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Samstag, 14.07.2018

Wolf oder Fuchs?

Experten sehen auf dem Fotofallenbild aus Gebersbach einen Rotrock. Doch es gibt Zweifel.

Von Verena Toth

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Mit dieser Wildkamera gelang Roland und Margit Illgen die Aufnahme von dem nächtlichen Gast in ihrem Grundstück.
Mit dieser Wildkamera gelang Roland und Margit Illgen die Aufnahme von dem nächtlichen Gast in ihrem Grundstück.

© André Braun

Ist das ein Wolf oder doch nur ein Fuchs, der in die Fotofalle von Familie Illgen in Gebersbach getappt ist? Die Experten im Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ erklären, dass es sich um einen Fuchs handeln muss.
Ist das ein Wolf oder doch nur ein Fuchs, der in die Fotofalle von Familie Illgen in Gebersbach getappt ist? Die Experten im Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ erklären, dass es sich um einen Fuchs handeln muss.

© Roland Illgen

Region Döbeln. Die Illgens leben mitten in der Natur. Idyllisch gelegen ist ihr Grundstück in Gebersbach, gleich hinter ihrem Bauernhof grenzt ein großes Feld, das in diesem Jahr mit Mais bestellt ist. Besuch von Wildtieren aller Art auf ihrem Grundstück ist keine Seltenheit. Doch der nächtliche Besucher, den Margit und Roland Illgen nun mit ihrer Wildkamera erwischt haben, ist ein besonderer Gast: ein Wolf, wie sie vermuten. Das Foto von dem Tier, das in der Nacht vom 16. auf den 17. Juni entstanden sein muss, wurde von den Wolfsexperten des Kontaktbüros „Wölfe in Sachsen“ und dem Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung begutachtet und festgestellt: Es ist kein Wolf, sondern ein Fuchs. Die Stellungnahme des Landratsamtes Mittelsachsen dazu steht noch aus.

Die Aufregung ist dennoch groß. „Wir haben uns das Bild ganz oft angesehen, mit anderen Aufnahmen von Füchsen verglichen, die wir mit der Wildkamera sehr häufig machen. Auch Freunden und Bekannten und einem Jäger haben wir es gezeigt. Alle waren sich sicher, das muss ein Wolf sein“, berichtet Margit Illgen. Auch Jagdpächter Jörg Schuricht, der für dieses Revier verantwortlich ist, wollte beim Betrachten des Bildes nicht ausschließen, dass es sich auch um einen Wolf oder um einen Hund handeln könnte. Einen Fuchs schloss er zunächst aus. Konkrete Beobachtungen habe er in seinem Revier selbst aber nicht machen können. „Ich werde nun auf jeden Fall genauer hinschauen“, sagt er.

Der DA hat das Foto am Freitagvormittag an die Wolfsexperten des Kontaktbüros „Wölfe in Sachsen“ und des Lupus Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland gesendet. Nach nur wenigen Stunden kam die Einschätzung der Fachleute. Schriftlich wird erklärt: „Bei der Bewertung des Fotos konnte anhand des Habitus, der Körperproportionen, der Größe und des spitzen Schädels erkannt werden, dass es sich um einen Fuchs handelt.“ Weiter räumen die Experten des Lupus-Institutes aber auch ein: „Die Tatsache, dass es sich bei dem abgebildeten Tier um einen Fuchs handelt, bedeutet nicht, dass keine Wölfe in der Region präsent sein können.“ Aktuell gebe es jedoch keine Nachweise für eine Wolfspräsenz in diesem Raum.

Tatsächlich konnte aber in Mittelsachsen bereits zweimal mit einem bildlichen Beweis nachgewiesen werden, dass Isegrim auch die hiesige Region zumindest durchstreift. Im Dezember 2017 hatte ein Jäger in Seifersbach bei Mittweida bestätigte Handyaufnahmen eines Wolfes gemacht. Im April 2017 war einer Privatperson in der Nähe von Mochau ein eindeutiges Bild von einem Wolf gelungen. Das Wolfsbüro und das Landratsamt Mittelsachsen bestätigten diese Sichtung jedoch erst Monate später. Vor einem Jahr erklärte die Landkreisbehörde, dass seit 2014 allein bei der Naturschutzbehörde insgesamt 23 Sichtmeldungen eingegangen sind.

Anfang Juni dieses Jahres hatte eine Veröffentlichung im Amtsblatt der Stadt Nossen für Wirbel gesorgt. Darin wandten sich die Nossener Jagdpächter mit einem eindringlichen Appell an die Bürger. Sie berichteten von mehrfachen Begegnungen mit dem grauen Raubtier – und dass nicht in einem abgelegenen Waldstück, sondern an einem beliebten Wanderweg, der nahe am Gewerbegebiet Augustusberg liegt. Sie empfahlen den Bürgern, ihre Hunde stets an der Leine zu führen. Der im Raum Nossen zuständige Jagdpächter und Kreisjägermeister Karsten Schlüter, der selbst konkrete Begegnungen erlebt hatte, war sich zu hundert Prozent sicher, dass es sich dabei nicht um einen Fuchs gehandelt habe.

In Sachsen sind Wölfe seit Ende der 90er-Jahre wieder dauerhaft heimisch. Nach dem aktuellen Stand des Monitorings leben in den Landkreisen Görlitz, Bautzen, Meißen, Nordsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 17 Wolfsfamilien (Rudel) sowie zwei Wolfspaare (Dübener Heide, Königsbrücker Heide).