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Freitag, 12.10.2018

„Wir machen keine Staatsbürgerkunde“

Die Volkshochschule will am Puls der Zeit bleiben – und bietet deshalb auch Kurse zu Reichsbürgern und Datenschutz.

René Gubsch ist der Geschäftsführer der Volkshochschule des Landkreises Meißen. Die Einrichtung beschäftigt zwölf feste Mitarbeiter und etwa 220Referenten. Die wiederum unterrichten jährlich etwa 5 000 Menschen.
René Gubsch ist der Geschäftsführer der Volkshochschule des Landkreises Meißen. Die Einrichtung beschäftigt zwölf feste Mitarbeiter und etwa 220 Referenten. Die wiederum unterrichten jährlich etwa 5 000 Menschen.

© Sebastian Schultz

Herr Gubsch, bei der Volkshochschule denkt man zuerst an Kurse für Senioren. Ist das tatsächlich Ihr Klientel?

Die Renner sind bei uns ganz klar Sprachen und Entspannungs-Kurse wie Yoga oder Qi Gong. Und das ist tatsächlich eine Frage des Klientel: Es sind oft Leute, die Zeit haben, also eher ältere Teilnehmer – was aber durchaus typisch für eine Volkshochschule ist. Im Make-up-Kurs ist die jüngste Teilnehmerin aber gerade mal geschätzt Mitte 20. Und wir wollen die modernen Themen auch weiter ausbauen.

An was denken Sie da konkret?

Wir haben uns zum Beispiel neu dem Feldenkrais angenommen. Da geht es um Bewegung und darum, sich bewusster zu werden. Außerdem veranstalten wir am 29. Oktober zusammen mit der Staatskanzlei und der Verbraucherzentrale im Riesaer Stern ein Live-Hacking. Das ist eine interaktive Show, bei der Hacker zum Beispiel zeigen, welche Tücken das W-Lan haben kann oder wie wichtig Passwörter sind.

Aber auch das Thema Reichsbürger wird in Ihrem neuen Quartals-Programm angeboten.

Ja, das gehört zur Reihe „Kontrovers vor Ort“, die wir in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung anbieten. Tobias Ginsburg – ein Journalist, der sich in die Reichsbürger-Szene eingeschlichen hat – referiert dazu am 26. Oktober in Großenhain. Das Thema ist sehr aktuell: Thiendorf ist nicht weit weg.

VHS in Stern und Schloss

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„Digital? Aber sicher!“ Dazu richten Staatskanzlei, Verbraucherzentrale und Volkshochschulen „Live-Hackings“ aus. Die kostenlose Veranstaltung findet am 29.Oktober ab 18Uhr im Stern statt. Experten zeigen Tricks, wie Daten vor fremdem Zugriff geschützt sind.

Zum Thema „Reichsbürger, unheimlich und verborgen?“ referiert Tobias Ginsburg am 24.Oktober, ab 19Uhr, im Großenhainer Kulturschloss. Die Teilnahme ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich.

Sie sprechen damit die Razzia bei einem mutmaßlichen Reichsbürger in Thiendorf Ende September an. Haben Sie da nicht Angst vor Störungen?

Aufgrund anderer Veranstaltungen in anderen Landkreisen wird es besondere Sicherheitsvorkehrungen geben. Die Veranstaltung kann nur nach vorheriger Anmeldung besucht werden, und vor Ort wird es einen Wachschutz geben.

Sind weitere dieser kontroversen Veranstaltungen geplant?

Ja, 2019 wird es weitere Veranstaltungen geben. Dabei kann es um Themen wie Fake News, Diskussionskultur oder Politik gehen. Das hat aber nichts mit Staatsbürgerkunde zu tun, wo uns jemand erklärt, was richtig ist. Uns geht es darum, Meinungen zuzulassen. Die Veranstaltungen sind immer kostenfrei. Denn für politische Bildung Eintritt zu verlangen, ist Quatsch. Wir verstehen das als unsere gesellschaftliche Aufgabe.

Welche Schwerpunkte werden in diesem Quartal außerdem gesetzt?

Die Ehrenamtsförderung zum Beispiel. Die Staatsregierung hat Fördermittel zur Verfügung gestellt. Manche Kreise richten damit Dankesfeiern aus, der Landkreis Meißen aber hat das Geld für Projekte zur Verfügung gestellt. Wir wollen die Ehrenamtlichen damit im Zeitmanagement schulen, im Bereich Werbung und Kommunikation oder auch zum Thema Geldbeschaffung. Die Teilnahme ist ebenfalls kostenfrei.

Die normalen Kurse kosten bei Ihnen aber schon Geld, oder?

Die Kurskosten belaufen sich zwischen 2,50 und maximal acht Euro pro Unterrichtseinheit. Die Idee der Volkshochschule ist es, günstige Bildung für alle anzubieten. Viele Kurse laufen ja auch durchgängig – wie die Aquarell-Malerei oder die Kurse zum Umgang mit Tablets oder Smartphones. Letztere werden übrigens besonders ab Januar nachgefragt, wenn die Kinder ihren Eltern neue Technik zu Weihnachten geschenkt haben. Die Kurse sind eine große Herausforderung für unsere Referenten. Tendenziell sind die Teilnehmer 60, 70 oder sogar 80 Jahre alt. Und es gibt ja nicht das ein Smartphone, sondern eine Vielzahl von unterschieldichen Geräten.

Gerade an Ihrem Standort in Riesa an der Klötzerstraße fällt auf, dass hier viele Asylbewerber ein- und ausgehen.

In Riesa besteht derzeit die höchste Nachfrage nach Deutsch-Kursen, hier im Haus finden jeden Tag Kurse statt. Wir sind ein vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zugelassener Kursträger. Der Unterricht beginnt auf der Stufe A 1, da geht es ums Lesen- und Schreibenlernen, und geht in Riesa bis zum Level B 2 als Vorbereitung für eine Ausbildung. In Radebeul bieten wir zurzeit auch den Kurs C 1  an, das ist die klassische Vorbereitung für ein Studium.

Gespräch: Antje Steglich.

Infos: www.vhs-lkmeissen.de