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Dienstag, 10.04.2018

„Herz aus Stein“ für Tierforscher

Berliner Forscher haben herausgefunden, wie afrikanische Nagetiere Sauerstoffmangel überleben. Tierversuchsgegner bewerten das Experiment als besonders grausam und wollen den Forschern nun ein „Herz aus Stein“ übergeben.

Der Nacktmull, ein mausgroßer Nager aus Afrika.
Der Nacktmull, ein mausgroßer Nager aus Afrika.

© dpa

Berlin. Für Experimente mit Nacktmullen sollen Berliner Wissenschaftler den Negativpreis „Herz aus Stein“ bekommen. Der Versuch am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin sei das „schlimmste Tierexperiment des Jahres“, teilte der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ am Dienstag mit.

Gary Lewin und Kollegen hatten untersucht, wie die Tiere extremen Sauerstoffmangel überstehen und lebenswichtige Organe wie Herz und Hirn am Leben erhalten. Dabei handele es sich um reine Neugierforschung ohne jeglichen Bezug zum kranken Menschen, kritisierte Corina Gericke vom Vorstand der „Ärzte gegen Tierversuche“.

Der MDC-Vorstandsvorsitzende Martin Lohse sprach von einer „nicht akzeptablen“ Kampagne, die auf persönlicher und pauschaler Diffamierung beruhe. Außerdem wirft Lohse dem Verein Falschinformationen vor. So habe eine Arbeitsgruppe in Chicago die Toleranz für Sauerstoffmangel bei den Nacktmullen getestet.

In ihrer Arbeit fanden die Forscher fanden heraus, dass die afrikanischen Nager bis zu 18 Minuten ganz ohne Sauerstoff überleben. Ihr Trick: Sie stellen ihren Stoffwechsel um. Fehlt ihnen der Sauerstoff, um lebenswichtige Organe wie Herz und Gehirn mittels Glukose am Laufen zu halten, nutzen sie stattdessen Fruchtzucker. Die Arbeit ist laut Lewin der erste Nachweis für einen solchen Vorgang bei einem Säugetier.

Tierleid zu verringern sei dem MDC sehr wichtig, so Lohse. Sinnlose Versuche würden in Deutschland nicht genehmigt und natürlich sei auch die Arbeit der Arbeitsgruppe von Gary Lewin nicht sinnlos, sagte Lohse. „Im Gegenteil. Die Ergebnisse werden in Zukunft dabei helfen, Herzen und Hirne von Patienten mit Schlaganfällen und Infarkten zu schützen“, betonte der Vorstand. Die nun kritisierte Studie habe weltweit ein großes positives Echo in der Wissenschaft und auch in der Öffentlichkeit erzeugt.

Das „Herz aus Stein“ soll am Donnerstag symbolisch an das MDC überreicht werden. Der Verein will damit auf aus seiner Sicht besonders grausame und absurde Tierversuche aufmerksam machen. Die Berliner Forscher wurden laut Verein in einer Internetumfrage mit rund 3500 Stimmen ausgewählt. Zur Wahl standen fünf verschiedene Versuche.

In Deutschland haben Wissenschaftler 2016 an rund 2,8 Millionen Tieren Versuche gemacht. Rund die Hälfte davon waren Mäuse, gefolgt von Fischen, Ratten, Kaninchen und Vögeln. Unter den Versuchstieren waren auch fast 4000 Hunde, rund 2460 Affen und Halbaffen sowie rund 770 Katzen. Das geht aus den jüngsten Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft für 2016 hervor, die Ende Dezember 2017 an die Europäische Kommission übermittelt wurden. (dpa)

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