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Samstag, 15.09.2018

Zeigt her Eure Füße

Podologin Grit Kranke hat in der Kirchenscheune ihre neue Praxis eröffnet. Ein Glücksfall für sie und den Ortsteil.

Von Thomas Riemer

„Die Praxis ist mein Baby“, sagt Grit Kranke. Die Füße hochlegen dürfen hier aber normalerweise nur ihre Patienten.
„Die Praxis ist mein Baby“, sagt Grit Kranke. Die Füße hochlegen dürfen hier aber normalerweise nur ihre Patienten.

© Anne Hübschmann

Wildenhain. „Na! Wo drückt denn der Schuh?“ Grit Kranke hat sich irgendwann auf diese vielsagende Begrüßungsformel für ihre Patienten festgelegt. Mitte Mai hat die Podologin und Wundexpertin ihre Praxisräume in der Wildenhainer Kirchenscheune bezogen. Nach einer schmerzlichen, aber lehrreichen Erfahrung wagt die 48-Jährige dort einen Neuanfang. Genug Berufserfahrung bringt sie mit – immerhin 13 Jahre praktiziert sie bereits in ihrem Metier.

Dass ausgerechnet die Kirchenscheune im Großenhainer Ortsteil ihr neues Domizil geworden ist, da stand der Zufall ein wenig Pate. Eine gute Freundin hatte Grit Kranke am Gründonnerstag zum Quatschen bei einem guten Kaffee eingeladen und sie auf den Aushang aufmerksam gemacht, dass die Räume zu vermieten sind. „Das Beste wäre, wenn Du Dich wieder selbstständig machst“, so der Rat unter Freundinnen. Gesagt, getan. Schon einen Tag nach Ostern hatte Grit Kranke die Schlüssel. „Ich habe alles investiert, was ich hatte“, blickt Grit Kranke zurück. Als der Autoklav – ein Gerät zum Sterilisieren der Instrumente – und der Behandlungsstuhl endlich geliefert waren, da wusste sie: „Das ist mein Baby.“

Wildenhainerin ist Grit Kranke schon seit 17 Jahren. Dass die gelernte Maschinenanlagenmonteurin zur Podologin und Wundexpertin „umsattelte“, ist ihrem heutigen Mann geschuldet. Die beiden lernten sich bei einem Konzert in Dresden kennen, und Grit Kranke hatte sich, weil Weihnachten war, die Fingernägel entsprechend dekoriert. „Ich glaube, er hat mich damals nur wegen meiner Nägel genommen“, sagt Grit Kranke und lacht. Die beruflichen Konsequenzen für sie waren bahnbrechend. „Ich wollte nicht die dumme ,Nagel-Uschi‘ sein und hab zur Nageldesignerin umgeschult. 2002 war das, später stellte sie sich erfolgreich erst der Ausbildung zur Fußpflegerin, dann Podologin und 2016 noch zur Wundexpertin der „Initiative Chronische Wunden“ (ICW). Denn das ist ein entscheidender Unterschied zur „herkömmlichen“ kosmetischen Fußpflege: Grit Kranke ist Spezialistin für die medizinische Fußpflege, die vom eingewachsenen Nagel bis hin zum diabetischen Fußsyndrom reicht. Viele ihrer Patienten zählen auf ihre bewährte Professionalität. Grit Krankes Credo: „Ich stelle keine Diagnosen, dafür gibt es Ärzte. Und ich lege größten Wert darauf, individuell und hygienisch einwandfrei zu arbeiten.“ Auch deshalb gibt es keine festen Praxiszeiten, erfolgt die Behandlung grundsätzlich auf vorheriger Terminvereinbarung. Für Grit Kranke ein angenehmer Zustand: „Es ist auch für mich entspannt, die Patienten fühlen sich in meiner Praxis wohl“, sagt sie. Und: Sie freue sich, „wenn der Patient davon etwas mit nach Hause nimmt“.

Podologin ist ihr Beruf. Die Leidenschaft, mit der ihn Grit Kranke betreibt, hat eher mit Berufung zu tun. Sie gesteht, dass sie sich am Anfang ihrer Laufbahn vor manchen Füßen ihrer Patienten „geekelt“ hat. Doch gerade deshalb ist es ihr wohl gelungen, Vertrauen aufzubauen, sich in die Lage der Patienten hineinzuversetzen. Und daher ist es nicht vermessen zu sagen, dass ihre Praxis in Wildenhain aus vielerlei Gründen ein Glücksfall für den Ort ist.