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Donnerstag, 13.09.2018

Dresdner Forscher entschlüsseln den Code des Lebens mit

Das weltweit größte Genom-Projekt startet in New York, Cambridge und Dresden. Es wird eine Arche für alle Wirbeltiere.

Von Stephan Schön

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Diese Visualisierung von Daten zeigt einen Ausschnitt aus dem Humanen Genom im Vergleich mit Genomen anderer Wirbeltiere.
Diese Visualisierung von Daten zeigt einen Ausschnitt aus dem Humanen Genom im Vergleich mit Genomen anderer Wirbeltiere.

© Michael Hiller/MPI-CBG

Informatiker Eugene „Gene“ Myers ist seit 2017 Managing Director des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden.
Informatiker Eugene „Gene“ Myers ist seit 2017 Managing Director des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden.

© MPI-CBG

Das Institutsgebäude in Dresden-Johannstadt
Das Institutsgebäude in Dresden-Johannstadt

© MPI-CBG

New York/Dresden. Es geht um das Leben auf diesem Planeten. Das größte Genom-Projekt aller Zeiten beginnt. Die drei führenden Forschungszentren des Projekts befinden sich in New York, Cambridge und Dresden.

Dabei geht es um die komplette Erbsubstanz aller auf der Erde lebenden Wirbeltiere. Ihr Erbgut soll fehlerfrei und vollständig erfasst werden, erklärt Gene Myers, Professor mit amerikanischen Wurzeln. Er ist Direktor vom Dresden Max-Planck-Institut CBG sowie dem Zentrum für Systembiologie. Am Donnerstag wurde das internationale Großprojekt Vertebrate Genomes Project (VGP) offiziell in New York gestartet. Weltweit sollen nun alle 66 000 Wirbeltier-Arten untersucht werden. Dresden wird dabei zunächst mit Fledermäusen und Fischen beginnen.

Gene Myers hatte vor zehn Jahren maßgeblich die Analyse des menschlichen Genoms vorangetrieben. In seinem Team wurde jenes Verfahren entwickelt, mit dem die Entschlüsselung der menschlichen Erbsubstanz überhaupt erst mit vertretbarem Aufwand möglich wurde. Dazu hatte er die Biologie mit der Informatik auf neue Art verknüpft, damals noch in den USA. Seit sechs Jahren ist Gene Myers in Dresden und gilt mit seinem Team als weltweit führend bei der fehlerfreien und kompletten Genom-Analyse. Die von ihm entwickelten Verfahren sind 60 Mal schneller als die der Konkurrenz. Und es gehe künftig noch sehr viel schneller, sagt er der Sächsischen Zeitung. Diese neue Technologie werde es binnen weniger Jahre ermöglichen, die Kosten einer Gen-Analyse von derzeit noch mehreren Zehntausend Euro pro Tierart auf unter 1 000 Euro zu senken. Durch den beachtlichen Technologievorsprung bei der Gen-Analyse ist Dresden führend dabei. Im gemeinsamen Genom-Zentrum der Dresdner Forschungseinrichtungen werden nun die Gen-Analysen stattfinden. Dresden ist eines der drei zentralen Genanalyse-Zentren beim jetzt gestarteten weltweiten Großprojekt. Dessen Ziel ist es, grundlegende Fragen der Biologie, des Artenschutzes und von Krankheiten zu beantworten. Was unterscheidet die Arten, wie wurden sie zu dem, was sie sind? Auch wir als Menschen. Und warum können sich bei manchen Wirbeltieren ganze Organe und sogar Gliedmaßen erneuern, so wie beim Axolotl? Wie schützen sich einige Arten nahezu perfekt vor Krankheiten, so wie die Fledermäuse?

Begonnen wird nun mit jenen Arten, die am ehesten vom Aussterben bedroht sind. Es geht zunächst um die sichere Bewahrung ihrer genetischen Informationen. In einer öffentlich zugänglichen, digitalen Bibliothek für Genome, werden diese Daten dann gespeichert. Auf diese Weise wird für die Menschheit eine Genom-Arche geschaffen. Sie wird die Erbinformationen der Wirbeltiere dauerhaft für künftige Generationen zur Verfügung stellen. Auch dann, wenn die eine oder andere Art längst ausgestorben ist.

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