• Einstellungen
Montag, 13.08.2018

Wieder steht ein Laden leer

Das Gardinengeschäft am Großenhainer Hauptmarkt hat geschlossen. Kann ein Citymanager den Trend stoppen?

Von Thomas Riemer

Immer mehr Läden in Großenhain stehen leer. Geschäftsinhaber gehen in Rente oder geben auf, Nachfolger sind ein Glücksfall.
Immer mehr Läden in Großenhain stehen leer. Geschäftsinhaber gehen in Rente oder geben auf, Nachfolger sind ein Glücksfall.

© Anne Hübschmann

Großenhain. Der Laden in der Kugelpassage ist schon seit langem mehr oder weniger verwaist. Das frühere Modegeschäft an der Ecke Hauptmarkt/Poststraße hat vor wenigen Wochen geschlossen. Ende Mai machte nun auch das Gardinengeschäft Kretzschmar dicht. Drei leerstehende Geschäfte in bester Lage nahe dem „Auge“ der Großenhainer Innenstadt.

„Wir haben in Großenhain nicht mehr den Umsatz erreicht, den wir uns erhofft hatten“, so Gardinenhaus-Betreiber Dirk Preußner. „Die Nachfrage ist nicht mehr so wie früher.“ Mit einem Zettel im Schaufenster hat er seine Kundschaft auf die Schließung hingewiesen, lädt sie in die Filiale auf der Meißner Burgstraße ein und verweist darauf, dass zum Beispiel der Waschservice auch künftig für die Großenhainer Stammkunden erhalten bleibt – so sie es wünschen. Bis zuletzt hatte Dirk Preußner gehofft, die Filiale auf dem Großenhainer Hauptmarkt erhalten zu können. Letztlich kam ein weiterer schwerwiegender Umstand hinzu. Der Geschäftsmann fand keine geeigneten Nachfolger, um seine in Rente gehenden Beschäftigten zu ersetzen.

Das Problem ist hausgemacht. Und im Großenhainer Rathaus natürlich auch nicht unbekannt. „Der Generationswechsel steht in einigen Geschäften bevor. Ob der passende Nachfolger gefunden wird und Traditionen fortgeführt werden können, ist durch die Stadtverwaltung indes nur schwer zu beeinflussen“, sagt Sprecherin Diana Schulze.

Immerhin versucht sie es. Mit dem Einzelhandelskonzept habe die Verwaltung bereits ein wirksames Instrument geschaffen, um die Innenstadt zu stärken und den Abzug von Kaufkraft aus dem Zentrum zu verhindern. „Indem Standorte für die zulässige Ansiedlung ausgewiesen werden und die Ansiedlung bestimmter Sortimente und Branchen wiederum ausgeschlossen wird, schützen wir die Attraktivität der Innenstadt und wollen die Rahmenbedingungen für eine wettbewerbsfähige und zukunftsfähige Ausrichtung des Großenhainer Einzelhandels schaffen“, so Diana Schulze. Als Mitglied in der Fördergemeinschaft „Großenhain aktiv“ e.V. habe man darüber hinaus auch „immer das Ohr an der Masse und erfahre, wo und wenn es klemmt“. Wenn ein Geschäft aus wirtschaftlichen Gründen dichtmache, könne das zwar meist nicht abgewendet werden. Bei anderen Gründen aber werde das Gespräch mit den Geschäftsleuten gesucht, um eine Lösung zu finden. Die Wirtschaftsförderung biete da Unterstützung an, vermittle Kontakte zu den Kammern – etwa zur IHK-Kammerbörse „next-change“, um potenzielle Nachfolge-Nutzer für die Geschäfte zu finden. Dass es durchaus auch Lichtblicke bei der Findung von Nachfolgern gibt, zeigen die jüngst neu eröffnete Nudeloase oder auch der Spirituosenhandel von Peter Lupprich auf der Dresdner Straße, so Diana Schulze.

Und doch muss die Rathaus-Sprecherin einräumen, dass es noch immer kein städtisches Konzept zum Umgang mit dem Geschäftsleerstand gibt. Ein City-Manager könnte es möglicherweise richten. Doch er wird wohl erst im kommenden Jahr eingestellt. Ok, dann könnte er sicherlich mit den ersten Resultaten der aktuellen Leitbild-Befragung arbeiten. Doch wie auch immer: Es vergeht wieder viel wertvolle Zeit. Unabhängig davon setzt man im Rathaus nicht ausschließlich auf die Schiene, leerstehende Geschäfte immer auch als künftige Gewerbeeinheit zu nutzen. Grundsätzlich stehe man auch Umnutzungen offen gegenüber, unterstütze Gespräche mit dem Denkmalschutz. „So ist es denkbar, leerstehende Geschäftsräume beispielsweise zu attraktiven innerstädtischen Wohnräumen umzubauen“, sagt Diana Schulze. Und dann seien selbstverständlich auch immer neue Ideen gefragt, um dem Online-Handel zu trotzen und Einkaufen in der Innenstadt zum Erlebnis werden zu lassen. Sei es durch Einkaufsnächte oder andere Events, „bei denen man in entspannter Atmosphäre die neuesten Trends gezeigt bekommt und hinterher probieren, etwas trinken und ein Schwätzchen halten kann“, so Diana Schulze. „Kein Geschäft wird wegen zu hoher Nachfrage geschlossen. Meist wird das Fehlen selbstverständlicher Angebote aber erst bemerkt, wenn es verschwunden ist.“ Ein Appell, der nicht neu ist, und sich an die Endverbraucher richtet. Vielleicht ist das ja beim Gardinenhaus Kretzschmar ähnlich. 25 Jahre war es an unterschiedlichen Standorten in Großenhain präsent. „Die Schließung hat mir leidgetan. Man hängt ja dran, es ist ein Familienbetrieb“, sagt Dirk Preußner. Den Kontakt zur treuen Stammkundschaft aus Großenhain führt er nun von Meißen aus weiter. Und auch wenn es für seinen ehemaligen Laden am Hauptmarkt eine Lösung zu geben scheint – es wäre ein Umzug eines anderen Unternehmens, der an anderer Stelle eine Leerstands-Lücke reißt.