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Dienstag, 17.04.2018

Commander als Versuchskaninchen

In sieben Wochen startet Alexander Gerst zum zweiten Mal zur ISS. Zeitweise wird er erster deutscher Kommandant der Raumstation.

Von Yuriko Wahl-Immel

Alexander Gerst fliegt im Juni 2018 als Kommandant zur Internationalen Raumstation ISS.
Alexander Gerst fliegt im Juni 2018 als Kommandant zur Internationalen Raumstation ISS.

© Oliver Berg / dpa

Köln. Der Countdown läuft für Alexander Gerst: Sieben Wochen vor seinem zweiten Start zur Internationalen Raumstation ISS stecke er nun im Endspurt seines zweijährigen Trainings. „Und eigentlich bin ich relativ entspannt“, sagte der 41-jährige Geophysiker, der für einige Monate als erster Deutscher auch das Kommando auf der ISS übernimmt. Er werde während des sechsmonatigen Aufenthalts bei seinen vielen Experimenten auch als „Versuchskaninchen“ fungieren, betonte „Astro-Alex“ bei seinem letzten Medienauftritt vor seinem Abflug ins All am Dienstag in Köln.

Der künftige Commander aus Baden-Württemberg nannte als ein zentrales Ziel seiner Mission „Horizons“, zu medizinischen Fortschritten beizutragen – Forschung gegen Krebs oder Osteoporose etwa. Bei vielen Versuchen gehe es darum, „den Körper hier unten besser zu verstehen.“ Eines dieser Experimente hat ihm die TU Dresden mit auf die Reise gegeben. „Metabolic Space“ soll ohne Kabelsalat und mit minimalem Aufwand alle wichtigen Körperfunktionen während des Fitnesstrainings im Weltraum überwachen und auswerten.

Der 41-Jährige – wie immer eloquent, smart, topfit und im Astronauten-Blaumann der europäischen Raumfahrtagentur Esa – betonte: „Da oben können wir Lücken für die Wissenschaft schließen.“ Der Esa zufolge stehen im Fokus ebenso die Bereiche Umwelt, Klima, Energie, Industrie oder Technologie.

Zudem wichtig bei der Mission nach Ansicht von „Astro-Alex“: Nicht nur auf „unseren wunderbaren fragilen Planeten“ schauen, sondern weit raus ins Universum. „Wir müssen erforschen, was es um uns herum gibt.“ Gemeint sind Mond und Mars, nach Gersts Definition „der siebte und achte Kontinent“. Diese müssten gezielt ins Visier rücken. Warum? „Damit es uns nicht so geht wie den Dinosauriern“. Ein derzeit entstehendes internationales Projekt, das einen permanenten Zugang zum Mond schaffen wolle, sei ein zentraler Schritt zur weiteren Exploration des Weltraums. Die ISS, sagt Gerst, funktioniere als einzigartige „Interaktion zwischen Mensch und Maschine“ und werde noch lange bestehen.

Der populäre Astronaut aus Künzelsau will auch diesmal möglichst viele Menschen am Boden intensiv an seiner Mission teilhaben lassen. Er werde Fotos und seine Gedanken in 400 Kilometern über der Erde über die sozialen Medien „nach unten“ schicken, versprach er. Es sei ihm ein Anliegen, das Interesse von Kindern und Jugendlichen zu wecken. „Ich will bei denen nicht als Superheld dastehen.“ Die Jugend solle lieber denken: „Wenn der das kann, können wir das auch“, schilderte Gerst, vor seinem Abheben ins All wie gewohnt bodenständig-bescheiden.

Am 6. Juni soll er – dann 42 Jahre alt – zusammen mit dem Russen Sergej Prokopjew und der US-Astronautin Serena Auñón-Chancellor vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan starten. Er war bereits von Mai bis November 2014 auf der ISS, damals allerdings kein Kommandant. Gerst sagte, er werde sicherlich auch diesmal wieder den ein oder anderen Fehler machen da oben, manchmal schlecht schlafen oder Heimweh bekommen.

(dpa)

Die Pressekonferenz von Astro-Alex

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