• Einstellungen
Samstag, 13.10.2018

Wie ein Sebnitzer auf Google Maps für seine Heimat wirbt

Ullrich Jentzsch fotografiert und wertet für den Kartendienst. Den Tourismus-Verantwortlichen ist er damit weit voraus.

Von Dirk Schulze

Bild 1 von 2

Regelmäßig geht der Sebnitzer Ullrich Jentzsch mit seiner Kamera auf die Pirsch. Allein bei Google Maps hat er über 1600 Fotos hochgeladen.
Regelmäßig geht der Sebnitzer Ullrich Jentzsch mit seiner Kamera auf die Pirsch. Allein bei Google Maps hat er über 1 600 Fotos hochgeladen.

© Dirk Zschiedrich

Das vom Leipziger Künstler Michael Fischer-Art bemalte Haus in Sebnitz ist ein Anlaufpunkt für Besucher. Ullrich Jentzsch hat es fotografiert, das Bild bei Google Maps hochgeladen und eine Rezension verfasst.
Das vom Leipziger Künstler Michael Fischer-Art bemalte Haus in Sebnitz ist ein Anlaufpunkt für Besucher. Ullrich Jentzsch hat es fotografiert, das Bild bei Google Maps hochgeladen und eine Rezension verfasst.

© Screenshot Google Maps

Sebnitz. Mit freiem Internetzugang will die Stadt Sebnitz bei Urlaubern punkten. An insgesamt 18 touristisch relevanten Orten, angefangen vom Sebnitzer Markt über den Weifbergturm in Hinterhermsdorf bis zum Lichtenhainer Wasserfall unten im Kirnitzschtal, sollen Touristen – und natürlich auch Einheimische – künftige kostenlose WLAN-Hotspots nutzen können. Die nötigen Fördermittel hat die Stadt erst kürzlich beantragt, im kommenden Jahr sollen die ersten Hotspots installiert werden. So richtig angekommen in der virtuellen Welt ist Sebnitz aber trotzdem nicht. Die Stadt muss sich von ihren Einwohnern helfen lassen.

Das WLAN-Projekt stößt weithin auf Zustimmung, auch bei Ullrich Jentzsch. Dass Touristen und Besucher mobilen Internet-Empfang haben, ist jedoch nur die eine Seite, sagt der Sebnitzer. „Gerade die Touristen wollen diesen Empfang dann auch dazu nutzen, sich über weitere lohnenswerte Ziele in der Nähe zu informieren.“ Dies geschieht seiner Erfahrung zufolge immer weniger über Websites, sondern zunehmend über Google Maps – ob man das nun gut findet oder nicht. Es komme also darauf an, dass die Sehenswürdigkeiten bei dem Kartendienst auch zu finden sind und mit entsprechenden Fotos und möglichst guten Rezensionen für sich werben. Ullrich Jentzsch ist in dieser Hinsicht sehr aktiv. Der leidenschaftliche Fotograf hat bereits über 1 600 Fotos bei Google Maps hochgeladen und mehr als hundert Rezensionen verfasst, von Urlaubsreisen, Ausflügen in Sachsen und zahlreichen Sehenswürdigkeiten in seiner Heimatstadt Sebnitz und der Sächsischen Schweiz. Dank Jentzsch kann jeder Nutzer auf Google Maps einen Videoclip von der Kirnitzschtalbahn sehen oder erfahren, bei welchem Sebnitzer Bäcker es den für seinen Geschmack besten Kleckselkuchen gibt.

Im Juni hatte die SZ den Sebnitzer und seine Netzaktivitäten vorgestellt. Ullrich Jentzsch wies seinerzeit daraufhin, dass viele Sebnitzer Sehenswürdigkeiten und Angebote bei Google Maps nicht ausreichend präsent sind. Aus seiner Sicht eine vertane Chance. Er hoffte, dass sich der eine oder andere Verantwortliche der touristischen Einrichtungen oder Unternehmen Gedanken darüber macht. „Doch den Eindruck habe ich leider nicht“, sagt Ullrich Jentzsch. Wie könne es sonst sein, dass interessante Punkte wie das Fischer-Art-Haus, die größte Seidenblume der Welt, die Engelkirche in Hinterhermsdorf oder die historische Postsäule auf dem Sebnitzer Markt bis vor kurzem gar nicht auf Google Maps zu finden waren oder es keine Fotos davon gab? „Da sehe ich noch ziemlich großen Nachholbedarf in unserer Region“, sagt der Sebnitzer.

Mittlerweile scheint sein Engagement aber zu wirken. Die Sebnitzer Tourismus-Verantwortlichen haben das Thema nun zumindest auf dem Schirm. „Die Einträge bei Google sind sicherlich touristisch interessant, aber neben Facebook und anderem nur ein Teil des Marketing-Portfolios“, sagt Sebnitz’ Tourismus-Chef Julian Ipsen. Seine Abteilung ist momentan dabei, sich zunächst für die eigenen städtischen Einrichtungen die Rechte bei Google zu sichern, um dann Kontaktdetails, Öffnungszeiten und andere Informationen eigenständig ändern zu können. „Wenn dies passiert ist, kümmern wir uns um andere Attraktionen wie die Postmeilensäule etc.“, sagt Ipsen. Es sei allerdings zu beachten, dass das Stadtmarketing auch auf die Rechte der Eigentümer achten muss. Die Stadt könne beispielsweise für den Lichtenhainer Wasserfall kaum die Arbeit auf Google übernehmen, erklärt der Tourismuschef. Im kommenden Jahr sollen derartigen Social-Media-Aktivitäten verstärkt Eingang ins Stadtmarketing finden, dafür läuft gerade die Planung.

Beim Fischer-Art-Haus, der größten Seidenblume und der Postsäule auf dem Sebnitzer Markt hat Ullrich Jentzsch mittlerweile selbst die Initiative ergriffen. Sie sind jetzt mit Fotos und Rezension auf Google Maps zu finden. Aber eigentlich müssten da auch andere mal aktiv werden, meint der Sebnitzer. Er ist gern dabei behilflich.

Desktopversion des Artikels