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Donnerstag, 28.06.2018

Eingefroren für ein ganzes Jahr

Es wird eine spektakuläre Arktis-Expedition, die größte, die es je gab. Dort am Nordpol mit dabei sind sächsische Wissenschaftler.

Von Stephan Schön

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Eine Eisscholle in der Arktis wird zur Mosaic-Forschungsstation. Der Leipziger Heliumballon ist dann auch dabei, wie 2017 schon mal.
Eine Eisscholle in der Arktis wird zur Mosaic-Forschungsstation. Der Leipziger Heliumballon ist dann auch dabei, wie 2017 schon mal.

© Stephan Schön

Treiben lassen über den Nordpol. Die Polarstern soll ab Herbst 2019 für ein Jahr im arktischen Eis bleiben. Mit dabei sind Helikopter, Forschungsballons und auch das Beast, ein Tauchboot.
Treiben lassen über den Nordpol. Die Polarstern soll ab Herbst 2019 für ein Jahr im arktischen Eis bleiben. Mit dabei sind Helikopter, Forschungsballons und auch das Beast, ein Tauchboot.

© Stephan Schön

SZ-Wissenschaftsredakteur Stephan Schön war 2017 vier Wochen mit der Polarstern im Eis.
SZ-Wissenschaftsredakteur Stephan Schön war 2017 vier Wochen mit der Polarstern im Eis.

© Stephan Schön

Das scheint ja schnell zu gehen: Diese Expedition dauert nur eine ganze Nacht und einen Tag. Jedoch einen Polartag und eine Polarnacht, das macht ein ganzes Jahr. Der deutsche Eisbrecher Polarstern wird im September 2019 einfach mal eingefroren, am Nordpol geparkt. Mosaic nennt sich das Projekt und hat soeben offiziell begonnen.

Kurz vor Sibirien in der Laptewsee bilden sich im Herbst die Eisschollen. Erst dünn, später dick. Und mit ihnen beginnt die Drift. Einfach mal mit dem Eis treiben lassen, statt brechen und rammen. Die Polarstern wird zur Untätigkeit gezwungen sein, festgemacht an einer kilometergroßen Eisscholle. Mit der soll das Schiff dann mit den Gezeiten und Strömungen über den Nordpol driften. „Ob direkt über den Nordpol oder knapp daran vorbei, das bestimmt dann das Eis“, sagt Expeditionsleiter Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Vier weitere Eisbrecher werden die Polarstern versorgen, Russen, Schweden, Chinesen. Doch ab Februar 2010 ist auch damit Schluss. „Wir sind dort, wenn das Eis so dick ist, dass kein Schiff mehr reinkommt“, sagt Rex. Dann werden Flugzeuge und Helikopter auf dem Eis landen und so alle zwei Monate auch Mannschaft und Wissenschaftler austauschen.

Einmal im Eis eingefroren, kommt die Polarstern mit eigener Kraft nicht mehr heraus. Erst zum Ende der Reise wird die eisige Umklammerung sich lösen, im Sommer 2020 dann, jenseits von Spitzbergen. Mit 100 Leuten wird das Schiff bis auf die letzte Kammer voll besetzt sein. Die Hälfte davon sind Wissenschaftler. An Land arbeiten 300 weitere Forscher und Logistiker für das Schiff. Es wird das größte Forschungsprojekt, welches es jemals am Nordpol gegeben hat, sagt Expeditionsleiter Markus Rex. An Mosaic beteiligen sich mehr als 60 Institute aus 17 Ländern. Die Vorbereitungen sind gigantisch. 120 Millionen Euro wird all dies kosten, zusammengebracht von den internationalen Partnern. An Bord werden daher auch zwei Drittel aller Plätze an die internationale Wissenschaft vergeben.

Umso bemerkenswerter ist es, dass, wenn die Polarstern im September 2019 ablegt, auch Leipziger Wissenschaftler mit an Bord sein werden. Von der Universität und vom Tropos, dem Leibniz-Institut für Troposphärenforschung. „Wir sind bereits dabei, unsere Messgeräte arktisch winterfest zu machen“, sagt Institutsleiter Andreas Macke. Die Forscher kehren dorthin zurück, wo sie im vergangenen Jahr schon einmal mit Geräten im Eis gemessen hatten. Tropos-Chef Andreas Macke hatte damals die Fahrtleitung. Auch ihren Heliumballon schicken die Tropos-Forscher dann wieder in die arktischen Wolken. Mitten hinein in die Wetterküche von Europa.

Von außen, vom Festland, gibt Manfred Wendisch mit seinem Team Unterstützung. Als Chef des Meteorologie-Instituts der Universität Leipzig will er so wie 2017 schon einmal der Polarstern mit zwei Flugzeugen folgen. Polar 5 und Polar 6 werden in mehreren Höhen ihr Raster über und neben dem Schiff abfliegen. Tröpfchen sammeln, Partikel mitbringen, Strahlung messen und überhaupt schauen, ob Wasser oder Eis in den arktischen Wolken enthalten ist. Klima, Biologie, Ozean und Wolken – all dies ist noch weitgehend unbekannt. „Wir können nun mit der weltweit modernsten Technik in der zentralen Arktis Messungen mitten im Winter machen. Erstmals!“ – Einen ganzen Polartag lang und eine lange Nacht.

>>> Hier gibt es das Multimediaspecial zur Expedition

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