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Montag, 30.07.2018

Wie ein Görlitzer zum Weltmeistertitel lief

Philipp-Johannes Müller, der neue Trainer und Leiter der Triathlon-Abteilung beim Europamarathonverein, auf dem Weg zum WM-Titel. Dass er dabei die schnellste Laufzeit hinlegen konnte, war eine Überraschung.Foto: Ingo Kutsche
Philipp-Johannes Müller, der neue Trainer und Leiter der Triathlon-Abteilung beim Europamarathonverein, auf dem Weg zum WM-Titel. Dass er dabei die schnellste Laufzeit hinlegen konnte, war eine Überraschung. Foto: Ingo Kutsche

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Die junge Abteilung Triathlon vom Europamarathonverein kann stolz auf große Erfolge verweisen. Trainer und Abteilungsleiter Philipp-Johannes Müller wurde im dänischen Svendborg Weltmeister im Cross-Triathlon der Altersklasse M30. Er gewann im Cross-Triathlon (1 km Schwimmen; 30 km Mountainbike; 10 km Crosslauf) in 2:24:40 Stunden vor Alex Rhodes (2:27:09 h) und Ruben Villalain (2:30:49 h/beide Großbritannien). Bei der WM im Sprint-Duathlon (5,5 km laufen; 20 km Rennrad; 2,5 km Laufen) zuvor in Odense (Dänemark) fehlten dem Siemensmitarbeiter, der aus Brandenburg nach Görlitz kam, bei seinem fünften Platz (59:36 min) nur 26 Sekunden zur Bronzemedaille . Bei der Langdistanz-WM erkämpfte Hartmut Pache (AK 65-69) in 9:30:16 Stunden den guten 14. Platz. Philipp-Johannes Müller sagt im SZ-Gespräch, wie er trotz Feuerquallen und Knieproblemen zum Sieg lief.

Herzlichen Glückwunsch zum Weltmeistertitel. Mit dem haben Sie angesichts Ihrer Knieprobleme über Monate hinweg wohl selbst nicht gerechnet. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Da ich erst drei Wochen vor der WM wieder mit dem Lauftraining beginnen konnte, lag der Schwerpunkt auf einem intensiveren Rad-, Mountainbike- und Schwimmtraining. Als Ausgleich habe ich viel auf Aquajogging gesetzt. Daher war ich mit dem Auftakt im Duathlon sehr zufrieden, zumal mein Freund Reinhard Petzold aus Bautzen in der Altersklasse 65 bis 69 Vizeweltmeister wurde.

Das Schwimmen fand im Hafenbecken statt. Wie haben Sie die schwierigen Bedingungen gemeistert?

Das Stoßen und Schlagen der Konkurrenten ist man gewöhnt, aber die Feuerquallen im Svensborgsund, die noch lange im Gesicht brannten, machten uns allen zu schaffen. Auch dadurch hatte ich etwas den Kontakt zur Spitze verloren, führte aber die Verfolgergruppe an. Mit meiner guten Zeit von 15:13 Minuten konnte ich aber den Abstand in Grenzen halten.

Mit der zweitbesten Zeit von 1:24:30 Stunden auf dem schweren 30-Kilometer-Mountainbike-Kurs haben Sie das Loch zufahren. Wann haben Sie erfahren, dass Sie in Führung liegen?

Die Mountainbike-Strecke war wirklich schwer, gespickt mit Kurven, Steigungen, losem Sand, Baumstämmen, Sprüngen und Gesteinsbrocken. Viele Athleten stürzten. Ich habe mich an einen technisch versierten Biker aus Großbritannien angehängt. Auf der Laufstrecke, kurz nach der Wechselzone, erfuhr ich durch Zuruf, dass ich mit 13 Sekunden in Führung liege.

13 Sekunden sind für zehn Kilometer Crosslauf nicht viel. Wurde es noch einmal knapp?

Nein, denn ich habe immer versucht, das Tempo hochzuhalten, obwohl ich vor allem in der zweiten Runde völlig leere Beine hatte. Trotz des weichen Strandsandes, Treppen und Anstiegen, bei denen man sich an Seilen hochziehen musste, lief ich mit 42:03 Minuten die beste Laufzeit. Ich kam sogar als Gesamtzweiter aller Altersklassen ins Ziel. Den anderen muss es mindestens also genauso wehgetan haben.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Die liegen erst einmal im organisatorischen Bereich. Mit „Swim & Run“ (Schwimmen und Laufen) am 12. August will ich im und am Berzdorfer See ein neues sportliches Event in Görlitz und Umgebung ins Leben rufen. Ich hoffe natürlich auf eine rege Beteiligung.

Gespräch: Frank Tillig