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Dienstag, 12.06.2018

Zu viel Regen fürs neue Auffangbecken im Pommlitzgrund

Auch die Kanalisation war vielerorts überfordert. Aber lässt sich daran etwas ändern?

Von Jens Hoyer

Wie ein Fluss ergoss sich das Wasser aus dem Pommlitz- und Amselgrund auf der Dresdner Straße. Das kleine Rückhaltebecken hatte nur einen Teil aufnehmen können.
Wie ein Fluss ergoss sich das Wasser aus dem Pommlitz- und Amselgrund auf der Dresdner Straße. Das kleine Rückhaltebecken hatte nur einen Teil aufnehmen können.

© Jens Hoyer

Döbeln. Das Gewitter am Sonnabend mit seinem Hagel und Starkregen war schon am Abziehen, als die Verrohrung des Amselgrundbachs in der Ziegelstraße die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnte. Wie ein Fluss schoss die braune Brühe in die Dresdner Straße, die Anwohner konnten den Fluten beim Steigen zusehen. Die Bewohner des Hauses Borngasse schafften es noch, die Kellerfenster abzudichten. Als die Wanne der Dresdner Straße gefüllt war, ergoss sich das Wasser auch auf die Sankt-Georgen- und die Wappenhenschstraße, flutete zum Teil die Häuser und Keller.

Vor knapp zwei Jahren hatte die Stadt ein kleines Rückhaltenbecken im sogenannten Pommlitzgrund bauen lassen, das diese Szenen möglichst verhindern soll. „Es hat funktioniert“, sagte Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer in der Nachbetrachtung. „Das Rückhaltebecken war voll. Wenn wir es nicht hätten, wäre das Wasser in der Stadt noch höher gewesen.“ Irgendwann war das Volumen aber ausgereizt und das Wasser begann überzulaufen. Das Becken kann kurzzeitig etwa 1300 Kubikmeter Wasser speichern, das sind 1,3 Millionen Liter. Die Beobachtung von Sven Weißflog, dass eine Plane den Abfluss des Wassers behindert habe, kann Egerer nicht bestätigen. Noch am Sonnabend habe der Bauhof mit Technik die Einläufe der Verrohrung in der Ziegelstraße freigeräumt.

Das große Rückhaltebecken im Amselgrund, reichlich 200 Meter entfernt, hatte dagegen keine Probleme, mit den Wassermassen fertig zu werden. Geschätzt zwei Meter hoch stand das Wasser im Becken, dessen Aufnahmefähigkeit nur zu einem Bruchteil ausgenutzt war. Mit der Landestalsperrenverwaltung als Eigentümer sei abgestimmt, wie viel Wasser über den Grundablass abgegeben wird, damit es keinen Schaden anrichtet, sagte Egerer.

Für ein ähnlich großes Rückhaltebecken gab es auch Pläne im Pommlitzgrund. „Das müsste die Stadt selbst bauen. Wir müssen sehen, wie sich die Situation in den nächsten Jahren entwickelt“, sagte Egerer. Der Bau des Beckens wäre wahrscheinlich eine Millioneninvestition – und derzeit gebe es dafür keine Fördermittel.

Es werde auch in Zukunft notwendig sein, dass die Döbelner zur Selbsthilfe greifen – sei es um ihr Eigentum zu schützen oder um Gullys zu öffnen, damit das Wasser besser abfließen kann, sagte Egerer. Nach dem Starkregen waren selbst Straßen geflutet, wo es sonst nie Probleme gab. „Selbst die Stadthausstraße stand unter Wasser“, sagte Egerer. Die Kanalisation hatte die riesigen Wassermassen – die Stadtverwaltung spricht von 50 und 68 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 50 Minuten – nicht aufnehmen können.

Mit einem Generalentwässerungsplan will der Abwasserzweckverband Döbeln-Jahnatal auch Schwachstellen in der örtlichen Kanalisation beheben. So wird voraussichtlich am 13. August mit dem Bau eines neuen Abwassersammlers in der Karl-Liebknecht-Straße begonnen, der die Probleme in Sörmitz entschärfen soll, wo es immer wieder bei Starkregen Überschwemmungen von Grundstücken gegeben hatte. Am Sonnabend war davon auch sehr stark die Schillerstraße betroffen. In der Tiefgarage unter dem Penny-Markt stand das Wasser etwa einen Meter hoch und musste am Sonntag vom Technischen Hilfswerk Riesa und Freiberg ausgepumpt werden.

In diesem Bereich ist im Zuge des Baus der Brücke Straße des Friedens der Einbau eines neuen Regenüberlaufs für rund 200 000 Euro geplant. Sylke Hermann, Sprecherin des Wasserdienstleisters Oewa, dämpfte aber übertriebenen Optimismus. „Die Starkregenereignisse, wie sie in den vergangenen Wochen in weiten Teilen Deutschlands aufgetreten sind, könnten auch künftig in der Region zu Problemen führen. Das Abwassernetz ist für diese Wassermengen nicht ausgelegt.“

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