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Mittwoch, 11.07.2018

Zisternen bauen gegen die Dürre

Als über Jahre kein Regen fiel, bahnte sich in Ost-Afrika eine Katastrophe an. Das Aktionsbündnis „Dresden hilft“ sammelte Geld in der Stadt und schickte die lokalen Profis von Arche Nova in die Wüste.

Arche Nova Mitarbeiter Nazir Ahmed inspiziert den Brunnen in Tayin.
Arche Nova Mitarbeiter Nazir Ahmed inspiziert den Brunnen in Tayin.

© Axel Fassio

Dresden/Denan. „Verendetes Vieh, ausgetrocknete Brunnen und Menschen, die sehnlichst auf Wasser warteten“, so beschrieb Nazir Ahmed die Situation im Sommer 2017 im Osten Äthiopiens. Der Nothilfekoordinator der Dresdner Hilfsorganisation Arche Nova reiste in der akuten Dürreperiode mit seinem Team in das Katastrophengebiet und packte gleich mit an: Gegen die unmittelbare Not organisierten die Dresdner eine Staffel von Tanklastwagen, die rund 6 000 Menschen in den fast völlig vertrockneten Dörfern mit Wasser versorgten.

Beckenbau und Brunnenreparatur in Afrika

Das neue Gesundheitszentrum

Üblicherweise regnet es in der Region zwei Mal pro Jahr für längere Zeit, doch darauf warteten die Menschen seit Jahren vergebens, erklärt Yvonne Stephan, Referentin für Ostafrika bei der Arche. Nach der ersten Hilfe, die Menschen und Tiere rettete, begannen der eigentliche Einsatz: Zusammen mit seiner lokalen Partnerorganisation „Organisation for Welfare and Development in Action“ (OWDA) machten sich die Dresdner an den Ausbau von bestehenden Speicherbecken, buddelten neue mit vereinten Kräften und sanierten die schon ziemlich maroden Schachtbrunnen in der Region.

Möglich machten das auch die Spenden aus Dresden: „Insgesamt haben wir bisher 108 350 Euro Privatspenden erhalten, darunter auch die 5 000 Euro von der Stadt“, sagt Arche Nova Sprecherin Margret Thieme, die den Aufruf „Dresden hilft“ mit initiiert hatte. Das bundesweite Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ steuerte auch noch 234 800 Euro an Spenden bei und das Auswärtige Amt überwies 735 000 Euro für die Finanzierung des Projekts.

Acht traditionelle Regenwasserspeicher, Birkaz genannt, haben die Helfer bisher gebaut und es sollen noch mehr werden, denn die meist nomadisch lebenden Familien und ihr Vieh sind abhängig von den Niederschlägen. „Auch wenn es jetzt in einigen Gegenden stark geregnet hat, besteht das Dürrerisiko weiterhin an, denn die Regenzeiten kommen immer unregelmäßiger. In dieser extrem armen Region sind die Menschen den durch den Klimawandel zunehmenden Wetterkapriolen ungeschützt ausgesetzt. Wenn der Regen ausbleibt oder zu stark ist, ist ihr Leben bedroht. Wir wollen gemeinsam mit den Menschen vor Ort weitere Wasserspeicher bauen, die es ihnen ermöglichen, den wenigen Niederschlag zu speichern und über die trockenen Perioden zu kommen“, fasst Yvonne Stephan das Ziel der Arche-Arbeit zusammen.

Darüber hinaus installierten die Helfer in einem Gesundheitszentrum ein funktionierendes Wasserversorgungssystem. In der Gesundheitsstation wurden viele von der Dürre betroffene Menschen versorgt. Die vorhandenen Wasserspeicher erhielten „Skyhydrant“-Wasserfilteranlagen, die Räume bekamen Waschbecken und Duschen und auch das Abwassersystem erneuerten die Wasserspezialisten. Seitdem verfüge das Zentrum über sauberes Trinkwasser für Patienten und Personal und die hygienischen Bedingungen haben sich enorm verbessert, sagt Stephan.

Schon bevor sich die Situation für die Menschen im Sommer 2017 zuspitzte, waren viele Bewohner des Gebietes vor der Dürre an das flache Ufer des Shabelle-Flusses geflüchtet. Wegen des direkten Zugangs zum Wasser und des fruchtbaren Anbaubodens errichteten sie dort notdürftige Siedlungen. Ende April 2018 fiel dann plötzlich wieder der Regen, doch seien die Niederschläge so ungewöhnlich stark gewesen, dass die anschwellenden Fluten des Flusses die neuen Hütten und Häuser zerstörten und die Menschen von jeglicher Versorgung abschnitten, erzählt Stephan.

Auch hier leisteten Arche Nova zusammen mit den Partnern von OWDA wieder Nothilfe und unterstützten die lokalen Behörden und Hilfsorganisationen. Vor allem die Bevölkerung der trockenen Somali-Region im Osten Äthiopiens hatte mit der Dürre zu kämpfen, die den Zugang zu Wasser und Nahrungsmitteln fast unmöglich machte. Wegen der prekären Situation wollen die Dresdner vor Ort weitere Birkaz bauen, damit die Menschen in ihrer Heimat eine Chance haben und nicht flüchten müssen. (szo/stb)

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