• Einstellungen
Mittwoch, 10.10.2018

Wie steht es um die Bahnhöfe?

Die alten Empfangsgebäude prägen das Bild vieler Orte. Nur in wenigen herrscht noch Leben.

Von Kevin Schwarzbach

Wie steht es um die Bahnhöfe?

Seit über 55 Jahren wohnt Peter Topplep im alten Bahnhofsgebäude in Röderau direkt neben den Gleisen. Der Zuglärm stört ihn längst nicht mehr. Viel schlimmer findet er die Untätigkeit der Investoren.
Seit über 55 Jahren wohnt Peter Topplep im alten Bahnhofsgebäude in Röderau direkt neben den Gleisen. Der Zuglärm stört ihn längst nicht mehr. Viel schlimmer findet er die Untätigkeit der Investoren.

© Sebastian Schultz

Röderau. Die Züge rattern unmittelbar am Wohnzimmerfenster vorbei. Doch Peter Topplep hört die lärmenden Kolosse längst nicht mehr. Seit 1962 lebt der ehemalige Eisenbahner bereits Am Bogendreieck 3 in Röderau im einstigen Bahnhofsgebäude.

Wie steht es um die Bahnhöfe?

„Ich habe die Wohnung bezogen, als ich als Lehrling bei der Bahn anfing. Danach bin ich hier nie wieder weggegangen“, sagt Peter Topplep, der heute mit seiner Frau in dem Bahnhofsgebäude rund 200 Quadratmeter bewohnt. Auch im hohen Alter hegt und pflegt der 76-Jährige „sein“ Gebäude. Das Unkraut und die Büsche wachsen, hier und dort bröckeln die Wände. Schon seit Jahren kümmert sich Peter Topplep als Hausmeister um solche Probleme.

Das ist allerdings nicht überall so. Bereits 2008 hatte die Deutsche Bahn fünf der hiesigen Bahnhofsgebäude verkauft. Damals gingen die Immobilien in Glaubitz, Gröditz, Jacobsthal, Röderau und Seerhausen an private Investoren in London und Hamburg. Danach wechselten häufig die Besitzer. Ein Spiel, das Peter Topplep kennt. „Früher hatte ich einen niedersächsischen Vermieter, dann einen luxemburgischen und heute einen chinesischen“, erzählt er. „Alles Spekulanten, die auf das große Geld hoffen.“ Mittlerweile wohnt auch seine Tochter mit Mann und Kindern in einer der Wohnungen im Bahnhofsgebäude Röderau. „Ansonsten sieht es schlecht aus um die ganzen alten Bahnhäuschen. Die Eigentümer machen ja nur das Mindeste.“

Desktopversion des Artikels