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Donnerstag, 05.07.2018

Riesenmuschel mit Säurebohrer

Von Anja Garms

Die Riesenmuschel Tridacna crocea. Foto: James Fatherree/dpa
Die Riesenmuschel Tridacna crocea. Foto: James Fatherree/dpa

© James Fatherree

East Lansing. Per Säurebohrung gräbt sich eine im Indopazifik lebende Riesenmuschel tief in das Kalkgestein von Korallenriffen ein. Sie löst das Korallensubstrat auf und schafft sich auf diese Weise eine Art Kammer im Riff, in der ihr Körper vollständig verborgen und geschützt ist. Das berichten Forscher aus Japan und den USA in den Biology Letters der britischen Royal Society. Über den Bohrmechanismus der Riesenmuschel rätselten Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten.

Richard Hill von der Michigan State University in East Lansing und sein Team sammelten in japanischen Gewässern einige der Tiere vom Korallenriff und brachten sie ins Labor. Dort ließen sie die Muscheln auf einer dünnen Folie andocken, die auf Änderungen des pH-Werts mit einem messbaren Fluoreszenz-Signal reagiert. Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Die Forscher wiesen so nach, dass die Muschel tatsächlich bei Kontakt mit dem Substrat kontinuierlich Säure abgibt. Sie besitzt in dem Gewebe, das auf dem Untergrund aufliegt, sogenannte Protonenpumpen. Diese setzen vermutlich H+-Ionen frei, die den pH-Wert senken, was letztlich dazu führt, dass sich das Kalkgestein der Korallen auflöst – die Muschel schafft sich Platz.

Riesenmuscheln kommen ausschließlich im indopazifischen Raum vor. Ihr größter Vertreter – Tridacna gigas – erreicht eine Länge von 1,40 Meter und ein Gewicht von mehreren Hundert Kilogramm. Umgangssprachlich werden die Riesenmuscheln auch Mördermuscheln genannt, sie sollen – so die Sage – Taucher unter Wasser festhalten. Wissenschaftlich sind solche Vorfälle allerdings nicht belegt, die Schließbewegungen der Lippen sind auch eher viel zu langsam dafür. (dpa)

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