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Montag, 16.07.2018 Kolumne: Unter uns

Aller guten Dinge sind drei

Drei Kinder zu haben, scheint ein Trend zu sein, obwohl die Statistik etwas anderes sagt.

Von Eva-Maria Hommel

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Ein Mann, eine Frau und ihre drei Kinder fahren mit Inline-Skates, Fahrrad und Tretroller am Deich entlang.
Ein Mann, eine Frau und ihre drei Kinder fahren mit Inline-Skates, Fahrrad und Tretroller am Deich entlang.

© Matthias Balk/dpa

Schon wieder schwanger? „Da seid ihr ja todesmutig.“ „Wie viele plant ihr denn noch?“ So klangen einige Reaktionen, als ich erzählte, dass wir unser drittes Kind erwarten. Beim ersten sagten die Leute noch „Herzlichen Glückwunsch“ oder „Das freut mich“. Aber mehr als zwei Kinder gehören sich in Deutschland offenbar nicht.

Auch in Kinderbüchern gibt es immer nur Zwei-Kind-Familien. Anders in alten Büchern. So zeigt Astrid Lindgrens Klassiker „Ich will auch Geschwister haben“: Ein großer Bruder kann viel besser seine Eltern mit einem Baby teilen, wenn er schon eine Schwester hat und mit ihr Kissenschlachten veranstalten kann. Ich werde also unsere Großen mit ausreichend Kissen ausstatten, und die Sache ist geritzt.

Natürlich gibt es auch positive Reaktionen: Lächeln, Umarmungen. Und mehr als einmal ein fröhliches „Ach ja? Wir auch!“ Inzwischen habe ich das Gefühl, dass auch alle anderen ein drittes Kind vor sich hertragen. Die Statistik gibt das allerdings nicht her: Zwar steigt die Geburtenrate, aber die Familien werden nicht größer. Doch zumindest in unserem Umfeld gibt es viele „große“ Familien. Diese Verrückten haben ein paar Dinge gemeinsam: Ein ausreichendes Einkommen, einen höheren Bildungsabschluss, gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten und eine relativ große Wohnung.

Andererseits wieder die Statistik: Menschen mit geringer Bildung oder Migrationshintergrund bekommen häufiger viele Kinder als deutsche Akademiker. Für Letztere scheint das Kinderkriegen keine Selbstverständlichkeit zu sein, sondern ein kompliziertes Projekt. Frühförderwahnsinn, teure Babyausstattung, Glaubenskriege um den „richtigen“ Erziehungsstil – Familien lassen sich von allen Seiten unter Druck setzen. Etwas mehr Gelassenheit wäre gut. Der Liedermacher Reinhard Mey hat auch nicht geweint, als seine Kleine ihr Töpfchen ausleerte, der Mittlere eine Riesenportion Negerküsse auskotzte und der Große seine Geschichtsarbeit beichtete. Stattdessen schrieb er das schöne Lied „Aller guten Dinge sind drei“. Erst als seine Frau sagte: „Na, überleg es dir. Vielleicht sind aller guten Dinge auch …“ brach der hartgesottene Vater zusammen.

Wahrscheinlich wird’s mir auch so gehen. Aber ich wehre mich gegen die Angst und den Druck, alles richtig machen zu müssen. Als Mutter reihe ich einen Fehler an den nächsten. Aber wenigstens dreimal in unserem Leben haben mein Mann und ich etwas richtig gemacht. Und deshalb gilt für uns: Aller guten Dinge sind drei!

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Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Dresdner Gewissen

    Ich habe selbst zwei Kinder und in dritter Ehe vor 24 Jahren eine Frau mit 4 Kindern geheiratet. Wir haben fünf gemeinsam großgezogen und zusammen mit dem 6. das woanders aufwuchs sind ausnahmlos alle gute, selbstständige und intelligente Menschen geworden, die ihrerseits genau die passenden Partner fanden, so dass wir jetzt schon vier Enkel haben. Wir haben nichts bereut und rechnen uns auch nicht aus, was wir mit den Abertausenden von Euro hätten anfangen können, die in die Kinder geflossen sind. Meine Rente begann vor Kurzem und weil es langweilig ist, haben wir jetzt noch eine Pflegetochter aus Bosnien. Sie stammt aus prekären Verhältnissen und wir unterstützen sie beim Medizinstudium nach Kräften. Waren wir verrückt? Nein - Glücklich und zufrieden. Aber wir sind auch Akademiker mit gutem Einkommen und großer Wohnung. Also: Aller guten Dinge sind mindestens drei!

  2. Willy

    Danke für den schönen Artikel! Aber ich bin etwas ketzerisch und sage: Aller guten Dinge sind vier! Nach unserem dritten Kind haben wir festgestellt, dass immer ein Platz am Küchentisch frei blieb, dass Kinder soo viel Freude machen und dass meine Frau eigentlich gar keine Lust mehr hat, in ihren alten Job zurückzukehren. Klar kann man sich vieles dann nicht leisten. Aber wir haben auch sehr viel Unterstützung erlebt! Gute gebrauchte Anziehsachen: "Gebt`s denen - die haben doch so viele Kinder..." usw. usf. Jetzt sind alle Kinder groß, haben alle Abi zwischen 1,8 und 2,2 gemacht und sind in Ausbildung bzw. schon fertig.

  3. Vierfachpapa

    Man kann auch mit 5, 6 oder 8+ Kindern glücklich sein! Googelt mal "Mütterlaufsteg"! Die Gesichter der Mütter (und Großmütter) lügen nicht - ich kenne etliche von ihnen persönlich. Aber ich persönlich freue mich, wenn in Werbungen künftig mal auch statt ein oder zwei nun auch mal 3 Kinder auftauchen (würden). Unser gesamtes Land braucht das!

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