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Mittwoch, 14.03.2018

Zwischen Zoo und Zille

Der Schauspieler Walter Plathe spielt an der Staatsoperette Dresden und entdeckt den Reiz der Rollen für ältere Herren.

Von Nadja Laske

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Der Erfolg des Films „Das Puppenheim in Pinnow“, gedreht in wenigen Wochen, verblüfft Walter Plathe noch heute.
Der Erfolg des Films „Das Puppenheim in Pinnow“, gedreht in wenigen Wochen, verblüfft Walter Plathe noch heute.

© Sven Ellger

Als Landarzt Dr. Teschner wurde Walter Plathe bundesweit bekannt.
Als Landarzt Dr. Teschner wurde Walter Plathe bundesweit bekannt.

© AP

Aus Langeweile würde das Walter Plathe nie tun: zurückschauen. Dafür hat er keine Zeit. Sein Terminkalender ist voll, gerade kommt der Schauspieler aus Berlin nach Dresden gereist, für Proben an der Staatsoperette. Aber wenn man ihn schon so konkret fragt, ja, dann hält er kurz inne und lässt seine Gedanken wandern, auch in die Vergangenheit.

Bis dorthin, wo er den meisten Jugendlichen seiner und späterer Generationen einiges voraus hat. Die wissen oft nicht, welcher Beruf sie erfüllen könnte. Walter Plathe indes hatte zwei Optionen. „Wäre ich an der Schauspielschule nicht angekommen worden, hätte ich wohl Zoologie studiert“, sagt der 67-Jährige. In seiner Freizeit spielte er in einer Theatergruppe und half im Tierpark aus. Nach seiner Lehre in einem Zoogeschäft setzte sich die Schauspielerei durch, doch Plathe blieb bei seiner Tierliebe: „Über 40 Jahre lang habe ich mit Dackel gelebt“, sagt er. Auf Tell folgte Hennes und blieb 17 Jahre lang, ein Jahr länger als Polonius. Nun lebt Walter Plathe ohne rauhaarigen Gefährten und spielt mit dem Gedanke, einen neuen aus dem Tierheim zu sich zu holen. Der würde dann mit ihm zwischen seinem Kiez, dem Berliner Scheunenviertel, und den Bühnen des Landes hin und her reisen. Eben auch nach Dresden, wo Walter Plathe das Erbe seines Freundes Peter Ensikat antritt.

In der Neuaufnahme der Operetten-Inszenierung „Candide“ übernimmt Plathe die Rolle Voltairs, der dem Publikum als Erzähler durch die Wirren seines eigenen satirischen Märchens hilft. In der früheren Produktion am Leubener Operettenhaus hatte dies der Kabarettist Ensikat übernommen. Er starb vor fünf Jahren, und Regisseur Winfried Schneider, ebenfalls ein alter Bekannter, holte den Landarzt von einst nach Dresden. „Ich habe mich sehr über das Angebot gefreut“, sagt Walter Plathe. Es passt zu dem Bild, das er im Laufe der vielen Jahre über seinen Beruf gewonnen hat. Auch hier erlaubt er sich nun noch einen Blick zurück: „Ich hätte früher nie gedacht, dass die Rollen für ältere Männer immer vielschichtiger und interessanter werden.“ Der brave Soldat Schwejk, Professor Unrat, Gerichtsdiener Frosch aus der Fledermaus und Heinrich Zille, all diese Herren versammelt er um sich. Gerade Zille hat er sich verschrieben und mit seinen Kollegen Harald Juhnke und Günter Pfitzmann das Berliner Zille-Museum gegründet. Das gibt es seit 20 Jahren und ist für den Schauspieler der beste Beweis dafür, dass es gar nicht so leicht ist, Gutes zu tun. Das zeigt auch sein Jugend-Fond gegen die Abwanderung junger Leute aus Norddeutschland. Plathe hatte ihn ins Leben gerufen, als er dort über viele Jahre für die Serie Der Landarzt drehte. Nach Untreuevorwürfen gegen einen seiner Mitstreiter schlief das Projekt ein.

Wie gut oder schlecht ist die Welt? Wie wollen wir sie sehen, wie erleben wir sie? Diesen Fragen begegnet der Künstler nun im Stück Candide wieder – der Reise eines unverbesserlichen Optimisten in die Abgründe der realen Welt. Walter Plathe hat dazu seine Meinung: „Die Welt ist nur so gut, wie wir sie machen.“

„Candide“ ab 17. März wieder an der Staatsoperette

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