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Freitag, 10.08.2018

Wie gehen wir mit unserem Planeten um?

Fragen wie diese sind Thema des Geoparkcamps in Weißwasser. Aber auch der Spaß kam nicht zu kurz.

Von Anja Wallner

Wie sieht unsere Erde aus, und wie sollte sie idealerweise aussehen? Das skizzierten diese Campteilnehmer anhand selbst gefertigter Modelle.
Wie sieht unsere Erde aus, und wie sollte sie idealerweise aussehen? Das skizzierten diese Campteilnehmer anhand selbst gefertigter Modelle.

© Anja Wallner

Weißwasser. Mit hängendem Kopf steht der Eisbär ganz allein mitten im Meer, im Hintergrund geht eine glutrote Sonne unter. Das collagenartig gestaltete Bild hat etwas Apokalyptisches und erzielt beim Betrachter die gewünschte Wirkung. So richtig passt es nicht in die Umgebung, auf das Gelände des KieZ „Am Braunsteich“ mit den hübschen Bungalows, den großen Bäumen, dem Schwimmbad, den sommerlich gekleideten jungen Menschen, den Sportanlagen. Ferienlageratmosphäre.

Die Jugendlichen, die dieses Bild gefertigt haben, sind Teilnehmer des 3. Internationalen Geoparkcamps, organisiert vom deutsch-polnischen UNESCO Global Geopark Muskauer Faltenbogen. Noch bis zum morgigen Samstag verbringen 34 Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren aus Griechenland, Italien, Rumänien, Ungarn, Polen und Deutschland sowie drei rumänische und ungarische Betreuer hier eine Ferienwoche. Es ist kein „normales“ Ferienlager: Zwar stehen auch Ausflüge, Besichtigungen, Schwimmen, Quatschen... auf dem Programm. Aber in erster Linie setzen sich die Jugendlichen mit aktuellen Fragen der globalen Entwicklung auseinander. Schlagworte wären: Nachhaltigkeit, fossile Brennstoffe und erneuerbare Energien, Ressourcenschonung. Oder auch die 17 Ziele für die nachhaltige Entwicklung – keine Armut, Bildung, sauberes Wasser, kein Hunger... „Die Jugendlichen sollen angeregt werden, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen“, sagt Nancy Sauer, Leiterin der Geopark-Geschäftsstelle. „Denn das wird auch in Zukunft ihre Aufgabe sein.“

An diesem Nachmittag präsentieren die Mädchen und Jungen die Ergebnisse des heutigen Thementages. Gruppenweise haben sie etwas Modellhaftes gestaltet, vor dem Hintergrund des sogenannten Welterschöpfungstages („Earth Overshoot Day“) – des Tages des laufenden Jahres, an dem die menschliche Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen das Angebot und die Kapazität der Erde zur Reproduktion dieser Ressourcen in diesem Jahr übersteigt. In diesem Jahr war er am 1. August. Neben eingangs beschriebenem dramatischem Bild bastelten die Camp-Teilnehmer beispielsweise Erdmodelle aus Styropor zum Aufklappen. Einerseits sind sie vollgepackt mit Müll, andererseits sind sie wunschgemäß sauber. Eine Gruppe Jugendliche durchstreifte einen lokalen Supermarkt auf der Suche nach nachhaltig produzierten Lebensmitteln.

„Das ist ein schönes Camp hier mitten in der Natur“, urteilt Zourus aus Griechenland. Adam aus Ungarn und George, ebenfalls Grieche, pflichten ihm bei. Für die Jungs sind das Kennenlernen neuer Freunde und der gemeinsame Spaß ganz wichtig, aber Umweltschutzthemen finden sie genauso bedeutsam. „Die werden immer wichtiger“, meint Zourus. Auch in seiner Heimat. Es werde dafür geworben, Recyclingprodukte zu kaufen; Plastiktüten gebe es in den Läden nicht mehr kostenfrei.

Die Woche ist pickepackevoll mit Erlebnissen. Es geht in den Findlingspark, zur F60, zu Windrädern, Wassermühlen. Ins Handwerksmuseum Sagar. Auf die Neiße zu einer Bootstour. Nach Breslau in ein Wasser-Wissenszentrum. Die Abende im KieZ sind jeweils einem Teilnehmerland gewidmet. Da stehen natürlich die Geoparks im Mittelpunkt, aber auch Land und Leute selbst. Typische Tänze werden gezeigt und typische Speisen probiert – und es wird mit dem einen oder anderen Vorurteil aufgeräumt. Was hat die Jugendlichen bei ihrem Aufenthalt besonders beeindruckt? Die Bootstour auf der Neiße und der Besuch der F 60. Dort oben, geben die Jungs zu, haben sie doch ganz schöne Angst gehabt.

Für die Suche nach Campteilnehmern schreiben die Organisatoren vom Muskauer Faltenbogen Geoparks in Europa an, die sich dann wiederum an ihre Partnerschulen wenden. Nancy Sauer ist begeistert von der diesjährigen Truppe. „Es ist ein schönes, kommunikatives Miteinander. Sie haben sich alle schnell angefreundet.“ Begegnungssprache ist Englisch. Das sei früher, als die Teilnehmer jünger waren, schwieriger gewesen. Da hat man vielleicht noch nicht so das Selbstbewusstsein, mit anderen in einer Fremdsprache zu parlieren.

Eine kleine Portion „Deutsch“ bekommen die jungen Leute nebenbei auch „eingelöffelt“: Pfandsystem, Mülltrennung, die vielzitierte Pünktlichkeit. Und ein paar Vokabeln. „Tschüss“, verabschieden sich die Jungs aus Ungarn und Griechenland.