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Samstag, 13.10.2018

Zwanzig Jahre mit vielen Erinnerungen

Von Silke Richter

Das ist der Stamm der Mieter, die vor 20Jahren in das Albert-Schweitzer-Haus eingezogen sind und sich auch heute noch in dem Haus sehr wohl fühlen.Foto: Silke Richter
Das ist der Stamm der Mieter, die vor 20 Jahren in das Albert-Schweitzer-Haus eingezogen sind und sich auch heute noch in dem Haus sehr wohl fühlen.Foto: Silke Richter

Vor zwanzig Jahren wurde das betreute Wohnen im umgestalteten Hoyerswerdaer Hochhaus Lipezker Platz 1/2 eröffnet. Das Albert-Schweitzer-Haus war in Hoyerswerda das erste Hochhaus, das solch eine gravierende Veränderung erfuhr und somit zu etwas Besonderem wurde. Die Teilabtragung der obersten Stockwerke und der anschließende Umbau des Doppelhochhauses erregten damals viel Aufsehen. Die achtzig seniorenfreundlichen und behindertengerechten Wohnungen sind auch heute noch sehr begehrt. Einige Bewohner haben die Neueröffnung miterlebt und genießen das Miteinander dort.

Eine Entscheidung von 1998

Hoyerswerda, ein Frühlingstag im Jahre 1998: Das Ehepaar Taubert muss eine Entscheidung fällen. Das Älterwerden fordert seinen Tribut und Veränderungen. Otto Taubert geht es mit 68 Jahren relativ gut. Er ist noch gut zu Fuß unterwegs. Seine Ehefrau hat hingegen große Probleme beim Laufen und Treppensteigen. Ein Altersheim kommt für die Seniorin aber auf keinen Fall infrage! Umso skeptischer reagiert die Hoyerswerdaerin, als ihr Otto von einem umgestalteten Hochhaus berichtet, dessen obersten Etagen abgetragen werden sollen und das zu einem seniorenfreundlichen Gebäude umfunktioniert wird. Das Konzept vom „Betreuten Wohnen“ war zur damaligen Zeit in Hoyerswerda gerade erst in seinen Anfängen. Viele Menschen konnten sich noch nichts Konkretes darunter vorstellen. Das Ehepaar Taubert verschaffte sich bei einer Besichtigungstour im Albert-Schweitzer-Haus, das sich gleich gegenüber vom Lausitzer Seenland-Klinikum befindet einen ersten Eindruck, der das Leben gravierend verändern sollte.

Von der Straße bis ans Bett

„Wir können mit Rollstuhl und Rollator von der Straße aus bis an unser Bett fahren, wenn es nötig ist“ beschreibt Bewohnerin Adelheid Grundmann einen der vielen Vorzüge des Hauses. Die 84-Jährige stellt sich heute noch oftmals die Frage, wie sie es vor ihrem Umzug geschafft habe, ihren schwerkranken Ehemann bis in das achte Stockwerk ihres damaligen Wohnhauses zu bringen. Im Albert-Schweitzer-Haus fand Adelheid Grundmann wieder etwas mehr die für sie so ersehnten Momente der Ruhe und Abwechslung zurück – dank des ambulanten Pflegedienstes der Diakonie Görlitz/Hoyerswerda, dessen Mitarbeiter sich seit zwanzig Jahren, je nach Pflegegrad und individuellen Wünschen, liebevoll um die Bewohner kümmern. Das war letztlich auch der ausschlaggebende Grund für das Ehepaar Taubert, sich für eine Wohnung in dem Haus zu entscheiden. „Das Haus ist eine sehr gute Alternative für ein Pflegeheim. Hier haben wir alles gefunden, was wir im Alter brauchen. Als meine Frau verstorben ist, war auch eine Gemeinschaft da, die mich unterstützte“, blickt der nunmehrige Witwer zurück.

Gemeinsamkeit zählt

Otto Taubert erinnert sich auch noch gern an die Zeit als er in der Gemeinschaftsküche Brote gebacken und verschiedene Speisen für die Bewohner zubereitet hat. Im Albert-Schweitzer-Haus kann man, aber man muss eben nicht allein sein. Jeder so, wie er mag. Einige Bewohner, die vor zwanzig Jahren eingezogen sind und sich als Gemeinschaft zusammengefunden haben, treffen sich auch heute noch regelmäßig im Gemeinschaftsraum, um gemeinsam zu frühstücken, Karten zu spielen oder andere gemeinsame Dinge zu unternehmen. Natürlich haben sich im Laufe der Zeit die Freizeitaktivitäten dem Alter angepasst. So sind die ersten Mieter von damals heute bereits zwischen 84 und 90 Jahre alt. „Ich genieße den Zusammenhalt im Alter hier sehr und fühle mich wohl“, bestätigt Dorothea Ranzuch. Und Brigitta Reetz ist sehr froh, damals hartnäckig geblieben zu sein: Die heute 84-Jährige wollte unbedingt eine Wohnung im Albert-Schweitzer-Haus beziehen. Es war aber lange Zeit nichts frei – bis ein potenzieller Mieter von seinem Vorhaben Abstand nahm und der Platz verfügbar war. „Ich bin heute noch sehr glücklich darüber und habe diese Entscheidung nie bereut“, bekräftigt Brigitta Reetz.

Begehrte Wohnungen

Das Haus ist, laut der stellvertretenden Pflegedienstleiterin Doreen Kollay, auch heute noch sehr begehrt. „Es ist ein ganz besonderes Gebäude mit Bewohnern, die eine großartige Gemeinschaft ausleben und füreinander da sind.“