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Montag, 28.05.2018

Ostdeutsche technikfreundlicher als Westdeutsche

Zwei Drittel aller Deutschen befürchten laut einer Studie neue Zwänge durch digitale Technik. Erstaunlich sind die Ergebnisse bei den Frauen.

Von Stephan Schön

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Assistenzroboter sollen zukünftig in der Altenpflege eingesetzt werden. Das sehen die meisten Deutschen positiv - wenn dadurch das Pflegepersonal entlastet würde und mehr Zeit für die Menschen an sich hätte.
Assistenzroboter sollen zukünftig in der Altenpflege eingesetzt werden. Das sehen die meisten Deutschen positiv - wenn dadurch das Pflegepersonal entlastet würde und mehr Zeit für die Menschen an sich hätte.

© dpa/Sven Hoppe

Dresden/Berlin. Die digitale Technik lässt sich nicht aufhalten. Davon sind die Deutschen überzeugt. 90 Prozent erwarten das. Zugleich aber fürchten zwei Drittel von ihnen neue Zwänge, die damit auf sie zukommen. Bei alldem ist jedoch das Vertrauen vor allem in die Politik erschüttert. Auch deshalb wollen die Menschen mehr als bisher mitbestimmen, was, wann und wie mit neuer Technik und Digitalisierung passiert.

Das geht aus dem jetzt vorgestellten Technik-Radar der Körber-Stiftung und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften hervor. Erstmals wurde detailliert die Meinung der deutschen Bevölkerung zu neuer Technik abgefragt. Nur jeder Vierte geht davon aus, dass die neue Technik mehr Probleme löse, als sie neue schaffe. Jeder Zweite erhofft sich von Digitalisierung und Industrie 4.0 mehr Komfort. Zwei von drei Bürgern befürchten aber, die Kontrolle über ihre eigenen Daten zu verlieren.

Die Angst, dass Arbeitsplätze durch die Digitalisierung verloren gehen, ist deutlich geringer als die Furcht vor einer zunehmend störanfälligen Infrastruktur, also Strom, Wasser oder auch Krankenhäuser. Trotzdem sehen die Deutschen große Chancen. Selbst Pflegeroboter wären zum Beispiel willkommen (60 Prozent), wenn dadurch das Pflegepersonal entlastet würde und mehr Zeit für die Menschen an sich bliebe. Hoffnungen und Ängste zu Chancen und Risiken ziehen sich dabei quer durch alle Altersgruppen und Bildungsschichten. Eine Tendenz ist klar erkennbar, die es so in Europa sonst nicht gibt. Frauen und Männer in Deutschland haben grundlegend unterschiedliche Meinungen zur neuen Technik, sagt die wissenschaftliche Projektleiterin Cordula Kropp von der Universität Stuttgart der Sächsischen Zeitung. „Zu den bemerkenswertesten Ergebnissen gehört die deutlich höhere Aufgeschlossenheit gegenüber Technik unter der ostdeutschen Wohnbevölkerung“, sagt Kropp. 69 Prozent im Osten erwarten Verbesserungen für die kommenden Generationen. Im Westen sind dies 20 Prozent weniger. Die Frauen im Osten sind neuer Technik gegenüber deutlich offener als im Westen. Frauen in den neuen Bundesländern blicken fast doppelt so optimistisch auf den technischen Wandel wie Frauen in den alten Bundesländern. Sie sind damit sogar für neue Technik offener als die westdeutschen Männer. Eine Erklärung dafür wäre die stärkere technische Aufgeschlossenheit zu DDR-Zeiten. Da sich aber die Bevölkerung in 30 Jahren durchmischt habe, seien nun offenbar „unterschiedliche Technikkulturen auf Länderebene“ entstanden, sagt Kropp.

Künftig sollen solche Studien regelmäßig erscheinen. Sie seien ein wichtiges „gesellschaftliches Frühwarnsystem“.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. Hardy6712

    Wahrscheinlich sind wir Wessis erheblich blöder als ihr Ossis, deshalb liegen wir auch auf dem Level eines Entwicklungslandes. Oder irre ich mich?

  2. Realist (nicht der falsche)

    Werte SZ - man sollte doch endlich mal aufhören den Begriff Ost u. Westdeutsche zu nutzen .Die deutsche Einheit geht bald auf das 30igste Jahr zu dh es gibt ein Deutschland. Solche von den Medien geprägte Begriffe dienen nur der Spaltung und solchen Reaktionen wie von Hardy6712 Was die Frage der Arbeitsplätze betrifft so müssen sich Männer u. Frauen der zukünftigen Generation schon Sorgen machen. Es werden in der nahen Zukunft mehr u. mehr Spezialisten gebraucht . Ganze Berufszweige werden wegfallen -so braucht es ja den herkömmlichen Autoschlosser nicht mehr sondern den Mechatroniker u.so könnte man vieles aufführen. Das zeig aber auch das die Mähr das wir verstärkt Einwanderer benötigen falsch ist. Ein wichtiger Faktor aber ist unser Schulsystem welches nicht auf die Zukunft vorbereitet ist u.schon die Gegenwart kaum beherrscht.

  3. Vamp

    Der Ossi stellt sich dumm, beim Wessi ist es anders rum.

  4. Weixdorferin

    @1. Warum so grantig? Vielleicht hat der festgestellte Sachverhalt nachvollziehbare Gründe? Bekanntermaßen war die Schulausbildung in der DDR auch mit einem technischen Teil gesegnet: Werken für die Kleinen und Unterricht in der Produktion , wo grundlegende Fertigkeiten dargebracht wurden. Also haben Jungen und Mädchen damals eine Grundvorstellung von technischen Prozessen erhalten. Dazu kommt noch die bewiesene bessere Ausbildung in den MINT Fächern und die gute Ingenieursausbildung. Also ist das Ergebnis der Analyse kein Zauberwerk, sondern fußt auf solider breiter Schulausbildung. Das Ergebnis kann man dann auch im weiteren Lebensweg sehen: dass Frauen auch in Männerberufen arbeiten, technische Fächer studieren und vor allem meist das ganze Berufsleben lang Vollzeit arbeiten.

  5. Gerhard Gabel

    Lieber Hardy6712, die Körber Stiftung, welche die Studie durchgeführt hat, ist eine "Wessi-Stiftung" mit Sitz in Hamburg und Berlin. Weshalb also Ihre unqualifizierte Ossi-Schelte? Oder sind Sie so blöd, wie ja von Ihnen bereits vermutet?

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