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Montag, 06.08.2018

Wieder Duisburg, wieder Röser

Dynamo gewinnt zum Auftakt wie im Vorjahr mit 1:0 – und wieder gibt es einen Verletzten. Doch das Spiel macht Mut.

Von Tino Meyer und Sven Geisler

8 Der Auftaktsieg in Bildern

Lucas Röser (m.) schoss das Tor des Tages.
Lucas Röser (m.) schoss das Tor des Tages.

© Robert Michael

Plötzlich geht alles ganz schnell. Einwurf von Philip Heise auf Lucas Röser, der freie Bahn hat, zum Tor zieht, den heraneilenden Gegenspieler aussteigen lässt und in der 39. Minute zur überfälligen Führung trifft. Es ist die Belohnung für eine engagierte erste Halbzeit, fürs sichtliche Bemühen, es nach der ernüchternden Vorsaison nun alles besser zu machen. Es ist vor allem: der Siegtreffer

Dynamo Dresden gewinnt zum Auftakt in der 2. Bundesliga gegen den MSV Duisburg wie in der Vorsaison mit 1:0. Neben dem Spiel und dem Ergebnis ist also auch der Torschütze identisch. Vor ziemlich genau einem Jahr traf Röser schließlich ebenfalls, damals als Einwechsler für den kreuzbandverletzten Pascal Testroet.

„Die Sommerpause ist vorbei, jetzt heißt es wieder Feuer frei“ – der Spruch auf dem Transparent vorm K-Block passt.

Und den ersten Knalleffekt gibt es bereits eine Stunde vorm Anpfiff, zumindest für Außenstehende: Denn der längst wiedergenesene Testroet findet im 18-köpfigen Spieltagskader ebenso keinen Platz wie Aias Aosman und Erich Berko, dafür jedoch Nachwuchsmann Osman Atilgan. Das ist eine Ansage – und vielleicht der Grund, wieso speziell der offene, wortgewandte Testroet, der sich vor einem Jahr gegen Duisburg das Kreuzband riss, in den vergangenen Tagen alle Interviews ablehnte.

Hat er seine Nichtberücksichtigung womöglich geahnt? „Er hat Gas gegeben in der Vorbereitung wie jeder andere auch, und mehr verrate ich nicht“ – was Neuhaus bei der Spieltagspressekonferenz am Freitag sagte, bekommt nun einen neuen, einen tieferen Sinn.

Der Auftaktsieg in Bildern

Auch der neue, alte Kapitän Marco Hartmann erklärte, dass in der zurückliegenden Trainingswoche die ersten Mitspieler offensichtlich gegen Enttäuschung und Frust anzukämpfen hatten. Nämlich all jene, die nach den abschließenden Testspielen ihre Chancen schwinden sahen, gegen Duisburg dabei zu sein.

Einigermaßen unerwartet ist allerdings auch die Aufstellung: mit den drei Neuzugängen Linus Wahlqvist, Dario Dumic und Brian Hamalainen, dazu Jannik Müller, Heise und Hartmann, der in den Tests durchweg in der Abwehr gespielt hat. Insgesamt sechs Verteidiger also – und damit einer zu viel für eine Dreierkette plus zwei Außenbahnspielern, die sich bei Angriffen des Gegners zur Fünferkette formieren.

Die Lösung auf dem Spielfeld ist simpel: Hartmann kehrt auf seine angestammte Position im Mittelfeld zurück. Neuhaus verspricht sich davon mehr Stabilität in der Zentrale, mehr gewonnene Zweikämpfe, Struktur und Führung, wobei mit dem erfahrenen Patrick Ebert (statt Aosman und Rico Benatelli) jetzt eine weitere Führungskraft die Kommandos gibt.

Ein Ziel steht ohnehin: „Schon direkt nach der Niederlage im letzten Spiel vergangene Saison gegen Union Berlin haben wir uns geschworen, dass die Heimbilanz besser werden muss“, sagt Hartmann, und man möchte ihn ergänzen: schlechter ist ja kaum möglich.

Denn diese Heimbilanz war nicht weniger als eine einzige Katastrophe, erst recht gemessen am immer riesigen Zuspruch der leidgeprüften Fans: Platz 18 und damit Ligaletzter. Lediglich fünf Siege, davon der eine gleich zum Auftakt gegen Duisburg, standen zu Buche, zudem vier Unentschieden, vor allem aber jede Menge unabhängig vom Spielausgang enttäuschende Leistungen.

Entscheidend, meint Hartmann, sind deshalb auch nicht unbedingt die Ergebnisse, maßgeblich ist das Auftreten. „Das war immer wieder Thema in der Vorbereitung. Dass wir ein anderes Gesicht zeigen“, sagt er. Doch selbst solche taktischen Maßnahmen – für Hartmann alles nebensächlich. „Ich glaube, es geht um ganz einfache Dinge, die draußen jeder sehen muss, unabhängig vom System, unabhängig mit der taktischen Ausrichtung. Es geht um Ausstrahlung, Leidenschaft, Power, Identifikation. Dass wir einfach die Leute auf der Tribüne wieder packen will“, betont er. Das könne sowohl ein intensiv geführter Zweikampf sein als auch ein Tempodribbling im Angriff. „Diese Körpersprache muss da sein“, fordert Hartmann.

Sie ist da, sehr sogar; aber auch ein weiterer Knalleffekt – in Hartmanns rechtem Oberschenkel. Bei einem Sprint reißt die Muskulatur. Er muss abrupt abbremsen – und sich auswechseln lassen. Dass Hartmanns Ersatz, der vom Drittligisten Würzburg gekommene Jannis Nikolaou, kurz vor dem Halbzeitpfiff die Chance zum 2:0 hat, reißt dann wiederum Mannschaft und Zuschauer aus der Lethargie.

Mit Applaus geht es in die Pause, auch wenn längst nicht alles rund läuft. „Wir sind gerüstet für diese Partie, aber noch nicht bei hundert Prozent“, gesteht selbst Neuhaus, der mit der taktischen Veränderung aber Belebung in das zuletzt ins Stocken geratene Angriffsspiel bringt. Vor allem die rechte Seite mit Moussa Koné sorgt für neuen Schwung, und auf links ist Dynamo mit Heise und Duljevic, die jetzt noch von Hamalainen unterstützt werden, von jeher stark.

Woran es mangelt, sind Torchancen sowie das Nutzen der wenigen Möglichkeiten. Wahlqvist (16.), Ebert (17., 29.) haben Schusschancen, dazu Nikolaou (45.+1) und Koné nach dem Seitenwechsel (56.), auch Duljevic (70.) und ganz besonders der eingewechselte Benatelli in der Nachspielzeit. So bleibt es spannend, auch wenn Duisburg nur ansatzweise gefährlich ist, Dynamo aber aus Erfahrung immer für ein Gegentreffer gut ist.

Diesmal nicht, weil Markus Schubert einen Freistoß sensationell abwehrt und Sekunden später die Latte rettet. Glück gehört zu einem Neuanfang eben auch dazu.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. Cotta33

    Ein starker Auftakt mit positiven Erkenntnissen gegenüber der Vorsaison. Und der Torschütze zeigt, dass er im 1-1 genau den Zug zum Tor hat, der bei anderen(Harris) noch fehlt. Weiter so!

  2. Markus

    Spieler des Abends war für mich der Sportfreund Ebert. Seine Glanzleistung, besonders in HZ 1, hätte in dem Artikel Erwähnung finden sollen.

  3. Herbert

    Markus hat Recht, Patrick Ebert hat sehr gut gespielt und auch gekämpft - Patrick spiele bitte immer so. Und Markus Schubert - möge er dauerhaft ein Chance erhalten, die "null" hat er sich sehr verdient. Und an die Jungs im K-Block: Choreo war super, Papierrollen sind Unfug - das kann nicht nur Geld kosten, dort können auch unsere Jungs ausrutschen

  4. chef24

    Patrick Ebert = Man of the Match, geile Pässe - zum Teil nolook, super Kampfgeist. Neben Schubi ein Matchwinner Dennoch fgehlt vorn immer noch jemand mit der Lust zum absoluten Knipser - in HZ1 muss man mindestens 3 Tore machen. P.S. Die hirnlosen Rollenwerfer, die null Bock auf das Spiel haben können ja da Weile im Großen Garten Minigolfen und saufen gehen. Mit Fussball, Unterstützung der SGD und Fairplay hat das nix zu tun.

  5. Gluewi

    Hier ist Glüwi der Meckerer. Wie schon mehrfach von mir vorausgesagt macht der Oberlehrer Harti Bauz und Aua. Nach einem Sprint ... So muss ein "Kapitän" nicht sein. UN was soll das, der Einwurf von Ihnen war aber gut. Endlich mal vom Stühlchen aufgestanden. Toll.

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