

Die Brößnitzer Einleitungen in die Elbe sind in Ordnung, sagt der Minister.  Umweltschützer finden das nicht. Sie kämpfen weiter.

Von Jörg Richter

Blick in den Steinbruch Brößnitz, wo Grauwacke abgebaut wird.
Blick in den Steinbruch Brößnitz, wo Grauwacke abgebaut wird.

© Klaus-Dieter Brühl

Das saure Grubenwasser aus dem Steinbruch Brößnitz bei Großenhain beschäftigt nun auch die Landespolitik. Das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft hat jetzt auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Katja Meier geantwortet. Sie wollte vom Freistaat wissen, wer die Einleitgenehmigung des Grubenwassers in die Kläranlage Zadel erteilt hat. Die Antwort ist überraschend.

„Einer Einleitgenehmigung durch die Untere Wasserbehörde bedurfte es in diesem Fall nicht“, schreibt Umweltminister Thomas Schmidt (CDU). Diese sei nur bei Abwasser nötig. Doch bei dem Wasser aus dem Steinbruch Brößnitz würde es sich, gemäß den Informationen des Landratsamtes Meißen, nicht um Abwasser, sondern um Oberflächenwasser handeln.

Statt einer Einleitgenehmigung gibt es einen Vertrag zwischen dem Brößnitzer Steinbruchbetreiber, der Matthäi Rohstoff GmbH & Co. KG, und der Abwasserentsorgungsgesellschaft Meißner Land, die die Kläranlage unterhalb von Zadel betreibt. Unter anderem ist darin festgehalten, dass täglich bis zu 100 Kubikmeter des Grubenwassers eingeleitet werden dürfen.

Laut Ansicht von Umweltschützern sei der Anteil von Schwermetallen im Brößnitzer Grubenwasser bedenklich. Die Meißner Umwelttechnik GmbH hatte das Wasser im Auftrag der Abwasserentsorgungsgesellschaft Meißner Land im März untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass die Richtwerte für Nickel und Zink überschritten wurden. Trotzdem kommt das sächsische Umweltministerium zu der Überzeugung, dass „keine messbaren Erhöhungen der Einleitwerte zu erwarten“ sind. Weiter heißt es: „Auswirkungen auf die Elbe sind bei einem Mischungsverhältnis von eingeleitetem Abwasser der Kläranlage Meißen (Zadel) und Elbe von circa eins zu tausend und weniger unwahrscheinlich.“ Für Sven Wiedemann-Schulze, den Pressesprecher des Umweltvereins Sächsisch-Brandenburger Höhenzug, ist dies ein klarer Hinweis darauf, dass das Umweltministerium mit einem Verdünnungseffekt durch das Elbwasser rechnet. „Aber Verdünnungseffekte sind per Gesetz in Kläranlagen nicht zugelassen“, so der Umweltschützer. „Deshalb bleiben wir an dem Fall dran. Er wird nicht ad acta gelegt.“

Für die Steinbruch-Firma Matthäi bedeutet das, dass ihre Art der Grubenwasserentsorgung zwar momentan weitergeht, aber von den Umweltschützern nach wie vor angefochten wird. Deren Hartnäckigkeit hatte Matthäi Rohstoffe schon einmal dazu gebracht, von einem Vorhaben Abstand zu nehmen. Mitte Mai wurde bekannt, dass das Unternehmen seine Genehmigung für eine Asphaltmischanlage zurückgegeben hat. Gegen deren Errichtung hatten sich die Brockwitzer vier Jahre lang gewehrt. „Das war ein schwerer Kampf“, so Wiedemann-Schulze. Als bekannt wurde, dass die Firma ihr Grubenwasser jahrelang in den benachbarten Tümpel, die Kasseln, ableitete, rief das die Naturschützer ebenfalls auf den Plan. „Wir drängen nach wie vor auf die Sanierung der Kasseln“, sagt Wiedemann-Schulze. Im März wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Dresden den Fall wieder aufgerollt hat. Zeugen aus Brößnitz und dem ehemaligen Weißiger Gemeinderat wurden befragt. Mittlerweile wurde die Betriebsleitung des Brößnitzer Steinbruchs ausgewechselt.

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