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Samstag, 13.10.2018

Wie eine große Familie

Sie kämpfen wie die Löwen gegen den Krebs. Löwenmädels nennen sich die Frauen, die jetzt in der Helios-Klinik etwas ganz Besonderes erlebt haben.

Von Elke Braun

Löwenmädels haben sich die Frauen genannt, die gegen Krebs kämpfen und im Helios-Krankenhaus in Leisnig behandelt werden. Sie treffen sich hin und wieder auch privat mit den Ärzten und Schwestern. Das gibt vielen Teilnehmern Halt und Kraft.
Löwenmädels haben sich die Frauen genannt, die gegen Krebs kämpfen und im Helios-Krankenhaus in Leisnig behandelt werden. Sie treffen sich hin und wieder auch privat mit den Ärzten und Schwestern. Das gibt vielen Teilnehmern Halt und Kraft.

© Diana Krüger

Leisnig. Mehr als 30 Frauen und ein Mann haben sich im Obergeschoss des Krankenhauses versammelt. Fast alle Frauen haben vor kurzem oder bereits vor längerer Zeit die Diagnose Brustkrebs erhalten. Der Mann ist Oberarzt und Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Dr. Tamene Abraham hat alle Frauen behandelt oder behandelt sie noch.

Es ist ein Treffen der Löwenmädels – so heißt die Gruppe von Patientinnen, die die Chemotherapie in Leisnig erhalten oder erhalten haben. Löwenmädels – das soll heißen, dass sie besonders starke Frauen sind, Frauen, die sich der Diagnose Krebs mit aller Macht in den Weg stellen.

„Seit 2015 gibt es mehrmals im Jahr diese Treffen“, erzählt Grit Langrock, die in der Helios-Klinik für das Verabreichen der Chemotherapien zuständig und gleichzeitig Mammacare-Beraterin ist. Mammacare ist eine Methode zur Selbstuntersuchung der Brust. Sie dient der Brustkrebs-Früherkennung. Außerdem sind da noch Dr. Anne Schiener, ebenfalls Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Fotografin Diana Krüger, die Krankenschwestern Yvonne Grzona und Silke Unger, die nebenberuflich Haut- und Make-up-Beraterinnen sind sowie Simone Vatter, Friseurmeisterin und Inhaberin des Zweithaarstudios in Döbeln, bei diesem speziellen Treffen der Löwenmädels mit von der Partie.

„Wir feiern zusammen Weihnachten, treffen uns zu Vorträgen oder Museumsbesuchen“, zählt Grit Langrock auf. Diesmal aber steht etwas Besonderes auf dem Programm: Die Frauen werden geschminkt, frisiert und dann von Diana Krüger fotografiert. Eines der Fotos erhalten sie später. Es soll ihnen vor Augen halten: Du bist schön. Sag Ja zu dir. Denn: Ein positives Lebensgefühl könne nicht zuletzt den Heilungsprozess fördern, sagt Grit Langrock.

„So zurechtgemacht, fühle ich mich gleich viel besser. Da steigt mein Selbstwertgefühl“, bestätigt Karin Nabor aus Waldheim. Die Diagnose Brustkrebs bekam sie im April 2016. Bis zum Februar 2017 wurde sie in Leisnig behandelt. Wie Karin Nabor findet es auch Conny Vorwerk super, was Schwester Grit alles auf die Beine stellt. „Ich versuche immer, zu den Treffen zu kommen“, sagt sie. Der Kontakt zu anderen Betroffenen hilft ihr, die Krankheit besser zu verarbeiten.

Für ein positives Lebensgefühl


Annegret Wehnert wollte sich eigentlich gar nicht schminken lassen. „Aber ihr seht alle so schön aus, da mache ich das jetzt auch“, sagt sie. Die Döbelnerin, die als Lehrerin in der Grundschule „Am Holländer“ arbeitet, hat den Brustkrebs im Abstand von 13 Jahren zweimal bekämpfen müssen. „Diese Treffen sind für mich etwas unendlich Kostbares. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich alle wiedersehe. Es ist so ein wundervolles Miteinander. Ich fühle mich wie in einer großen Familie“, sagt sie. Dem Team der Station D2 der Helios Klinik um Oberarzt Dr. Abraham ist es zu verdanken, dass sich die Frauen trotz ihrer schlimmen Diagnose so wohl fühlen. Darin sind sich alle Frauen einig. „Es ist diese herzliche Art, mit der hier mit uns umgegangen wird“, sagt Annegret Wehnert und spricht damit den anderen Frauen aus den Herzen.

Neben Dr. Anne Schiener nimmt, immer wenn es seine Zeit erlaubt, auch der Oberarzt an den Treffen teil. So auch dieses Mal. Jede Frau umarmt er zur Begrüßung, findet liebe Worte, erkundigt sich nach dem Befinden, hört zu, gibt Tipps und antwortet auf die vielen Fragen. „Ich finde das klasse, dass wir uns auch außerhalb des Chemotherapie- oder Patientenzimmers sehen können“, sagt er. Die Gruppe habe sich zu einer wunderbaren Gemeinschaft entwickelt. Etwa 40 Frauen kommen regelmäßig zu den „Löwenmädels“. Darunter sind zumeist zehn bis 15, die sich noch in der Therapie befinden.

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