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Dienstag, 09.10.2018

Wohnung mit Tankstelle

Mieter mit Elektroauto – das ist für viele Vermieter ungewohnt. Doch es gibt erste Angebote, hauptsächlich von Privaten.

Von Heike Sabel

Die Stromtankstelle ist schon da: Bei der Sanierung des Hauses auf der Heidenauer Hauptstraße dachte Eigentümer Maik Juppe an die Zukunft.
Die Stromtankstelle ist schon da: Bei der Sanierung des Hauses auf der Heidenauer Hauptstraße dachte Eigentümer Maik Juppe an die Zukunft.

© Daniel Schäfer

Dohna. Elektrisch fahren: Das ist noch nicht so üblich wie erhofft und gewünscht, aber der mobile Trend ist nicht aufzuhalten. Stromtankstellen werden gebaut. Auf dem Dohnaer Markt gibt es eine und demnächst auch am Heidenauer Nord-Bahnhof. Noch schneller sind viele Private. Sie laden ihr Auto am eigenen Haus auf – oder vermieten jetzt sogar „Wohnung mit Tankstelle“.

So wird für die Wohnungen im Haus Hauptstraße 32 in Heidenau speziell mit der Ladestation fürs Elektroauto geworben. „Wir wollen damit einfach zeigen, dass in unseren Objekten zukunftsweisende energiesparende Technologien zum Einsatz kommen“, sagt Investor Maik Juppe.

Noch ist zwar kein Mieter elektrisch unterwegs, aber: „Sollten unsere Mieter sich in den nächsten Jahren für ein Elektrofahrzeug entscheiden, ist die 22-kW-Ladestation bereits vor Ort.“

Die städtische Wohnungsgesellschaft Heidenau (WVH) ist noch nicht ganz so weit, hat es für die Zukunft aber zumindest im Blick. Obwohl man von einer erhöhten Nachfrage für die Bereitstellung von Strom für Elektroautos ausgeht und zwei größere Bauvorhaben anstehen, gibt es bei der WVH derzeit keine konkrete Planung für 22-kW-Dosen an den Mietshäusern. Mieter, sagt die WVH, hätten bisher nicht explizit danach gefragt.

Nicht nur die Heidenauer Wohnungsgesellschaft ist in Sachen Stromtankstellen für Mehrfamilienhäuser zurückhaltend. Auch die Pirnaer WGP hat an ihren Standorten noch keine entsprechenden Möglichkeiten. Die Mieter hätten bisher keinen Bedarf angemeldet, sagt Sprecher Sören Sander und verweist auf Ladestationen anderer Anbieter im Pirnaer Stadtgebiet. Außerdem sei die Versorgung mit Energie für Elektrofahrzeuge keine vorrangige Aufgabe eines Wohnungsunternehmens. Deshalb habe die WGP auch keine derartigen Pläne. Sollte sich jedoch zeigen, dass WGP-Mieter Elektrofahrzeuge in größerer Zahl nutzen, werde man entsprechende Schritte prüfen. Dabei würde man aber in der Regel mit spezialisierten Anbietern zusammenarbeiten und nicht selbst Ladestationen betreiben. Die WGP kann sich vorstellen, geeignete Standorte auf ihren Grundstücken zur Verfügung zu stellen und sich an den Investitionen zu beteiligen.

Die WGP selbst fährt im Unterschied zur Heidenauer WVH noch nicht elektrisch. Bisher seien die angebotenen Elektrofahrzeuge zu unwirtschaftlich für den WGP-Bedarf, sagt Sören Sander.

Auch das scheint in privaten Unternehmen anders zu sein. Juppes Firmengruppe ProInn, zu der über zehn kleine und mittlere Unternehmen in Sachsen gehören, startete Anfang 2018 eine Initiative in Richtung erneuerbare Energien und E-Mobilität. Dazu gehören neben Fotovoltaik-Anlagen und Blockheizkraftwerken auch Elektrofahrzeuge. Dieses Jahr wurden bereits vier in Dienst gestellt. Die firmeneigenen Immobilien werden ebenfalls dieses Jahr weitestgehend mit Elektro-Ladestationen ausgerüstet. Zwölf Stationen sind schon installiert – unter anderem in Heidenau, Pirna und Stolpen.