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Freitag, 09.11.2018

Wie weiter mit Motocross?

Nach hitziger Diskussion nähern sich die Streitparteien in Bannewitz nun wieder an. Eine Einigung aber steht aus.

Von Verena Schulenburg

Vollgas: Das Motocross-Rennen Ende September zog rund 4000 zahlende Besucher an.
Vollgas: Das Motocross-Rennen Ende September zog rund 4 000 zahlende Besucher an.

© Karl-Ludwig Oberthür

Bannewitz. Scharfe Worte, laute Töne, wenig Verständnis. Knapp zwei Wochen ist es her, dass die Pläne zur neuen Motocross-Strecke an der B 170 die Stimmung in der Einwohnerversammlung aufheizten. Die Idee, die bis 1991 geführte Bannewitzer Tradition in der Gemeinde aufleben zu lassen, spaltet die Einwohner. Während viele froh darüber sind, dass einmal jährlich wieder ein großes Cross-Rennen stattfindet, wehren sich vor allem Anwohner im Ortsteil Nöthnitz vehement gegen die Pläne. Ihre Häuser sind nur etwa einhundert Meter Luftlinie von der Piste entfernt. Um ihre Interessen zu vertreten, gründeten sie sogar die Bürgerinitiative „Motocross am Wohngebiet – hier nein“.

Es scheint, jene Einwohnerversammlung vor zwei Wochen hat die Kluft zwischen Motorsport-Fans und den durch Lärm und Staub betroffenen Anwohnern nicht kleiner gemacht. Es ist eine Entwicklung, die allen Beteiligten missfällt. Es habe einzelne Leute gegeben, auch aus der Bürgerinitiative, die ein „polemisches, provozierendes und unsachliches Verhalten zeigten“, räumt deren Sprecher Dirk Ritter ein. Davon distanziere man sich. Um sich dafür zu entschuldigen, habe die Bürgerinitiative diese Woche Briefe an die Rathausspitze und die Cross-Fahrer, also den Motocross-Club Bannewitz (MCC), abgeschickt und zugleich die Bereitschaft für weitere Gespräche signalisiert. Es ist ein vorsichtiges Annähern nach der zwiespältigen Debatte.

Dieser Schritt bedeute aber keinesfalls, dass die betroffenen Anwohner dem Motorsport auf der Strecke im Norden der Gemeinde grünes Licht geben, stellt Dirk Ritter klar. Die Nöthnitzer fühlen ihre Interessen nach wie vor nicht ausreichend berücksichtigt, sich nicht genügend in den Entscheidungsprozess um das Projekt eingebunden. Und so, wie der Motorsport in Zukunft planmäßig auf dem etwa 30 000 Quadratmeter großen Areal nördlich des Bannewitzer Gewerbegebietes betrieben werden soll, sei es für die Anwohner „nicht zumutbar“, erklärt Ritter. Bei den Nöthnitzern handele es sich sowohl um Alteingesessene als auch Menschen, die sich in den 90er- und 2000er-Jahren dazu entschieden haben, ihren Lebensmittelpunkt nach Bannewitz zu verlegen. Dass in unmittelbarer Nachbarschaft die A 17 und die B 170 ein hohes Verkehrsaufkommen stemmen, sei auch den Zuzüglern bewusst gewesen, allerdings keine Pläne von einer zusätzlichen Lärmbelastung durch Motocross, so Ritter.

Ziel des Motorsport-Clubs Bannewitz und der Gemeinde ist es, einmal jährlich die Cross-Maschinen zu einem großen Rennen auf die Piste zu lassen, inklusive eines Trainingstags vorab. Ein solches Ereignis wurde Ende September bereits zum dritten Mal in Folge an der B 170 organisiert, aber erstmals auf der neuen, umstrittenen Strecke. Abgesehen von dem großen Rennen ist geplant, die Kinder und Jugendlichen des Vereins im Zeitraum von Mai bis Oktober im zweiwöchigen Rhythmus immer vormittags von 9 bis 12 Uhr trainieren zu lassen. Ab 14 Uhr könnten dann Elektromotorräder auf die Piste. Mit dieser Regelung kommt der Motorsportverein den lärmgeplagten Anwohnern bereits entgegen, ursprünglich war eine intensivere Nutzung der Strecke angedacht. „Mehr Kompromiss geht nicht“, betonte bereits Bürgermeister Christoph Fröse.

Doch für die Bürgerinitiative ist das kein gemeinsamer Nenner. Sie lehnen die Lage der Cross-Strecke weiterhin ab. Der Motocross habe durch Staub- und Lärmbelastung zu große Auswirkungen auf den persönlichen Rückzugsort der Betroffenen. Zudem stehe auch überhaupt noch nicht fest, ob übergeordnete Behörden den Motorsport hier dauerhaft genehmigen. Die Strecke befindet sich noch in der Prüfung.

Wie laut die Cross-Räder zu hören sein können, hat die Gemeindeverwaltung während des Trainingstages vor dem Rennen Ende September an zehn verschiedenen Stellen messen lassen. Nun stehen die Messergebnisse fest: An der Strecke selbst wurde ein Schallpegel von bis zu 95 Dezibel gemessen. Am lautesten waren hier die Maschinen mit dem größten Hubraum von 450 Kubikzentimeter.

Ein Messpunkt befand sich am Nöthnitzer Hang, etwa 250 Meter von den Motorrädern entfernt. Dort wurden laut Gemeinde den ganzen Trainingstag über Werte zwischen 62,9 und 69,8 Dezibel gemessen. Der Lärmpegel sei hier aber maßgeblich durch die Musik bestimmt worden, die aus der Beschallungsanlage der Strecke schallte.

Weitere temporäre Messpunkte befanden sich zwischen 200 und 1 370 Meter von der Strecke entfernt. Der weiteste Messpunkt war auf einem Balkon im fünften Obergeschoss an der Dorfhainer Straße in Dresden. Hier sei ausschließlich der Autobahn- und Bundesstraßenlärm zu verzeichnen gewesen, heißt es seitens der Gemeinde. Zudem sei an wechselnden Messorten in Nöthnitz eine maximale Lärmbelastung von 60,3 Dezibel gemessen worden. Auch hier sind Fremdgeräusche, insbesondere vom Straßenverkehr auf der Bundesstraße enthalten.

Marion Tischer, zuständig für die Bauleitplanung in Bannewitz, macht aber auch deutlich, dass diese Messergebnisse keinerlei rechtliche Relevanz für die Aufstellung des Bebauungsplanes haben. „Dafür sind gesetzliche Berechnungen zur Ermittlung von Immissionswerten durchzuführen“, sagt sie. Diese Werte werden erst noch im Genehmigungsverfahren ermittelt. Generell gesetzlich geregelt ist: Ab einer Lärmbelastung von 65 Dezibel am Tag steigt das Risiko für gesundheitliche Folgen an.