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Dienstag, 04.09.2018

1,5 schlechte Tage weniger durch Aktivität

Von Walter Willems

London/Leipzig. Körperliche Aktivität ist einer großen Studie zufolge mit einem besseren psychischen Wohlbefinden verbunden. Demnach fühlen sich Menschen, die regelmäßig Sport treiben oder anderen Aktivitäten wie Rasenmähen nachgehen, mental seltener schlecht. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei jenen Teilnehmern, bei denen einmal eine Depression diagnostiziert wurde. Das schreibt das Team um Adam Chekroud von der Universität Oxford in der Zeitschrift The Lancet Psychiatry. Ein deutscher Experte warnt vor voreiligen Schlüssen. Körperliche Aktivität könne die medizinische Therapie einer Depression keinesfalls ersetzen, sagt der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Ulrich Hegerl.

Ob körperliche Aktivität das seelische Wohl verbessern kann, wird seit Jahren diskutiert. Das Team um Chekroud befragte nun mehr als 1,2 Millionen Menschen in den USA über Jahre mehrfach danach, wie oft sie sich innerhalb der letzten 30 Tage schlecht gefühlt hätten. Zudem machten die Teilnehmer Angaben etwa zu körperlicher Gesundheit, Alter oder Beruf.

Im Durchschnitt fühlten sich die Teilnehmer 3,4 Tage pro Monat schlecht. Menschen, die regelmäßig körperlich aktiv waren – dazu zählten neben Sport auch Hausarbeit und Rasenmähen – hatten im Mittel 1,5 schlechte Tage weniger als die passiven Teilnehmer. Bei Menschen, bei denen schon einmal eine Depression festgestellt wurde, war der Unterschied stärker ausgeprägt: Aktive Menschen aus dieser Gruppe berichteten von rund sieben schlechten Tagen pro Monat, bei den passiveren waren es knapp elf Tage.

Der Analyse zufolge gingen vor allem Mannschaftssport, Radfahren, Gymnastik und Fitnesstraining mit einer besseren seelischen Verfassung einher. Optimal war demnach drei- bis fünfmaliges Training pro Woche über jeweils etwa 45 Minuten. Menschen, die mehr als drei Stunden täglich aktiv waren, berichteten dagegen von mehr Unwohlsein. Möglicherweise deute das auf einen zwanghaften Wesenszug hin, vermuten die Forscher. „Bisher dachte man, je mehr Aktivität, desto besser für das mentale Wohl, aber unsere Studie deutet darauf hin, dass das nicht der Fall ist“, sagt Chekroud.

Allerdings räumen die Forscher ein, dass es sich nur um eine Beobachtungsstudie handele.

Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum Leipzig, mahnt deshalb zu Vorsicht: „Die Studie hat das fundamentale Problem, dass man nicht weiß, was Ursache und was Wirkung ist. Menschen mit Depression sind oft zurückgezogen und lustlos, das ist ein Kernsymptom der Krankheit.“ Zudem seien nur pauschal Tage mit psychischem Unwohlsein erfasst worden. Ob es sich hier um Krankheiten oder lediglich um Befindlichkeitsstörungen handelt, sei unklar.

(dpa)

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