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Montag, 16.07.2018

Kostenfaktor Schulkind

Rund 1 000 Euro geben Eltern pro Schuljahr und Kind aus. Die fünf größten Posten zur Einschulung.

Von Katja Wallrafen

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Nichts da, das ist meine Zuckertüte! Nächstes Jahr bekommst du auch eine.
Nichts da, das ist meine Zuckertüte! Nächstes Jahr bekommst du auch eine.

© 123rf

Eltern merken schnell: Mit dem Kind wachsen die Ansprüche und damit auch die Ausgaben. Ablesen lassen sich die steigenden Kosten an Zahlen des Statistischen Bundesamtes: So gaben Paarhaushalte in Deutschland für ein Kind unter sechs Jahren im Schnitt 587 Euro im Monat aus. Für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren waren es schon 686 Euro und für 12- bis 18-Jährige 784 Euro im Monat. Ein Teil dieser Kosten entfällt auf Lernmaterial und Schulausstattung.

Besonders zur Einschulung öffnen viele Eltern ihr Portemonnaie. Wie viel für die Schulanfänger ausgegeben wird, zeigt eine repräsentative Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, die allerdings aus dem Jahr 2013 stammt. 238 Euro ließen sich die Eltern im Durchschnitt den Schulstart kosten. „Seitdem wurde das nicht mehr abgefragt“, sagt Marktforscherin Simone Zinner. Doch die Kosten dürften noch gestiegen sein. Denn „der Schulanfang ist für Eltern eine nicht unwesentliche Investition“, so Zinner.

Das sieht auch Olaf Koeller so. Er leitet das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel. „Schulkinder sind ein ökonomischer Faktor geworden.“ Sein Institut hat vor drei Jahren in Schleswig-Holstein untersucht, was sie kosten. Danach geben Eltern im Durchschnitt knapp 1 000 Euro pro Kind und Schuljahr aus. Die höchsten Ausgaben entstehen für Versorgung und Betreuung mit durchschnittlich rund 300 Euro. Die geringsten Kosten entstehen für Bücher mit knapp 50 Euro pro Schuljahr. „Das klingt noch moderat“, sagt Stephan Wassmuth, Vorsitzender des Bundeselternrates. „Wenn man aber mehrere Kinder hat, sieht das schon anders aus.“ Welche Posten zur Einschulung auf Eltern zukommen:

1. Die Zuckertüte

Sie kann zwölf Zentimeter klein sein, 50 oder 85 Zentimeter groß oder es im XXL-Format auf einen ganzen Meter bringen. Hersteller freuen sich darüber, dass meist mehr als nur eine Schultüte überreicht wird. Manche Kinder bringen es auf bis zu zehn Zuckertüten. Unzählige Motive von Figuren aus Kino und Fernsehen zieren das Sortiment. Wer nicht kaufen will, setzt sich hin und gestaltet eine Schultüte in Eigenregie. Je nach Material, Größe und Aufwand kostet sie bis zu 50 Euro. Süßigkeiten, Geldscheine, Spielzeug, Kuscheltiere – die Füllung geht zusätzlich ins Geld. Dafür werden im Schnitt 70 Euro ausgegeben, wie eine repräsentative Umfrage ergab. Schulanfänger in Sachsen werden mit Schultüten im Wert von 105 Euro deutschlandweit am üppigsten beschenkt.

2. Der Ranzen

Das Kölner Institut für Handelsforschung hat errechnet, dass die Deutschen 2012 rund 136 Millionen Euro für Ranzen und Rucksäcke ausgegeben haben. Bei dem Angebot den Überblick zu behalten, verlangt Recherche und ziemlich konkrete Vorstellungen. Die Stiftung Warentest verweist auf die Norm DIN 58124, die empfiehlt, wie ein sicherer Schulranzen ausgestattet sein sollte: Zehn Prozent der Rück- und Seitenflächen sollen retroreflektieren, also das Licht der Scheinwerfer bei Dunkelheit zurückwerfen. 240 Euro kann ein Komplett-Set aus Schultasche, Federmappe, Schlamperetui und Sportbeutel kosten. Wer das Glück hat, dass sein Kind sich für ein Modell aus den Vorjahren begeistert, kommt günstiger weg. Für etwa 130 Euro ist ein ergonomisch geformter Rucksack zu haben.

3. Sportbeutel, Trinkflasche, Geldbörse

Selbstverständlich eignet sich auch der Sportbeutel aus Kindergartentagen noch. Doch Kinder, Eltern oder Großeltern können oft nicht widerstehen, ihn auf die Schultasche abzustimmen. Zwischen acht und 50 Euro kann das kosten. Hinzu kommt die Sportkleidung. Eine Trinkflasche kostet fünf bis zehn Euro, eine Regenhülle acht bis zehn Euro.

4. Stifte und Füller

Je nach Schule werden unterschiedliche Utensilien verlangt. Zwei Bleistifte plus Anspitzer, später ein Füller, Farbstifte, Radiergummi, Lineal, Schreibblöcke, Schnellhefter, Hausaufgabenheft – die Liste ließe sich beliebig fortführen. Die vom Leibniz-Institut ermittelten Durchschnittswerte für die Ausstattung liegen bei 170 Euro.

5. Ausflüge und Klassenfahrten

Die Schulen entscheiden, ob es im ersten Schuljahr auf Klassenfahrt geht. In der Regel begrüßen es die Lehrer, wenn die Kinder etwas älter sind und sich untereinander kennengelernt haben, bevor es auf Schulfahrt geht. Für kurze Tagesausflüge – in einen Park, in den Schulgarten oder in die Bibliothek – sind in der Regel bis auf die Fahrtkosten im ersten Schuljahr keine weiteren Ausgaben einzuplanen. (dpa/rnw)

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Insgesamt 7 Kommentare

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  1. kein Fan

    Der größte Einzelposten dürften die Fahrtkosten sein. In der Zone Dresden-Stadt nunmehr monatlich 38 EUR, auch in den Ferien, da Abo.

  2. AnW

    Ich bin kein Fan von @kein Fan, aber da gebe ich ihn mal recht. Der Sohn von Freunden, fährt 5 Haltestellen mit dem Bus zur Schule, sie müssen die Monatskarte selber zahlen, von unseren Nachbarn die Tochter fährt 7 Haltestellen mit der Bahn und bekommt die Monatskarte von der Stadt bezahlt. Ich wollte es erst gar nicht glauben, bis ich einen Artikel in der SZ gelesen habe und nur den Kopf schütteln konnte, warum diese Unterschiede? Es ist doch Wurst, ob ein Kind 2 Kilometer oder 4 Kilometer bis zur Schule fährt! Entweder freie Fahrt für alle Kinder (so sollte es sein) oder für kein Kind.

  3. R.Fürchtenix

    Allein die Überschrift lässt mich zweifeln. Ich habe meine Kinder nie als "Kostenfaktor" gesehen, auch wenn Kinder unzweifelhaft ne Menge Geld kosten und manche Kosten nicht gleichberechtigt erhoben werden. Nur weiß das doch jeder vorm Spaß! Aber leider spiegelt genau diese Überschrift den Wert von Kindern in unserer Gesellschaft wider. Das Auto und der Urlaub sind Pflicht, da wird nicht gespart. Aber bei Kindern wird über jeden Posten gejammert und lamentiert, als würde man dadurch verarmen. Bloß gut dass Eure Eltern nicht so wehleidig waren.

  4. Ossi

    Es gibt von der Stadt ca. 260 € Zuschuss für das ÖPNV Ticket wenn man 2 Km (GS) bzw. 3,5 km (ab der 5.) Schulweg hat. Ist doch besser als nix... Und früher sind die Kinder auch mal ein-zwei Kilometer gelaufenen oder Fahrrad gefahren.

  5. kein Fan

    Lieber Fürchtenix, ich denke, das sehen Sie falsch. Kinder werden sicher nicht als reiner Kostenfaktor gesehen, ABER: In unserer Gesellschaft ist die Altersvorsorge unabhängig davon ob man Kinder hat oder nicht. Bis auf einen wenige Cent betragenden Unterschied in der Pflegeversicherung ist es schnurzegal, ob man das viele Geld in die Hand genommen hat und Kinder (=Steuer- und Beitragszahler) grossgezogen hat oder auch nicht. Im letzteren Falle konnte man all das Geld hübsch selbst ausgeben und wird dennoch im Alter rein monetär (nicht emotional) gleichbehandelt. Die paar Mütterjahre (was ist mit den Vätern?) kann man getrost in den Skat drücken. Ich plädiere für einen ordentlichen Rabatt in der Beitragszahlung wenn man künftige Beitragszahler grosszieht. Egal, warum man keine Kinder hat, sparen tut man auf alle Fälle.

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