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Dienstag, 11.09.2018

Abheben vor der eigenen Haustür

Von Jana Mundus

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© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Ein sympathischer Gedanke: Mit dem Flugtaxi könnte man einfach aus dem Wohngebiet ohne Stau direkt ans Ziel gelangen. Illustration: Malte Knaack
Ein sympathischer Gedanke: Mit dem Flugtaxi könnte man einfach aus dem Wohngebiet ohne Stau direkt ans Ziel gelangen. Illustration: Malte Knaack

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Das Taxi ist da. Direkt vor der Tür steht es in einer Parklücke. Kurzer Blick auf die Uhr: Die Strecke zum wichtigen Termin nach Hamburg müsste locker zu schaffen sein. Kein Stau. Einsteigen, anschnallen – abheben. Was nach einer Szene aus einem Hollywoodfilm klingt, ist Geschäftsidee eines Dresdner Start-ups. Die Gründer von Flügelaeronautics bauen gerade am ersten Flugtaxi für Deutschland. Der Prototyp des Zweisitzers soll noch in diesem Jahr fertig werden. In einer kleineren Ausführung zwar als das spätere Original. Doch schon mit der Version im Maßstab 1:5 soll demonstriert werden, was in Zukunft zur Normalität werden soll: eine Tür-zu-Tür-Mobilität via Flugzeug.

Die Idee kam Diego Schierle bei einem Schulungsflug von Dresden nach Zell am See. Der Maschinenbauer machte damals gerade seinen Flugschein für Ultraleichtflugzeuge. „Wir brauchten für die Strecke zweieinhalb Stunden“, erzählt er. Mit dem Auto hätte er locker sieben Stunden benötigt. Problemloses Reisen in drei Kilometern Höhe heißt: keine Zugverspätung, kein Stau. „Ich dachte, diese Art zu reisen, ist für ein Hobby viel zu schade.“ Mit Christian Beier und Sebastian Wolf, die beide am Institut für Luft- und Raumfahrttechnik der TU Dresden studiert haben, feilt er seitdem an einer vollkommen neuen Methode, um vom Punkt A nach B zu kommen.

Vertikal in die Wolken

Zugegeben, die Dresdner sind nicht die Einzigen, die an einem Flugtaxi bauen. Auch große Unternehmen wie Airbus oder Uber sehen darin eine gewinnbringende Zukunft. Doch was das Dresdner Konzept von diesen Ideen unterscheidet: Bisherige Entwicklungen brauchen für die Taxi-Flugzeuge immer einen zentralen Startplatz, ähnlich heutigen Start- und Landeflächen für Helikopter. Schierle und seine Kollegen wollen mit ihrem Flugtaxi direkt zu den Menschen kommen. „Wichtig war uns, dass das fertige Flugzeug später in eine gängige Parklücke oder sogar die Garage passt“, erklärt der Gründer. Im geparkten Zustand soll es deshalb lediglich fünf Meter lang und zweieinhalb Meter breit sein.

Den geringen Platz ermöglicht eine spezielle Bauweise und Technologie. Das Flugzeug, in dem später neben dem Piloten noch ein Gast Platz hat, hebt vertikal ab. Für den notwendigen Schub sorgen mehrere Rotoren, die am Flugzeug angebracht sind. In der Luft werden dann die Doppelflügel ausgeklappt. Die Startphase funktioniert voll elektrisch – Abgase mitten im Wohngebiet sind somit kein Problem. Während des Flugs ist allerdings ein Verbrennungsmotor notwendig. Mit einem elektrischen Antrieb wären sonst nur 100 Kilometer Reichweite drin, die Kombination ermöglicht 600 Kilometer. Mit zehn Litern Kraftstoffverbrauch auf 100 Kilometern haben die Ingenieure gerechnet.

Bis 2021 soll das Dresdner Flugtaxi fertig und abhebebereit sein. Finanziert werden die Arbeiten über ein Gründerstipendium der Sächsischen Aufbaubank. Noch gibt es allerdings ein rechtliches Problem. Die bisher geltende Begrenzung des Luftraums macht es derzeit unmöglich, selbst mit solch einem kleinen, nur 600 Kilogramm leichten Flugzeug mitten in der Stadt zu landen. „Aber wir wollen das Angebot ins Zentrum des Lebens der Menschen bringen.“ Die Fahrt zum Flugplatz passt nicht in dieses Konzept.

Deshalb ist das Start-up schon im Gespräch mit denjenigen, die die rechtlichen Grundlagen legen müssten. Die Dresdner halten die Europäische Agentur für Flugsicherheit über ihre Entwicklung auf dem Laufenden. „Das Stauproblem auf den Autobahnen wird immer größer“, sagt Schierle. Daran könnte auch der Wechsel auf umweltfreundliche E-Autos nichts ändern. „Viele sehen das Problem. Wir könnten mit unserer Entwicklung dazu beitragen, es zu lösen.“ Deshalb glaubt er daran, dass das Fliegen mit einem Flugtaxi in Zukunft erlaubt sein wird. Das Abheben vor der Haustüre wäre dann kein Traum mehr.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Titania

    Schöne neue Welt. Schon in den 60ern hat man von der "Technosphäre" geträumt. Der Preis: Aufgabe der Natur, Lärm, Stau auch im Luftraum. Und das Ding braucht auch noch fossile Brennstoffe! Juchhu Klimawandel, wir kommen!

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