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Mittwoch, 11.07.2018 Kommentar

Zschäpes vergebliche Tricks

Die lebenslange Freiheitsstrafe gegen Beate Zschäpe im NSU-Prozess lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig, findet SZ-Redakteurin Karin Schlottmann.

Von Karin Schlottmann

SZ-Redakteurin Karin Schlottmann.
SZ-Redakteurin Karin Schlottmann.

© Robert Michael

Selten waren die Erwartungen an einen Strafprozess so überfrachtet wie im NSU-Verfahren. Angesichts der dubiosen Rolle mancher Verfassungsschutzämter und des Versagens von Ermittlungsbehörden darf sich niemand wundern, dass die Hinterbliebenen weit mehr erwartet hatten als gerechte Urteile gegen fünf Angeklagte. Doch dass viele Zeugen und die Hauptangeklagte Beate Zschäpe in den vergangenen fünf Jahren entweder schwiegen oder logen, kann nicht dem Gericht angelastet werden. Ein Strafverfahren ist kein Endlos-Tribunal. Es bleibt eine bittere Tatsache, dass es trotz intensiver Aufklärungsbemühungen auf manche Fragen noch keine Antworten gibt. Das Versprechen lückenloser Aufklärung hat Kanzlerin Merkel gegeben – es ist ihre Aufgabe, es einzulösen.

Der Münchner Prozess hat alle bisherigen Dimensionen gesprengt. Befürchtungen, das Verfahren könne wegen des Umfangs und der vielen Nebenkläger vorzeitig platzen, haben sich nicht bestätigt. Auch das Ergebnis ist überzeugend: Die lebenslange Freiheitsstrafe gegen Zschäpe lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Alle ihre taktischen Finessen, das anfängliche arrogante Schweigen gefolgt von der unglaubwürdigen Version der abhängigen und ahnungslosen Geliebten, konnten die harte Strafe nicht abwenden. Zu Recht. Sie mag ihr Wissen über die Terrorgruppe mit in die Gefängniszelle nehmen. Eine Rückkehr in die Freiheit oder gar ein Leben mit der alten Nazi-Clique ist ihr für lange Zeit verbaut.

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