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Donnerstag, 09.08.2018

Wolfswelpen in der Massenei

Sachsens Wolfskontaktbüro hat ein neues Rudel bestätigt – in der Massenei. Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Von Reiner Hanke

Bilder wie dieses aus einem Tierpark gibt es aus der Massenei bisher nicht. Doch in den Wäldern des Rödertals soll tatsächlich ein neues Wolfsrudel leben und es sollen Welpen geboren sein.Die Mitarbeiter des sächsischen Wolfskontaktbüros bitten ihrerseits Besucher des Waldes Sichtungen von Wölfen an das Landratsamt, an das Kontaktbüro oder an das Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -Forschung zu melden.
Bilder wie dieses aus einem Tierpark gibt es aus der Massenei bisher nicht. Doch in den Wäldern des Rödertals soll tatsächlich ein neues Wolfsrudel leben und es sollen Welpen geboren sein. Die Mitarbeiter des sächsischen Wolfskontaktbüros bitten ihrerseits Besucher des Waldes Sichtungen von Wölfen an das Landratsamt, an das Kontaktbüro oder an das Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -Forschung zu melden.

© dpa

Großröhrsdorf. Die Nachrichten reißen nicht ab. Vor ein paar Tagen rissen vermutlich Wölfe elf Schafe im Osten des Landkreises. Das Wolfsmanagement prüft den Fall. Es gehe jetzt außerdem gesichert davon aus, dass es nun in der Massenei ein Wolfsrudel gibt. Damit rückt das Raubtier auch immer näher an Radeberg und die Landeshauptstadt Dresden. Dass Wölfe in der Massenei, aber auch darüber hinaus bis Wachau gesichtet wurden, darüber gibt es zahlreiche Berichte von Jägern. Auch über Wolfsrisse wurde bereits berichtet. Die Ansiedlung eines Rudels wäre nun eine neue Dimension.

Worauf beruht die Information über ein Wolfsrudel in der Region?

Im Waldgebiet der Massenei konnte nach Informationen des Wolfsmanagements eine Wolfsfähe mit Gesäuge durch eine Wildkamera fotografiert werden. Wie viele Welpen geboren wurden, sei jedoch noch nicht bekannt. In der Regel werden vier bis sechs Welpen geboren, schätzten die Mitarbeiter von Sachsens Wolfskontaktbüro in Rietschen ein. Das Wolfsrudel sei eine Kleinfamilie. Es bestehe aus dem Elternpaar, das meist auf Lebenszeit verbunden bleibt, den Welpen und den Jungtieren aus dem Vorjahr. Die Jährlinge verlassen das Territorium ihrer Eltern in der Regel im Alter von ein bis zwei Jahren. Die Größe des Rudels schwanke im Jahresverlauf meist zwischen fünf und zehn Wölfen. In der Massenei habe in diesem Jahr zum ersten Mal die Geburt von Welpen bestätigt werden können.

Ist die Massenei überhaupt groß genug für ein Rudel Wölfe?

Wölfe wählen ihr Territorium immer groß genug, dass die Beutetiere ausreichen, um die Ernährung des Rudels langfristig zu gewährleisten, ist man im Wolfskontaktbüro überzeugt und spricht auch von der Beutedichte. Je höher die sei in einem Gebiet, desto kleiner sei in der Regel das Wolfsterritorium. Die durchschnittliche Territoriumsgröße von sieben erwachsenen Wölfen, die in Sachsen von 2009 bis 2014 radiotelemetrisch untersucht wurden, betrug 226 und 350 Quadratkilometer. Die Wolfsdichte in Sachsen, liege damit innerhalb des breiten Spektrums, das in Europa bekannt ist. Das Waldgebiet der Massenei mache mit etwa 15 Quadratkilometern aber nur einen kleinen Teil des Territoriums des dort lebenden Wolfsrudels aus. Das Wolfsterritorium umfasse auch die Kulturlandschaft, die sich um das Waldgebiet herum befindet. Wölfe seien anpassungsfähig und brauchen Rückzugsgebiete, ein ausreichendes Vorkommen an Beutetieren.

Wie schätzen Jäger an der Basis die Situation ein?

Jäger in der Region sehen in den jüngsten Informationen vor allem eines: „Das Wolfsmanagement ist völlig aus dem Ruder gelaufen.“ So formuliert es Gunter Franke aus Radeberg, Verantwortlicher des Hegerings Rödertal. Der Wolf gehöre mit in den Wald, aber nicht in den Massen: „Dann wird der Wolf zur Gefahr“. Gerade in der Massenei hätten die Jäger Wölfe schon seit drei-vier Jahren beobachtet. Bei den Jägern keime der Verdacht, die Wolfsmanager haben den Überblick über die Zahl der Wölfe in Deutschland verloren. Auch der Deutsche Jagdverband beobachte die Population. Vom Ural bis zum Atlantik gebe es etwa 4 000, davon 1 000 in Deutschland und allein 250 im Raum Bautzen/Görlitz. Offiziell werde nur von der Hälfte der genannten Anzahl in Deutschland gesprochen, so Franke.

Für seine Begriffe seien es zu viele, um genug Nahrung zu finden. Ein Rudel beanspruche ein Revier von 30 bis 40 Kilometern im Umkreis. Das reiche z. B. bis Bautzen. In der Region leben aber schon mehrere Rudel, gibt der Jäger zu bedenken.

Wo wird es die nächsten Rudel geben?

Es lasse sich nicht voraussagen wo und wann Wölfe in Sachsen weitere Territorien gründen werden, so das Wolfsbüro. Allerdings könnten auch außerhalb der bekannten Wolfsgebiete jederzeit fast überall im Freistaat junge Wölfe auf Reviersuche vorkommen, auch in der Dresdner Umgebung. Jäger Gunter Franke ist sich sicher, dass der Wolf Richtung Stolpen, Radeberg und Dresden ausschwärmen werde.

Müssen sich Spaziergänger künftig mehr in Acht nehmen?

Das Wolfsmanagement sagt: „Nein, Spaziergänger müssen sich nicht besonders in Acht nehmen.“ Wölfe hätten normalerweise kein Interesse am Menschen, da sie diesen weder als Beutetier noch als Artgenossen wahrnehmen. Trotzdem sollte man Wölfen, wie anderen wehrhaften Wildtieren auch, mit Respekt begegnen. Um die wolfstypische Vorsicht beizubehalten ist es wichtig, dass die Tiere keine positiven Erfahrungen machen, die sie mit dem Menschen verbinden. Auf keinen Fall sollte man versuchen, sich Wölfen anzunähern, sie anzulocken oder sie gar zu füttern. Jäger Gunter Franke warnt allerdings Hundehalter. Sie sollten vorsichtig sein und die Tiere anleinen. Wölfe würden Hunde durchaus angreifen und können auch Krankheiten übertragen. Der Wolf sei unberechenbar.

Geht es dem Jäger nur um die eigene Beute und Trophäe?

Mit dem Vorurteil will Gunter Franke gern aufräumen. Aufgabe sei die Hege und Pflege. Dabei steht der Jäger auch in der Verantwortung gegenüber den Landwirten. Damwild schließe sich zum Schutz vor dem Wolf zu riesigen Rudeln von 120 Tieren zusammen, das Wildschwein ähnlich. Der Wolf suche dann lieber die leichtere Beute beim Tierhalter. Diese Situation verursache aber große landwirtschaftliche Schäden, wenn Rudel in Felder einbrechen. Die Jäger seien nicht mehr immer in der Lage, dass verhindern zu können. Aber sie würden sogar finanziell für die Schäden in die Pflicht genommen, wenn sie ihre Verantwortung nicht erfüllen, erklärt Gunter Franke. Das sei vielfach nicht bekannt. Es gehe beim Wolf um den kontrollierten Abschuss, wie auch bei anderen Arten. Ohne die Jäger, die Füchse oder Waschbären aufs Korn nehmen, würde es inzwischen z. B. kaum noch Singvögel geben, so Franke.

Was fordert der lokale Hegering?

Die gängige Praxis sei überzogen und habe mit Wolfsschutz nichts mehr zu tun. Andere Tiere drohten dagegen auszusterben, so Gunter Franke. So gebe es kaum noch Hasen. Als Jäger würde er sich eine engere Zusammenarbeit mit dem Wolfsbüro wünschen, um einen angemessenen Umgang mit dem Wolf zu finden, um Mensch, Wolf und Artenschutz in Einklang zu bringen. Da sei auch die Politik gefordert.