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Donnerstag, 15.02.2018

Paket nur gegen Vollmacht des Kindes

Eine Dresdnerin will am Postschalter eine Sendung für ihren Sohn abholen – und bekommt Probleme.

Von Susanne Plecher

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Glück gehabt! Die Frau auf unserem Symbolfoto ist selbst die Empfängerin und braucht keine Abhol-Vollmacht.
Glück gehabt! Die Frau auf unserem Symbolfoto ist selbst die Empfängerin und braucht keine Abhol-Vollmacht.

© Thomas Koehler/photothek.net

Eigentlich wollte Anja Müller* in ihrer Postfiliale in Dresden nur schnell ein Geburtstagspäckchen für ihren Sohn Bruno abholen. Der Opa hatte es geschickt und den Namen seines Enkels ins Adressfeld geschrieben. Doch was nach einem Routineakt klingt, erwies sich unerwartet als Problemfall. Die Mitarbeiterin am Schalter wollte Mutter Müller das Paket trotz des Abholscheins nicht aushändigen. Die Begründung: Es sei nicht an sie, sondern an ihren Sohn adressiert. „Die Postangestellte hat deshalb den Kinderausweis oder ein ähnliches Dokument von mir verlangt“, sagt Anja Müller. „Doch sowas hat Bruno gar nicht.“ Sie beantrage doch wegen eines Päckchens keinen Ausweis!

Das muss sie zwar nicht, aber ganz unbürokratisch lässt sich ein solcher Fall offenbar nicht lösen. Denn die Postmitarbeiterin habe sich im Prinzip richtig verhalten, sagt Mattias Persson, Pressesprecher des Unternehmens in Berlin. „Wenn das minderjährige Kind bei der Abholung nicht dabei ist, wird eine Vollmacht benötigt – sofern das Kind eingeschränkt geschäftsfähig ist“, erklärt er die Regeln, die in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) definiert sind. Eingeschränkt geschäftsfähig sind Kinder ab sieben Jahre bis zur Volljährigkeit. Wollen die Eltern, so wie Anja Müller, nicht unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen, müssen sie sich von ihrem Nachwuchs also schriftlich erlauben lassen, die an ihn adressierte Sendung abholen zu dürfen. Das kann mit einer formlosen Vollmacht oder einem Vordruck geschehen. Den findet, wer auf der Internetseite der Post im Suchfeld den Begriff „Postvollmacht“ eingibt.

Kritik gibt es von Verbraucherschützern. „Dass ein Neunjähriger seine Eltern bevollmächtigen soll, scheint mir sehr formalistisch zu sein“, so Michael Hummel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Dabei agieren auch andere Paketdienstleister ähnlich. Hermes zum Beispiel. „Es gibt mehr Betrugsversuche bei der Paketabholung, als man gemeinhin denkt“, sagt Sprecher Ingo Bertram. Mehrfach habe es professionelle Trickbetrüger gegeben, die nur mit der Abholkarte fremde Pakete ergattern wollten. „Davor wollen wir unsere Kunden schützen.“ Als Vorsichtsmaßnahme hält auch Hermes seine Mitarbeiter deshalb dazu an, sich Vollmachten zeigen zu lassen, wenn eine andere Person als die auf dem Adressfeld benannte das Paket abholen will. Eltern minderjähriger Kinder müssen glaubhaft vermitteln können, dass es sich um ihr Kind handelt, und sich entsprechend legitimieren: mit Kinderausweis, Reisepass oder der Geburtsurkunde.

„Das ist zwar etwas umständlich, aber es dient der Absicherung. Wir wollen niemanden damit ärgern, sondern nur sicher gehen, dass kein ungewollter Empfänger das Paket bekommt“, erklärt Postsprecher Persson. Denn der Mitarbeiter am Schalter könne schließlich nicht wissen, ob es sich beim Empfänger tatsächlich um ein minderjähriges Kind handele oder nicht.

Sind die Kinder jünger als sieben, dürfen Eltern laut AGB der Post auch ohne eine Vollmacht ein an das Kind adressiertes Paket oder Päckchen von ihrer Filiale abholen. Aber auch hier sollten sie gewappnet sein. Denn: „In allen Fällen gilt, dass sie gegebenenfalls einen Nachweis über Alter und Zugehörigkeit des Kindes antreten müssen“, sagt Persson. Das kann ihnen selbst dann passieren, wenn ihr Kind sie zum Schalter begleitet. Möglicherweise müssen sie auch dann nachweisen, dass es sich tatsächlich um ihr Kind handelt – und zwar mit der Geburtsurkunde. „Durch sie sind sie als gesetzliche Vertreter ihrer minderjährigen Kinder automatisch empfangsbevollmächtigt“, sagt Dörte Lorenz, Fachanwältin für Familienrecht und Soziales in Dresden. Umgehen lässt sich der Aufwand, wenn das Paket für das Kind direkt an dessen Eltern geschickt wird.

Mit Geburtsurkunde zum Paketschalter? Anja Müller findet das Prozedere ziemlich lebensfremd. „Was ist mit den Postsendungen, die vom DHL-Boten im Haus abgegeben werden? Da fragt keiner, ob sie ausschließlich vom Adressaten abgeholt werden“, sagt sie. Doch auch das regeln die AGB der Deutschen Post. Demnach steht es der DHL zu, Päckchen und Pakete gegen eine Empfangsbestätigung im Haus abzugeben. Es sei denn, der Absender schließt das ausdrücklich aus, indem er den Vermerk „persönlich“ auf dem Adressfeld notiert. Oft können Verbraucher mit einer Vorausverfügung bestimmen, was mit dem Paket passiert, wenn es nicht zustellbar sein sollte. Häufig lässt sich auch eine Terminzustellung vereinbaren – dann kommt das Paket zu einer Uhrzeit an, zu der man auch zu Hause ist.

Sendungen im Haus abzugeben, ist in der Branche eine übliche Praxis. „Nachbarn sind für eine effiziente Paketzustellung sogar derart wichtig, dass jeder Paketdienst in seinen AGB festschreibt, Pakete bei ihnen abgeben zu dürfen“, sagt Steffen Persiel vom Onlinedienst Paket.da.

In Anja Müllers Fall hat sich die Frau am Schalter dann doch erbarmt und der Mutter das Päckchen ausgehändigt. Ein zweites Geburtstagspaket, das Brunos Tante verschickt hatte, gab der Postbote beim Nachbarn ab. Bei ihm konnte Anja Müller es ganz unkompliziert auch ohne Vollmacht oder Geburtsurkunde abholen.

* Name auf Wunsch geändert.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 28 Kommentare

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  1. Alexa

    Ich bin auch der Meinung das mehr sorgfalt bei der Ausgabe der Pakete geboten sein soll.Ich kann doch auch nicht den Zusteller im Dorf anhalten und sagen ich bin...Gib mir das Paket.

  2. Hartmut Krien

    Solange es unter uns Deutschen geht ist das mit Erbarmen und Nachbar sicher alles möglich. Wie aber soll das in einer Zeit gehen mit Leuten die Merkel uns eingebrockt hat. Die Postzustellerin wird die Vollmacht des Kindes nicht nur nicht lesen können, sie wird nicht einmal unterscheiden können ob da in urdi, paschtu, oder arabisch etwas steht. Und wie ist das wenn in verschiedenen Familien der 12 jährige Junge als Familienoberhaupt über der Mutter steht. Alle unseren tradierten Werte auf denen auch die erlernten Verhaltensregeln im täglichen Umgang basieren gelten plötzlich nicht mehr. Wohlgemerkt ich rede nicht theoretisch sondern ich habe 3 konkrete Fälle im Hinterkopf.

  3. no-no

    Zum Teil verständlich, aber sollten Nachname und Adresse auf dem Personalausweis des Abholers mit den Daten auf dem Paket übereinstimmen, fände ich es gerechtfertigt, das Paket dennoch auszuhändigen. Klappt leider auch nicht bei dpd-Paketabholungen in Tankstellen etc. Würde denn das Mitführen z.B. der Krankenversicherungs-Karte helfen? Da stehen Name und Geb-Datum des Kindes drauf, und die habe ich zumindest meist dabei.

  4. raidun Hiller

    Na super. Die Postangestellen müssen/sollen entscheiden, ob die Geburtsurkunde ohne Bild zu dem Kind vorm Schalter passt.

  5. Müller

    Da hat sich die Frau aber auch dämlich angestellt. Vollmacht auf der Rückseite des Abholkärtchens fix selber ausfüllen und Paket abholen. Mein Partner und ich sind nicht verheiratet, haben also unterschiedliche Namen und machen das immer so, wenn einer vom anderen ein Paket abholt. Da weiß doch keiner, wie die Unterschrift vom Empfänger wirklich aussieht... Aber jetzt werden gleich die ersten ganz laut Urkundenfälschung schreien!!!

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