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Montag, 13.08.2018

Wie verhalte ich mich im Wald richtig?

Die Wälder im Osterzgebirge locken viele Besucher. Fünf Regeln, die es zu beachten gilt.

Von Anja Ehrhartsmann

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Vor allem das Löschen im Wald ist sehr problematisch, wie hier beim Waldbrand in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz nahe der Bastei Anfang August. Manche Waldgebiete sind nur schwer zugänglich, auch die Versorgung mit Löschwasser ist kompliziert.
Vor allem das Löschen im Wald ist sehr problematisch, wie hier beim Waldbrand in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz nahe der Bastei Anfang August. Manche Waldgebiete sind nur schwer zugänglich, auch die Versorgung mit Löschwasser ist kompliziert.

© Daniel Förster

Nicht nur im Winter ein Ausflugsziel für Naturliebhaber: der Kahleberg bei Altenberg.
Nicht nur im Winter ein Ausflugsziel für Naturliebhaber: der Kahleberg bei Altenberg.

© Archivfoto/Egbert Kamprath

Die Waldbrandgefahr im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist derzeit auf der zweithöchsten Stufe. Damit schätzen Staatsbetrieb Sachsenforst und Deutscher Wetterdienst die Gefahr in der Region als hoch ein, dass sich trockene Hölzer und Pflanzenmaterial im Wald entzünden, auch in den Kammlagen. Schon ein Funke kann genügen, um das trockene Gras in Brand zu setzen. Jeder Waldbesucher sollte deshalb extreme Vorsicht walten lassen, denn eine achtlos weggeworfene Zigarette kann bereits einen Flächenbrand entfachen. Auch Haus- oder Gartenbesitzer in Waldnähe sollten beim Grillen vorsichtig sein. Doch nicht nur vom offenen Feuer geht für die Wälder eine Gefahr aus. Auch Müll und sonstige Hinterlassenschaften bergen ein Risiko für Flora und Fauna. Deshalb ist es wichtig, einige Dinge zu beachten. Woran sich Waldbesucher halten sollten, zeigt die Übersicht der SZ.

Regel 1: Gegenseitig Rücksicht nehmen
Egal ob als Radfahrer, Wanderer, Geocacher, Reiter – sie alle sind als Erholungssuchende im Wald zu Gast. Fast die Hälfte der sächsischen Wälder gehört Privatpersonen, ein Zehntel aller Wälder ist kommunales oder kirchliches Eigentum, die restlichen Waldflächen sind im Besitz des Landes Sachsen oder gehören dem Bund. Die Wälder sind zugleich Wirtschaftsraum, Erholungsort und Lebensraum für Pflanzen und Tiere und erfüllen wichtige Schutzfunktionen, erklärt Kristina Funke, Sprecherin des Staatsbetriebs Sachsenforst im Forstbezirk Bärenfels. Diese sehr verschiedenen Ansprüche an den Wald bergen ein ständiges Konfliktpotenzial. Gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis sorgen dafür, dass der Wald ein Ort für alle – Erholungssuchende, Waldbewohner und Waldbewirtschafter – sein kann.

Regel 2: Die Natur im eigenen Interesse schützen
Wie viele Menschen die Wälder im Forstbezirk Bärenfels jährlich als Erholungsort aufsuchen, wird zwar nicht in Zahlen erfasst. Als Besucherschwerpunkte gelten aber der Tharandter Wald durch seine günstige Lage nahe Dresden und Freiberg sowie die Region um den Kahleberg. Dieses Gebiet spielt speziell für den Wintertourismus eine entscheidende Rolle. Aber auch in der Dippoldiswalder Heide wird man fast zu jeder Tageszeit auf Waldbesucher treffen, weiß Kristina Funke.

Regel 3: Keine Tempotaschentücherwegwerfen
Leider kommt es immer noch viel zu häufig vor, dass Müll im Wald zurückgelassen wird, so Kristina Funke. Speziell an Wanderrastplätzen und Waldparkplätzen finden sich immer wieder Verpackungsreste, leere Flaschen oder Sperrmüll. „Die häufigsten Hinterlassenschaften sind aber Tempotaschentücher,“ sagt die Forstwirtschaftlerin. „Klingt erst mal harmlos, sieht aber sehr unschön aus und verrottet deutlich langsamer als allgemein angenommen wird.“ Gelegentlich entsorgen manche auch ihren Grünschnitt im Wald. Ab und zu findet sich sogar Müll, der eigentlich ein Fall fürs Schadstoffmobil wäre, wie zum Beispiel Autobatterien, Farbreste und Eimer voller undefinierbaren Inhaltes. „Letztes Jahr stand längere Zeit ein verlassenes Fahrzeug an einem Waldweg. Auch Altreifen finden sich immer wieder.“

Regel 4: Gartenabfälle nicht im Wald entsorgen
Nicht nur die Natur verdient besonderen Schutz. Auch Tiere und Pflanzen, die dort leben, sollten mit Sorgsamkeit und Respekt behandelt werden. Müll ist besonders schädlich für Pflanzen und Tiere. Grünschnitt und Gartenabfälle im Wald sorgen dafür, dass sich unerwünschte – weil nicht heimische – Pflanzen verbreiten, wie etwa das Drüsige Springkraut oder der Sachalinknöterich, sagt Kristina Funke. Diese Pflanzen verdrängen heimische Arten. Dosen und Verpackungen von Speisen locken Füchse und andere Tiere an. Hier besteht erhebliche Verletzungsgefahr für die Tiere, wenn sie etwa unbedarft ihren Kopf durch enge Öffnungen stecken oder Reste aus gebrochenen Flaschen auflecken. Hinzu kommt die Gefahr, dass Gewässer durch austretende Flüssigkeiten verunreinigt werden. Durch Glasscherben steigt die Brandgefahr. Waldbesucher sollten außerdem immer im Hinterkopf behalten, dass das Laufen abseits der Wege die Tier- und Pflanzenwelt deutlich mehr stört, selbst wenn das Verlassen der Wege außerhalb bestimmter Schutzgebiete erlaubt ist. Ein generelles Betretungsverbot gilt laut Kristina Funke aber nur für Forstkulturen sowie jagdliche Einrichtungen.

Regel 5: Offenes Feuer im Wald ist streng reglementiert

Im Wald oder in einem Abstand von weniger als 100 Metern vom Wald entfernt, darf nur mit Genehmigung einer Forstbehörde Feuer angezündet werden. Trotzdem werden laut Kristina Funke im Umkreis von Rastplätzen immer mal wieder Überreste eines Feuers gefunden. Zu einem Brand im Forstbezirk Bärenfels habe das aber in jüngster Vergangenheit glücklicherweise noch nicht geführt. Laut Kristina Funke ist vor allem das Löschen im Wald sehr problematisch. Manche Gebiete sind nur schwer zugänglich, auch die Versorgung mit Löschwasser sei kompliziert. Um im Ernstfall die Arbeit der Feuerwehr nicht zu behindern, sollten Besucher deshalb nie Waldeinfahrten zuparken. „Feuerwehren und Rettungstechnik sind häufig breiter als ein normales Auto.“