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Mittwoch, 12.09.2018

Winzer wehrt sich gegen Waschbären

Den halben Weinberg in Kötitz haben die Gauner leergefressen. Nun hat Steffen Schabehorn Ärger mit Tierschützern.

Von Peggy Zill

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Von dort drüben kommen sie: Der Winzer Steffen Schabehorn auf seinen Weinberg am Elberadweg in Coswig-Kötitz, der direkt gegenüber der Elbinsel Gauernitz liegt.
Von dort drüben kommen sie: Der Winzer Steffen Schabehorn auf seinen Weinberg am Elberadweg in Coswig-Kötitz, der direkt gegenüber der Elbinsel Gauernitz liegt.

© Norbert Millauer

Hier fallen jede Nacht die Waschbären über die Trauben her.
Hier fallen jede Nacht die Waschbären über die Trauben her.

© Norbert Millauer

Können großen Schaden anrichten: die Waschbären.
Können großen Schaden anrichten: die Waschbären.

© Jochen Lübke/dpa

Coswig. Jede Nacht hauen sich die Waschbären den Bauch voll mit den roten Trauben. Dabei liegen sie in den Netzen, die die Weinstöcke eigentlich vor den Langfingern schützen sollen, als wäre es eine Hängematte. Aber da haben sie sich mit dem Falschen angelegt. Winzer Steffen Schabehorn will die Raubzüge im Weinberg am Kötitzer Elberadweg nicht einfach so hinnehmen, hat Lebendfallen aufgestellt. Aber die Waschbären überleben es deshalb trotzdem nicht. Weil sich der zuständige Jagdpächter im Urlaub befand und das Landratsamt ihm nicht weitergeholfen habe, übernahm Schabehorn die Tötung selbst. Dass er sich mit den toten Waschbären hat fotografieren und filmen lassen, brachte ihm im Internet kurzzeitig die Berufsbezeichnung „Waschbärschlächter“ und negative Firmenbewertungen ein. Seine Facebookseite hat er unterdessen gesperrt, damit die Tierschützer ihn nicht weiter mit Hassbotschaften bombardieren. E-Mails schreiben sie trotzdem und haben vermutlich auch eine seiner Fallen geklaut.

Die Anfeindungen nimmt der Winzer in Kauf. „Ich will eine politische Veränderung herbeiführen“, sagt Schabehorn. Die Jäger sollten eine Prämie für jeden erlegten Waschbären erhalten und die Schonzeiten müssten abgeschafft werden. „Schließlich handelt es sich um Schädlinge und sie vermehren sich wie Ratten.“ Und die hausen ausgerechnet gegenüber. Die Elbinsel Gauernitz ist streng geschützt – auch aufgrund der zahlreichen Brutvögel. Nur gibt es davon kaum noch welche. Mehr als 100 Waschbären sollen auf der Insel leben und die Nester plündern. Bis zum Weinberg von Schabehorn sind es nur wenige Meter, wo das große Fressen einfach weitergeht.

Die Gauernitzer Elbinsel gehört dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz. „Das ist doch makaber“, sagt Schabehorn. Die Umweltschützer müssten sich doch dafür einsetzen, dass die Waschbären von dort verschwinden. Prof. Dr. Hans-Jürgen Hardtke vom Landesverein ist auch ein Gegner der Waschbären. „Die Graureiher- und Komorankolonien sind schon verschwunden. Der unteren Naturschutzbehörde haben wir vorgeschlagen, dass die Bäume mit Brutvögeln Schutzgitter erhalten, damit die Waschbären nicht mehr hochklettern können.“ Im nächsten Jahr soll das passieren.

Das beseitigt das Problem aber noch nicht. „Man müsste sich auch mit den Jägern zusammensetzen, Fallen aufstellen“, so Hardtke. Dass Naturschützer und Jäger im Gespräch sind, bestätigt auch die Pressesprecherin des Landratsamtes. „Eine Vergrämung an einem Ort bringt nach Aussage der Fachleute wenig. Hier müssen andere Wege gefunden werden, denn die Waschbären vermehren sich rasant, da sie so gut wie keine natürlichen Feinde habe“, erklärt Dr. Kerstin Thöns. Selbst wenn die Waschbären von der Elbinsel verschwunden sind, gibt es noch genügend andere, sagt auch Hans-Jürgen Hardtke. Das Problem sei auch dem Umweltminister bekannt. Ein bisschen öffentlicher Druck, um die Diskussion weiter voranzubringen, könne nicht schaden.

Für Diskussionen hat Steffen Schabehorn auf jeden Fall gesorgt. Und sich damit Ärger eingehandelt. Im Landratsamt ist eine Anzeige über eine „brutale Tötung von Waschbären“ gegen Schabehorn eingegangen. Diese werde gegenwärtig geprüft, teilt das Landratsamt mit. „Natürlich darf er die Tiere nicht erschlagen“, sagt die Pressesprecherin Kerstin Thöns. Das gesetzliche Prozedere sei, den zuständigen Jagdpächter zu informieren, der das weitere Vorgehen veranlasst. Oder die Jagdbehörde vermittelt einen anderen Jäger, wenn der zuständige verhindert ist. Das habe man auch im Fall Schabehorn getan. „In der Ferienzeit lässt sich ein solches Vorhaben nicht innerhalb weniger Stunden klären, zumal es sich hier auch um keine unmittelbare Gefahr handelte.“

Der zuständige Jagdpächter wäre Volker Görnitz gewesen. Und er wäre auch zu Schabehorn gekommen, wäre er nicht im Urlaub gewesen. „Es ist nicht in Ordnung, die Tiere einfach so zu massakrieren“, sagt Görnitz. Eine Abschussprämie wäre für Jäger sicherlich ein Anreiz. Für ihren Aufwand verlangen die Jäger auch jetzt schon eine Entschädigung. Wie hoch die ist, sei Verhandlungssache, so Görnitz. Das können bis zu 40 Euro sein.

30 bis 45 Euro verlangt auch der Forstwirt Markus Handschuh aus Coswig pro Einsatz. Dafür gibt es dann eine Rechnung, die der Unternehmer als Ausgabe mit verbuchen könne. Derzeit hat er über 70 Lebendfallen im Einsatz. Handschuh vermietet diese und kümmert sich auch um die gefangenen Tiere. Für Steffen Schabehorn wäre das die „sauberste“ Lösung. So sei er rechtlich auf der sicheren Seite, meint Handschuh. Denn das Töten von Wirbeltieren ist nur einer berechtigten Person erlaubt. Ansonsten macht man sich strafbar.

Einen „Kopfgeldjäger“ will Schabehorn aber nicht engagieren. Denn bis die über 100 Waschbären von der Gauernitzer Insel alle gefangen sind, würde auch eine hohe Summe zusammenkommen. Aus unternehmerischer Sicht würde sich das nicht lohnen. Zumal er als Landwirt auch noch andere „Feinde“ wie Rehe, Wildschweine und das Wetter habe. Allein die Waschbären hätten dieses Jahr 3 000 bis 4 000 Euro Schaden angerichtet. „Paradox ist doch, dass alle das Erschlagen der Waschbären bejammern, aber wie viele Vögel schon durch die Waschbären getötet worden sind, kümmert keinen, weil sie ja so niedlich sind. Aber wir leben nicht in einer niedlichen Welt“, sagt Schabehorn.