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Samstag, 13.10.2018

Wohnen in der Berufsschule

Mit einem interessanten Projekt will die Stadt junge Familien in die Innenstadt ziehen.

Von Jürgen Müller

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Junge Leute im alten Haus: So könnte das frühere Bürgerhaus am Domselwitzer Gässchen einmal aussehen.
Junge Leute im alten Haus: So könnte das frühere Bürgerhaus am Domselwitzer Gässchen einmal aussehen.

© Mehnert & Georgi

So sieht die ehemalige Berufsschule und das Bürgerhaus derzeit aus.
So sieht die ehemalige Berufsschule und das Bürgerhaus derzeit aus.

© Schlechte

Lommatzsch. Es ist ein Experiment, nicht ohne Risiko. Doch wenn es funktioniert, könnte es eine Art Schlüsselprojekt für Lommatzsch werden, fast eine Art Trendwende. Weg vom Neubau auf der Grünen Wiese hin zum Wohnen in alten, sanierten Häusern in der Innenstadt. Lommatzsch will die ehemalige Berufsschule am Domselwitzer Gässchen, die bis vor fünf Jahren als Bürgerhaus genutzt wurde, an Bauwillige verkaufen. In dem Gebäude sollen dann vier Eigentumswohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 124 und 165 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. Bauherr ist weder die Stadt noch ein Bauträger, sondern eine Bauherrengesellschaft, die aus den vier Eigentümern besteht. Diese kaufen das Haus unsaniert von der Stadt. Der Kaufpreis von 35 000 Euro wird auf die vier Bauherren entsprechend der Wohnungsgröße aufgeteilt.

Ursprünglich war etwas anderes geplant. Die Stadt wollte das Haus selbst sanieren und zu Wohnungen umbauen und diese dann vermieten. Doch aus finanziellen Gründen nahm sie davon Abstand. Auch die drei Eigenheime, die hinter dem Gebäude auf städtischen Grundstück entstehen könnten, sind gestrichen. „Bautechnisch und abwasserseitig macht das keinen Sinn“, sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Die Fläche soll nun den künftigen Wohnungseigentümern zugeschlagen werden. „Das bedeutet, dass zu jeder Wohnung ein rund 300 Quadratmeter großes Gartengrundstück gehört, das ebenerdig zu erreichen ist“, so die Bürgermeisterin.

Das Planungsbüro Mehnert und Georgi hat bereits ein Konzept entwickelt, um die alte Berufsschule in Wohnungseigentum zu verwandeln. Dabei ist beabsichtigt, an Kaufwillige die Wohnungsanteile in unsaniertem Zustand durch die Stadt Lommatzsch zu verkaufen, anschließend kann mittels einer Bauherrengemeinschaft unter Anleitung eines Projektbetreuers die Sanierung des Gebäudes durchgeführt werden.

Geht der Plan auf, hätte die Stadt gleich zwei Probleme gelöst. Es würden junge Leute in die Innenstadt ziehen, außerdem wäre die Stadt ein Sorgenkind los. Denn das vor rund 60 Jahren erbaute Haus, das lange als Berufsschule diente, steht seit fünf Jahren leer. Zuvor war hier das Bürgerhaus, das aber ins Schützenhaus umgesiedelt wurde. Ein Grund waren die hohen Betriebskosten von jährlich 8 000 Euro. Um das Gebäude weiterhin als Bürgerhaus nutzen zu können, hätten Dach, Heizung, Dämmung und Sanitäranlagen erneuert werden müssen, außerdem wären Brandschutzmaßnahmen notwendig gewesen.

Die Idee, in dem Haus Wohnungen einzurichten, hatet die Stadt schon länger. Doch es fand sich kein Investor. Deshalb stand auch schon der Abriss des Gebäudes zur Debatte.

Nicht betroffen von den geänderten Plänen ist das Privatgrundstück zwischen Domselwitzer Gässchen und Domselwitzer Straße. Es ist 3 600 Quadratmeter groß und soll in vier Parzellen zu je 900 Quadratmeter aufgeteilt werden. Überbaut werden darf ein Viertel der Grundstücksfläche. Alle Grundstücke liegen an einer erschlossenen Straße. Errichtet werden dürfen nur Einzelhäuser. Doppel- und Reihenhäuser sind dagegen nicht zulässig. Gebaut werden dürfen klassische Eigenheime mit Schrägdach oder einstöckige Bungalows mit flachgeneigten Dächern.

Die Stadt wird ihr Projekt am 23. Oktober um 19 Uhr im Rathaus der Öffentlichkeit vorstellen. Dann können auch schon konkrete Preise für die Sanierung genannt werden.

Im Anschluss können sich Interessierte auf die Wunschwohnung bewerben oder sich für weitere Anfragen mit dem Projektbetreuer in Verbindung setzen.

Vier bis sechs Monate nach dem Verkauf des unsanierten Hauses könnte es mit der Sanierung losgehen. Die Bauzeit wird mit etwa sechs bis zwölf Monaten veranschlagt.