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Freitag, 29.12.2017

WHO verlangt Werbe-Einschränkung

Immer mehr Erwachsene, aber auch Kinder sind viel zu dick. Mehr Obst, mehr Sport, rät die Weltgesundheitsorganisation. In Deutschland müsse zudem die Werbung stärker eingeschränkt werden, meint eine WHO-Ernährungswissenschaftlerin. Auch die für Bier.

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Immer mehr Kinder in Deutschland sind übergewichtig.
Immer mehr Kinder in Deutschland sind übergewichtig.

© dpa/Ralf Hirschberger

Genf. In Deutschland hat die Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen alarmierende Ausmaße angenommen. Das Problem muss nach Auffassung einer Expertin der Weltgesundheits-organisation (WHO) rigoroser bekämpft werden. Vor allem die Werbung für Süßwaren, Junk-Food oder Bier müsse stärker eingeschränkt werden. „Es reicht nicht, bei Werbung auf eine freiwillige Selbstkontrolle durch die Hersteller von Junk Food zu setzen“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Juana Willumsen, WHO-Expertin für Fettleibigkeit bei Kindern, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Werbung muss klar reguliert sein, die Einhaltung muss überwacht werden und es muss Strafen bei Verstößen geben.“

Bier mache besonders dick und Werbung dafür sei in Deutschland nicht verboten, so Willumsen. Das trage womöglich zum steigenden Gewicht vieler Erwachsener, aber auch vieler Jugendlicher bei. Die WHO empfiehlt mehr Schulsport sowie eine Stadt- und Transportplanung, die Laufen, Fahrradfahren und sportliche Freizeitbeschäftigung fördert. Schulkinder hätten laut Statistik in Deutschland 2014 weniger Obst- und Gemüse gegessen als 2002. Der Softdrink-Konsum sei zwischen 2002 und 2006 gesunken, steige aber wieder.

Nach der von der WHO genutzten Statistik des Wissenschaftler-Netzwerks NCD-RisC waren 2016 in Deutschland 6,9 Prozent der Mädchen und 11,2 Prozent der Jungen zwischen 5 und 19 Jahren fettleibig. 1980 waren es bei den Jungen nur vier Prozent, im Jahr 2000 waren es 8,1 Prozent. Ab welchem Gewicht ein Kind als fettleibig gilt, wird weltweit einheitlich berechnet. Dabei werden Alter und Größe berücksichtigt. 2016 fielen in Österreich 11,3 Prozent der Jungen in die Kategorie, in der Schweiz sieben Prozent.

Mehr fettleibige Jungen als in Deutschland gibt es unter anderem in Spanien (12,9 Prozent), Italien (14,5 Prozent), China (15,4 Prozent) und den USA (23,3 Prozent). Weniger sind es dagegen in Großbritannien mit 10,9 Prozent oder in Frankreich mit 8,9 Prozent. In Indien lag der Anteil erst bei 2,4 Prozent.

Zur Effizienz freiwilliger Selbstkontrollen legten vorläufige Ergebnisse zahlreicher Studien vor allem eines nahe, so Willumsen: „Es funktioniert nicht.“ Hersteller von Süßwaren und -getränken und anderem Junk Food verpflichteten sich oft nur zu sehr begrenzten Einschränkungen. Dann werde etwa auf Werbung in Zeichentricksendungen oder Programmen nur für unter Fünfjährige verzichtet. „Junge Leute sind aber bis 16 sehr anfällig für Werbung, und die sehen auch andere Programme“, meinte Willumsen. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Volker W.

    Werbeeinschränkungen sind kontraproduktiv. In allen Medien gibt es die Artikel über mehr Wachstum (Industrie, Landwirtschaft, Krebs etc.) Wollen wir wirklich unsere Jugendlichen von diesem Wachstum ausschließen? Irgendwohin muss ja das ganze Zeug. Wegschmeißen soll man es ja auch nicht. Tschuldigung! Beitrag könnte Spuren von Ironie enthalten (machen nicht dick).

  2. Micha

    Es geht wahrscheinlich nur über den Preis! Deshalb sollte auf Artikel, die im Übermaß gegessen gesundheitsschädlich sind, die Mehrwertsteuer auf 19% erhöht werden. Dazu gehören Zucker, Salz, Fleisch und Wurstwaren.

  3. Micha Klatschko

    Werbung gehört verboten. Und zwar insgesamt. Ist einfach überflüssig und macht dumm. Aber nicht dierkt dick. Dafür mal was anderes: dem Kohlehydratkartell ans Schlafittchen gehen. Mit jedem Prozent zugesetztem Zucker den Aufsichtsratsmitgliedern, Managern, und Investoren dieses Prozent als persönliche Vermögensbestandssteuer aufbrummen. Dann mal sehen wie lange so gesunde Crunchy Mueslis noch mehr als 40% Zucker enthalten werden.

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