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Donnerstag, 14.06.2018

Antarktis-Eis schwindet immer schneller

Wissenschaftler der TU Dresden haben das Eis am Südpol mit Hilfe von Satellitendaten „gewogen“. Nie zuvor gab es dazu genauere Daten. Und die Entwicklung in der Region um den Südpol entscheidet mit, wie stark sich der Klimawandel auf die Erde auswirken wird.

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Das Antarktis-Eis trägt gegenwärtig zu einem höheren Anstieg des Meeresspiegels bei als je zuvor in den letzten 25Jahren.
Das Antarktis-Eis trägt gegenwärtig zu einem höheren Anstieg des Meeresspiegels bei als je zuvor in den letzten 25 Jahren.

© Yonhapnews Agency/epa/dpa

Leeds. Die Antarktis verliert einer Hochrechnung zufolge zunehmend schneller an Eis. Waren es von 1992 bis 2012 durchschnittlich etwa 76 Milliarden Tonnen pro Jahr, lag das Mittel zwischen 2012 und 2017 bei 219 Milliarden Tonnen jährlich – fast dreimal so viel. Insgesamt ließ das schmelzende Eis der Antarktis den weltweiten Meeresspiegel zwischen 1992 und 2017 um 7,6 Millimeter steigen.

Diese Zahlen stellt ein internationales Forscherteam um Andrew Shepherd von der University of Leeds (Großbritannien) im Fachmagazin Nature vor. Wissenschaftler aus Dresden sind daran maßgeblich beteiligt. So haben Forscher vom Institut für Planetare Geodäsie die Höhenänderungen am Eis mit Satellitendaten bestimmt, berichtet TU-Wissenschaftler Ludwig Schröder. „Altimetersatelliten erfassen flächendeckend die Höhenänderungen des kilometerdicken Eisschilds. Wir haben Daten von fünf verschiedenen, zeitlich aufeinander folgenden Satellitenmissionen ausgewertet, um Änderungen über den gesamten 25-Jahres-Zeitraum seit 1992 zu erfassen.“ Schröder war damit einer von zwei Teilnehmern, die derart umfassend Höhenänderungen des Eisschilds auswerteten. Die TU-Forscher nutzten zudem Daten von Grace, das sind zwei Satelliten, die die Erde auf ihre gravitative Anziehungskraft extrem genau vermessen hatten.

„Laut unseren Analysen ist es in den letzten zehn Jahren zu einer Beschleunigung des Masseverlusts in der Antarktis gekommen“, erklärt Shepherd. Die Antarktis trage gegenwärtig zu einem höheren Anstieg des Meeresspiegels bei als je zuvor in den letzten 25 Jahren. Würde sämtliches Eis in der Antarktis verschwinden, hätte das einen Anstieg des globalen Meeresspiegels um 58 Meter zur Folge. „Es muss den Regierungen, denen wir vertrauen, ein Anliegen sein, unsere Küstenstädte und -gemeinden zu schützen“, sagt Shepherd.

Wissenschaftler von 44 internationalen Organisationen führten 24 satellitengestützte Eismasseschätzungen zusammen, um den Eisverlust zu kalkulieren. Bei den zugrunde liegenden Daten wurden drei verschiedene Messmethoden angewendet: die Höhenmessung, die Messung der Schwerkraft und die Input-Output-Methode (Zuwachs durch Schnee, Verlust durch Schmelzen, Kalben der Gletscher und Abfluss des Eises).

Den größten Anteil am Eismasseverlust hatte die Westantarktis, wo sich der jährliche Eisverlust von durchschnittlich 53 Milliarden Tonnen (1992 bis 2012) auf 159 Milliarden Tonnen (2012 bis 2017) verdreifachte. Doch auch in der Ostantarktis, wo es durch vermehrten Schneefall von 1992 bis 2012 einen Zuwachs der Eismasse gegeben hatte, hat sich das Blatt gewendet: Für den Zeitraum 2012 bis 2017 errechneten die Forscher einen jährlichen Verlust von 28 Milliarden Tonnen Eis für den ostantarktischen Eisschild.

Mitautor Veit Helm vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven betont jedoch, dass die statistische Unsicherheit für die Eismassenbilanz der riesigen Ostantarktis am größten ist. „Die gemessenen Höhenänderungen sind sehr gering, da können auch kleine Messfehler große Auswirkungen haben.“ Auch seien die jährlichen Schwankungen bei den Schneemengen enorm, sodass der Trend, dass auch die Ostantarktis an Eismasse verliert, noch nicht als gesichert gelten könne. Helm betont, dass eine langfristige kontinuierliche Fortsetzung der Beobachtungsreihen durch sich nahtlos anschließende Satellitenmissionen entscheidend ist, um die Veränderungen der Eisschilde zu beobachten und zu verstehen.

Die Zukunft der Antarktis hat auch Martin Siegert vom Imperial College London (Großbritannien) im Blick. Gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern hat er zwei mögliche Entwicklungen durchgespielt: Wie es mit der Antarktis in den kommenden 50 Jahren im besten und im schlimmsten Fall weitergehen wird. Die Studie ist ebenfalls in Nature erschienen.

Wenn sich die Welt schon bald an strenge Klima- und Umweltschutzregeln halten würde (im besten Fall), würde die Lufttemperatur in der Antarktis demnach bis 2070 um 0,9 Grad steigen. Wenn alles weiterliefe wie bisher (im schlimmsten Fall), wären es drei Grad. Im besten Fall würde der Beitrag der Antarktis zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels sechs Zentimeter betragen, im schlimmsten Fall 27 Zentimeter, hat das Team errechnet. (SZ/sts)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Karl

    Der Klimawandel ist eine Lüge. Fragt Trump oder die AFD.

  2. Goro Löwe

    Der Klimawandel ist real, nur die angenommenen Ursachen sind zweifelhaft.

  3. Thomas

    "Der Klimawandel ist eine Lüge", sagen nicht nur AfD und Trump. Sondern vor allem die Erdöl-, Kohle- und konventionelle Energieindustrie. Wo kämen wir hin, wenn die Regierungen dieser Welt Energiesparen oder alternative Energien fördern würden? Dann wäre das Geschäftsmodell vieler großer und dreckiger Weltkonzerne am Ende. Also schickt man Heerscharen von Lobbyisten los, um den Klimawandel kleinzureden....

  4. Erwin

    Kann Eis, welches im Wasser treibt, nach dem Schmelzen mehr Volumen haben, als vorher in gefrorenem Zustand?

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