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Montag, 17.09.2018

Zugfahren soll einfacher und billiger werden

Der angestrebte Verkehrsverbund für ganz Ostsachsen muss wohl noch warten. Passieren wird trotzdem einiges.

Von Jens Fritzsche

Rollen die Züge bald mit einem einheitlichen Tarif von Dresden über Bautzen nach Görlitz? Der Landkreis macht sich jedenfalls dafür stark.
Rollen die Züge bald mit einem einheitlichen Tarif von Dresden über Bautzen nach Görlitz? Der Landkreis macht sich jedenfalls dafür stark.

© Uwe Soeder

Oberlausitz. Dynamofans aus Bautzen und Bischofswerda müssen wohl noch eine Weile warten, bis sie mit ihrer Eintrittskarte zu den Zweitliga-Heimspielen kostenlos per Zug oder Bus anreisen können. Daran wird offenbar auch die nächste Kreistagssitzung am 17. September nichts ändern. Auch, wenn das Thema dort zumindest indirekt mit auf der Tagesordnung stehen wird.

Die kostenlose Fahrt zu den Heimspielen der Schwarz-Gelben in Dresden ist nur im Gebiet des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) möglich – und das beginnt erst zwischen Großharthau und Arnsdorf. Der Landkreis Bautzen ist bekanntlich zweigeteilt, was den öffentlichen Nahverkehr betrifft. Während Radeberg, Kamenz und Hoyerswerda VVO-Gebiet sind, gehören Bautzen und Bischofswerda zum Zweckverband Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon). Das nervt nicht nur die Dynamofans. Sondern auch Tausende Berufspendler. Denn mitten durch den Landkreis verläuft damit eine leidige Tarifgrenze. Beide Verkehrsverbünde haben unterschiedliche Tarifsysteme. Im VVO gibt es Tarifzonen, in denen die Kunden sämtliche Angebote zum einheitlichen Preis nutzen können – im Zvon zahlen die Fahrgäste nach Kilometern. Das macht „grenzüberschreitende“ Tickets teurer – abgesehen von Problemen, hier wie da Fahrkarten für den anderen Verbundraum kaufen zu können …

Und so hat es sich Landrat Michael Harig (CDU) seit Jahren zur Aufgabe gemacht, diese Trennung zu überwinden. Jüngst hatte er gar einen Alleingang des Landkreises Bautzen angekündigt, sollten Kreis und Stadt Görlitz – mit denen Bautzen den Zvon bildet – nicht mitziehen und einen einheitlichen Tarif möglich machen. Einen Tarif, der dann sozusagen von Riesa bis Zittau reichen würde. Aber in Görlitz sperrt man sich seit Jahren, befürchtet das Abhängen von Strecken im ländlichen Raum.

In der nächsten Kreistagssitzung wollte Harig den Alleingang mit den Räten diskutieren und möglichst beschließen, wenn übergeordnete Stellen wie Wirtschaftsministerium und Landesdirektion dem Ansinnen rechtlich zustimmen. Zwischenzeitlich hatte das Wirtschaftsministerium auf SZ-Nachfrage wohlwollend auf die Idee aus Bautzen reagiert, allerdings angemahnt, Görlitz mit ins Boot zu holen. Im dortigen Landratsamt ist man aber derzeit mit öffentlichen Meinungsäußerungen zum Thema zurückhaltend. Erst wenn Bautzen konkrete Beschlüsse fasse, wolle man sich äußern. – Nun also wird das Thema tatsächlich eine Rolle im Kreistag spielen. Allerdings sollte allzu viel Euphorie gebremst werden, lässt Landrat Michael Harig schon mal durchblicken. Es werde zunächst nur um eine Informationsvorlage gehen. Denn bei den Gesprächen mit Wirtschaftsministerium und Landesdirektion wurde im Wesentlichen darauf verwiesen, so Harig, dass ein VVO-Beitritt der Region Bautzen/Bischofswerda nur möglich ist, wenn auch die Zvon-Verbandsmitglieder Landkreis und Stadt Görlitz zustimmen.

Politischen Krawall oder gar juristische Streitereien mit Görlitz will Harig allerdings vermeiden. Schließlich arbeiten beide Kreise auf vielen Ebenen zusammen. Und das gut. Deshalb hat man in Bautzen kein Interesse an einer „Gefahr kommunalpolitischer Fehldeutungen“, die zu Belastungen auf anderen Gebieten führen könnten. Vor diesem Hintergrund sollen nun zunächst einige Schritte gegangen werden, die auch ohne viel Wirbel möglich sind. So soll beispielsweise ein Übergangstarif auch für Einzelfahrscheine kommen, den es bisher nur für Dauerkarten gibt und Fahrten über die „Grenze“ preiswerter macht. Wie viel preiswerter die Einzelfahrt wird, ist noch offen, sagt VVO-Sprecher Christian Schlemper. „Wir brauchen dazu erst das ‚Grüne Licht‘ des Bautzener Kreistags für die Idee, bevor wir rechnen.“ Allerdings ist auch Harig klar, „dass dieser Schritt die Probleme im Landkreis Bautzen nicht gänzlich löst“. Also soll der Kreistag als Ziel auch gleich das angestrebte einheitliche Tarifsystem für ganz Ostsachsen festlegen. Anschließend muss das Thema dann auch im VVO besprochen und beschlossen werden. Und natürlich wird auch zum Taschenrechner gegriffen und die wirtschaftlichen Auswirkungen für Fahrgäste und beide Verbände durchgerechnet.

Das mag nach der Alleingangs-Ankündigung nun ein wenig schaumgebremst klingen. Deshalb stellt Harig unbedingt klar: „Dass es der Landkreis Bautzen dauerhaft nicht hinnehmen kann, dass die Angleichung der Lebensverhältnisse im Landkreis an Entscheidungen Dritter hängt.“