• Einstellungen
Sonntag, 31.12.2017

„Wir werden weiter Aufenthaltsverbote verhängen“

Jedes Jahr mehr Straftaten – wie es um die Sicherheit in der Neustadt steht, erklärt Revierleiter Matthias Imhof.

Von Sarah Herrmann

26

Matthias Imhof ist seit zwei Jahren Leiter im Polizeirevier Nord. Die Dresdner Neustadt kennt er gut, mit ihren guten, aber auch gefährlichen Ecken.
Matthias Imhof ist seit zwei Jahren Leiter im Polizeirevier Nord. Die Dresdner Neustadt kennt er gut, mit ihren guten, aber auch gefährlichen Ecken.

© Christian Juppe

Herr Imhof, in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Straftaten in der Äußeren Neustadt stetig gestiegen – entgegen dem stadtweiten Trend. Wie sieht es 2017 aus?

Die genauen Zahlen liegen uns erst im Frühjahr 2018 vor. Dann werden wir sie wieder im Ortsbeirat vorstellen. Allerdings kann ich jetzt schon sagen, dass wohl auch für 2017 ein leichter Anstieg zu erwarten ist. Dennoch denke ich, dass sich die Lage entspannt hat.

Wie passt das zusammen?

Ganz einfach: In der polizeilichen Kriminalstatistik ist nur das sogenannte Hellfeld der Kriminalität erfasst. Das sind die Fälle, die uns bekannt werden. Daneben gibt es auch ein Dunkelfeld dessen, was die Polizei nicht weiß. Erfahrungsgemäß ist das zum Beispiel bei den Drogendelikten sehr hoch, weil bei diesen niemand Interesse hat, mit uns zusammenzuarbeiten. Wenn wir unsere Aktivitäten in der Äußeren Neustadt verstärken, gibt es natürlich auch mehr Dinge, die wir mitbekommen. So kommen durch entsprechende Einsätze mehr Delikte vom Dunkel- ins Hellfeld.

Das erklärt den Anstieg. Dieses Phänomen, taucht auch andernorts auf, zum Beispiel im Rahmen der Kriminalitätsbekämpfung im Bereich Wiener Platz. Ich möchte aber betonen, dass man bezüglich der Kriminalität in der Äußeren Neustadt durchaus verhalten optimistisch sein kann.

Also haben die vielen Einsätze der Polizei in diesem Jahr etwas gebracht?

Wir haben in diesem Jahr fast doppelt so viele Arbeitsstunden wie 2016 investiert. Das hat sich entsprechend in den Feststellungen niedergeschlagen. Unser Ziel war es, das Sicherheitsgefühl durch unsere Anwesenheit zu stärken. Das haben wir, denke ich, ganz gut geschafft. Aber Prävention ist nicht messbar. Wir wissen natürlich nicht, wieviele Straftaten wir durch unsere Präsenz vermeiden konnten.

Soll die Arbeit in der Äußeren Neustadt im kommenden Jahr weiter intensiviert werden oder wollen sie sich aus dem Viertel etwas mehr zurückziehen?

Das ist abhängig von der polizeilichen Lage. Unser Gespür spielt da auch eine Rolle. Im vergangenen Jahr wurde uns klar, dass wir mehr tun müssen. Aktuell entspannt sich die Lage ein bisschen. Das ist aber sicherlich auch der Witterung geschuldet. Wir müssen also schauen, wie es im Frühjahr wird. Prinzipiell ist uns aber wichtig, dass unsere Arbeit Hand in Hand mit dem Viertel geht. Wir haben einen guten Stand in der Neustadt. Dazu müssen unsere Einsätze und Aktivitäten gut überlegt sein.

Sie haben 2017 drei Personen ein Aufenthaltsverbot für die Äußere Neustadt ausgesprochen. War das ein gut überlegter Schritt? Dem Einen oder Anderen erscheint diese Maßnahme doch ziemlich drastisch.

Diese Möglichkeit ist bereits seit Anfang der 90er-Jahre im Sächsischen Polizeigesetz verankert und wird seitdem auch immer mal wieder genutzt. So zum Beispiel 2005, als es Probleme am Königsufer gab. Auch in diesem Jahr wurden in der Stadt mehrere Aufenthaltsverbote verhängt. Ich glaube, es waren neun. So drastisch ist das Mittel also gar nicht. Es handelt sich quasi um eine Qualifizierung des Platzverweises. Dabei muss natürlich auch gewährleistet werden, dass berechtigten Interessen nicht im Wege gestanden wird. Gegen die drei Personen wurden auch keine 24-Stunden-Verbote ausgesprochen. Insofern ist es sicherlich eine einschneidende Maßnahme, die aber differenziert zur Anwendung kommt.

Bei den betroffenen Personen handelt es sich um Leute, die mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten sind und es wahrscheinlich weiterhin geworden wären. In solchen Fällen werden wir auch weiterhin Aufenthaltsverbote verhängen.

Also haben die Verbote etwas gebracht?

Unser Fazit ist auf jeden Fall positiv. Wir haben die Verbote für drei Monate verhängt. Danach haben wir uns die strafrechtliche Vita noch einmal angeguckt. Das Ergebnis: Einer ist gar nicht mehr in Erscheinung getreten, ein anderer hat einen Ladendiebstahl begangen und der dritte hat ein paar Delikte begangen, die aber nicht schwerwiegend waren. Insofern denken wir schon, dass diese Maßnahme eine Sache ist, die das Gesamtkonzept in der Äußeren Neustadt ergänzen kann und wird.

Die drei Verbote wurden alle gegen Zugewanderte ausgesprochen. Lässt das Rückschlüsse auf die Tätergruppen in der Äußeren Neustadt zu?

Nein. Drei Leute sind nicht so eine große Masse, dass man daraus Schlüsse ziehen kann. Wir hätten die Verbote auch erlassen, wenn die Täter keine Zugewanderten gewesen wären.

Was sind das denn für Menschen, die Ärger machen?

Es sind vor allem diejenigen, die nicht dort wohnen. Man muss einfach sagen, dass die Neustadt als Ausgehviertel für Kleinkriminelle ein gutes Pflaster ist. Deshalb sind auch vor allem Körperverletzungen, Taschendiebstähle und Betäubungsmitteldelikte die Schwerpunkte. Bei den Drogendelikten werden wir 2017 einen relativ starken Anstieg haben. Das liegt aber auch daran, dass wir vermehrt kontrolliert haben. Erwischt werden meist Konsumenten. Unser Ziel für 2018 ist es, stärker an den Verkäufern dran zu sein.

Neben der Polizei versuchen auch andere, für Sicherheit zu sorgen. Was bringen Scheune-Vorplatz-Konzept und Co?

Das Problem ist auch hier wieder, dass Prävention nicht messbar ist. Ich finde es aber sehr gut, dass der Scheune-Vorplatz bespielt wird. Wenn dort Veranstaltungen stattfinden, ist kein Raum für Probleme. Dass das natürlich nicht bis weit nach Mitternacht ausstrahlt, ist auch klar. Ich denke aber, dass es wichtig ist, dass es möglichst viele Köpfe gibt, die etwas tun. Ich wünsche, dass einzelne Bausteine neben der polizeilichen Arbeit noch zahlreicher werden. Es ist natürlich immer leichter, einfach Polizei einzusetzen. Die Ergebnisse zeigen sich dann in der Regel auch schneller. Allerdings ist das keine dauerhafte Lösung. Im Zweifel verdrängen wir Probleme.

Und was wünschen Sie sich noch für das kommende Jahr?

Mein Wunsch ist eigentlich eher mittelfristig umsetzbar. Denn ich möchte schon, dass wir unsere Einsätze in der Äußeren Neustadt zurückfahren können. Wenn die Leute nachts nur noch Polizisten sehen, ist das nicht schön. Irgendwann sollten wir unsere Präsenz auf ein Normalmaß reduzieren können. Außerdem wünsche ich mir, dass sich das Sicherheitsempfinden in der Neustadt weiterhin verbessert. Ich denke, das hat es in diesem Jahr bereits getan – auch wenn die Zahlen scheinbar eine andere Sprache sprechen. Sicherheit hat nicht ausschließlich etwas mit der Anzahl der Straftaten zu tun.

Das Gespräch führte Sarah Herrmann

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Seite 2 von 6

Insgesamt 26 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. johnjameson

    © Christian Juppe: Wie die Leitung, so die Leistung. Könnte aber auch von Köpping stammen. Kuschel-Journalismus in Höchstform. Feiges Verdrängen der Wahrheit. Es ist nun mal so, das eine unfähige Regierungsmannschaft nebst Merkel als Kapitän des Narrenschiffs uns das angetan hat. Eine verdorbene Frucht kann man beim besten Willen nicht noch einmal nachreifen lassen. Sie wird verworfen.

  2. @Max

    „Menschen“ wie du, sind das Hauptproblem.

  3. Ali B.

    @1 Warum sollte man das extra benennen? Wir sind alles Menschen und der Deutsche hat sich da gefälligst unterzuordnen und sich nicht als Übermensch (der er natürlich keinesfalls ist) darzustellen.

  4. Städter

    @1: Nun, im Artikel ist von "Zugewanderten" die Rede. Dass diese Gruppe zumindest im genannten Bezirk (äußere Neustadt) keinen herausragenden Anteil an der Kriminalität hat, mag manch tief eingebrannter Vorstellung widersprechen; ich wohne dort und stimme anhand meiner Beobachtungen Herrn Imhofs Aussagen weitgehend zu. Im Übrigen ist es nach dem Grundgesetz unerheblich, welche Herkunft ein Straftäter hat, vgl. Art. 1 GG: "Alle Menschen" (nicht "alle Deutschen") "sind vor dem Gesetz gleich." Wenn ich also erwarte, dass sich alle Menschen an geltende Gesetze halten (was ich tue), kann ich selbige nicht gleichzeitig nach eigenem Gutdünken auslegen.

  5. Mal nachgefragt

    @9 Städter: Genau das ist die Krux. Sind mit "Zugewanderte" nun Lausitzer, Hessen oder vielleicht Leute aus der Dresdner Altstadt gemeint? Oder doch eher Personen ohne deutschen bzw. mit gar keinem Pass? Wäre doch interessant zu wissen, warum in der Neustadt die Kriminalitätrate steigt und in der restlichen Stadt nicht.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 2 von 6

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.