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Montag, 01.01.2018

Zu wenig Hilfe für DDR-Heimkinder beklagt

Fast 30 Jahre nach dem Ende der DDR kann das Kapitel zur Rehabilitierung der Opfer von SED-Unrecht und staatlicher Willkür nicht geschlossen werden.

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Jungen und Mädchen aus einem Kinderheim in Ostberlin veranstalten im November 1965 einen Rodelwettbewerb.
Jungen und Mädchen aus einem Kinderheim in Ostberlin veranstalten im November 1965 einen Rodelwettbewerb.

© Archivbild: dpa

Potsdam. Die Brandenburger Unrechts-Beauftragte Maria Nooke hat zu geringe gesellschaftliche Hilfen für ehemalige DDR-Heimkinder beklagt. „Nur wenige Betroffene wurden bislang rehabilitiert“, sagte Nooke, Beauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, der Deutschen Presse-Agentur. Gerichte berücksichtigten heute immer noch zu selten die politischen Rahmenbedingungen der Heimeinweisungen.

Auch die Demütigungen, denen die Betroffenen im Heimalltag ausgesetzt waren, zum Beispiel das System von Strafen und Kontrollen, werde in der Rechtssprechung zu wenig berücksichtigt. „Opfer von Heimeinweisungen sollten immer dann rehabilitiert werden, wenn sie nicht der Fürsorge der Kinder und Jugendlichen, sondern der staatlich angeordneten Umerziehung der Persönlichkeiten dienten“, betonte Nooke. „Diese Auffassung setzt sich bisher leider nur langsam durch.“

Das System der DDR-Heimerziehung gehörte zu den Bereichen des SED- Unrechtssystems, die lange nicht beachtet wurden. Neben normalen Kinderheimen gab es Spezial-, Durchgangs- und Sonderheime sowie Jugendwerkhöfe, in denen Kinder und Jugendliche unter Druck, Gewaltanwendungen und menschenverachtenden Bedingungen zu sozialistischen Menschen umerzogen werden sollten. Viele der einstigen Insassen würden bis heute unter den Erlebnissen leiden, sagte Nooke. Die bisher gewährten gesellschaftlichen Hilfen reichten bei weitem nicht aus.

Seit kurzem gebe es im brandenburgischen Bad Freienwalde östlich von Berlin ein Mahnmal, das an das Leid der Kinder und Jugendlichen in dem Gebäude erinnert. Doch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit würden die ehemaligen Heiminsassen weiterhin stigmatisiert. „Ihre Berichte über die Gewalt, die sie erlebt haben, über die Mechanismen der Kollektiverziehung und das Verhalten der Erzieher werden häufig angezweifelt“, beklagte Nooke. Hier gelte es, das Leid anzuerkennen und einen gesellschaftlichen Diskurs zu führen. Zudem müsse verhindert werden, dass solche Praktiken wieder Akzeptanz finden.

Nooke kündigte an, sich 2018 weiter für die Entfristung des Unrechtsbereinigungsgesetzes einzusetzen. Von DDR-Unrecht Betroffene müssten auch nach 2019 Anträge auf Rehabilitierung stellen können. „DDR-Unrecht verjährt nicht“, stellte Nooke klar, die seit September im Amt ist.

Ihre Behörde habe darüber hinaus eine Gesetzesinitiative zur Verbesserung der sozialen Lage ehemals politisch verfolgter Menschen angeregt, die über die ostdeutschen Länder in den Bundesrat eingebracht werden soll. „Ich erwarte von der Bundesregierung, die Aufarbeitung der Geschichte der Sowjetischen Besatzungszone/DDR als wichtigen Teil der gesamtdeutschen Geschichtsschreibung weiterhin zu fördern“, sagte sie. Den politisch Verfolgten des SED-Regimes sollte durch neue gesetzliche Regelungen und auch durch bereitgestellte finanzielle Mittel ein Altern in Würde ermöglicht werden.

Bei Inkrafttreten der vom Bundestag beschlossenen Rehabilitierungsgesetze 1991 und 1994 sei das ganze Ausmaß der Schäden, die durch SED und Stasi angerichtet wurden, nicht erkennbar gewesen. „Damals wurden die Menschen verfolgt, heute sind viele von ihnen arm und krank“, erinnerte Nooke. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Tobias Leipold

    Es gab in der DDR "neben normalen Kinderheimen" keine "Spezial-, Durchgangs- und Sonderheime sowie Jugendwerkhöfe, in denen Kinder und Jugendliche unter Druck, Gewaltanwendungen und menschenverachtenden Bedingungen zu sozialistischen Menschen umerzogen werden sollten." Spezial- und Sonderheime gab es zur Unterbringung von Kindern und Jugendlichen, denen die Jugendhilfe Renitenz und den Hang zu kriminellem Handeln vorwarf. Jugendwerkhöfe gab es zur Unterbringung von Kindern und Jugendlichen, denen die Jugendhilfe konkret kriminelles Handeln vorwarf. Ob diese Vorwürfe eine politische Verfolgung darstellten, ergibt sich aus der Prüfung des Einzelfalles, des Vorwurfes, nicht aus den Umständen, die 1960 oder 1970 in diesen Häusern vorzufinden waren, so befremdlich uns die Erziehungsmethoden heute auch erscheinen mögen. _______________________ P.S.: Auch für Erwachsene, denen die DDR-Justiz kriminelles Handeln vorwarf gilt: Der Einzelfall des Vorwurfes ist zu prüfen, das Urteil.

  2. Andre Töpfer

    10000 Euro für jahrelange Qualen und Vergewaltigung sind lächerlich zu dem man das Geld nicht mal bar bekommt sondern immer erst in Vorkasse gehen muss.

  3. Andre Töpfer

    10000 Euro für jahrelange Qualen und Vergewaltigung sind lächerlich zu dem man das Geld nicht mal bar bekommt sondern immer erst in Vorkasse gehen muss.

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